Resch Rechtsanwälte: Razzia bei S&K. SHB Fonds im Griff von Spekulanten? Beirat ohne Anleger? Was ist los bei der SHB?

Resch Rechtsanwälte: Razzia bei S&K. SHB Fonds im Griff von Spekulanten? Beirat ohne Anleger? Was ist los bei der SHB?
21.02.20131808 Mal gelesen
Am 19.2.2013 fand bei der S&K Gruppe eine Großrazzia statt. Wie wirkt sich das auf die SHB aus? Es gibt enge Verbindungen zwischen beiden Unternehmen.

Die Anleger der SHB Innovative Fondskonzepte GmbH & Co. Objekte Fürstenfeldbruck und München Fonds KG sind ohnehin schon verunsichert. Mit Schreiben vom 28.01.2013 erhielten die ca. 9100 Anleger von der Geschäftsführung des Fonds beunruhigende Nachrichten und die Bitte sich an einer Gesellschafterabstimmung im Umlaufverfahren zu beteiligen. Was ist davon zu halten und was können die Anleger tun?

Die neue Geschäftsführung reklamiert gravierende Mängel und Versäumnisse der bisher handelnden Personen des Fonds, insbesondere der Geschäftsführung, des Beirates und des Treuhandkommanditisten. Herausgestellt wird von der neuen Geschäftsführung, dass „erhebliche Mängel in der Konstruktion und geschäftlichen Führung zur aktuell schwierigen Situation geführt“ hätten und „in der Vergangenheit gravierende Fehlentscheidungen getroffen wurden“. Die Konzeption des Fonds hätte sich nach Auffassung der neuen Geschäftsführung „als fatale Fehlkonstruktion erwiesen“, bei der „die Rückzahlungen an die Stillen Gesellschafter über die Ratenzahler generiert, also Ansprüche von Anlegern mit dem Geld anderer Anleger bedient“ werden. Ebenso wird gerügt, dass einzelne Beiratsmitglieder gleichzeitig bei der Vermittlung von Anlegern für die SHB-Fondsgesellschaften tätig wären und dies Potential für Interessenkonflikte zum Nachteil der Anleger berge.

Es bedürfe nun, nach Auffassung der neuen Geschäftsführung „erhebliche(r) Veränderungen und aktives unternehmerisches Handeln, um die SHB Fondsgesellschaften und konkret ihren Fonds in eine bessere Zukunft zu führen“.

Dies soll durch den neuen Geschäftsführer der SHB Innovative Fondskonzepte GmbH, Marc-Christian Schraut, gelingen. Er wird als „erfahrener Immobilienexperte und Fondsmanager“ beschrieben, „der seit vielen Jahren eng mit den erfolgreichen Immobilienunternehmern Stephan Schäfer und Jonas Köller zusammenarbeitet“. „Die Herren Schäfer und Köller sind wirtschaftlich die neuen starken Gesellschafter der Muttergesellschaft ihres SHB Fonds“. In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft am 19.02.2013 eine Großrazzia gegen die S&K Holding AG mit Hauptsitz in Frankfurt durchgeführt hat. Über 100 Objekte wurden von 1200 Ermittlern und 15 Staatsanwälten durchsucht. Es besteht der Verdacht des Anlagebetruges und der Untreue. Sechs Verdächtige wurden verhaftet.

Der neue Geschäftsführer Schraut will ein deutliches Zeichen setzen und sich mit €100.000,00  an dem Fonds beteiligen. Hier ergeben sich allerdings Fragen, denn der Name Marc-Christian Schraut ist auch mit einem Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Aschaffenburg (Az. 4 IN 130/07) verbunden. Ebenso ist Herr Marc-Christian Schraut Geschäftsführer verschiedener anderer Unternehmen, hier auch der S&K-Gruppe der o.g. Herren Schäfer und Köller. Aufgrund der Razzia vom 19.02.2013 kann sich hier jeder selbst sein Bild machen.

Ebenso ist dem Schreiben der neuen Geschäftsführung zu entnehmen, dass der Fondsgeschäftsführung mehrere Immobilienangebote vorliegen, „die dem Fonds die außergewöhnliche Möglichkeit geben, den Eigenkapitalanteil des Kaufpreises größtenteils in Raten zu zahlen und trotzdem sofort vom Ertrag der Immobilie zu profitieren“. Dass dieser Immobilienerwerb von Unternehmen der neuen Gesellschafter Schäfer und Köller erfolgen soll, kann dann nicht überraschen. Warum sich die anderen Unternehmen von den „attraktiven Immobilienportfolios“ trennen wollen, ist nicht ersichtlich. Aber unter Umständen liefert hier ja das Ermittlungsverfahren gegen die S&K-Gruppe weitere Informationen.

Nun soll der Beirat/Anlageausschuss sicherstellen, dass die Anleger in künftige Investitionen eingebunden werden und die Geschäftsführung beraten. Dazu soll der Beirat/Anlageausschuss umgestaltet werden und benötigt nach Auffassung der Geschäftsführung „immobilienspezifisches Fachwissen, insbesondere Erfahrungen und Kompetenzen bei Immobilienbewertungen und komplexen Immobilientransaktionen“, ebenso „sollten die Beiräte daher über langjährige berufliche Erfahrungen in der Bau- und Immobilienwirtschaft verfügen“.

Soweit, so gut. Allerdings stellen sich bei einigen der vorgeschlagenen Kandidaten für den Beirat schon wieder Fragen, denn auch hier ist die Verbindung zur S&K-Gruppe offenkundig. Damian Buchmann ist auch Geschäftsführer verschiedener Gesellschaften der S&K-Gruppe. Auch Tomislav Vulic ist als Architekt im Aufsichtsrat der FIHM Fonds und Immobilien Holding München AG und auch für die S&K-Gruppe tätig geworden. Auch hier werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt Main weitere Erkenntnisse liefern.

Eine Einbindung der Anleger in künftige Investitionen ist auf diese Weise schwer nachvollziehbar. Ebenso soll die Zustimmung des Beirates/Anlageausschusses zu Investitionsentscheidungen nicht mehr notwendig sein, vielmehr hat der Beirat/Anlageausschuss nur eine beratende Funktion. Mithin kann die Geschäftsführung ohne die Zustimmung des Beirates Investitionen durchführen. Damit verringern sich die Kontrollmöglichkeiten der Anleger.

Fragwürdig ist auch die Eile, mit der nunmehr die Investitionsentscheidungen durchgeführt werden sollen. Hier wird immer wieder auf das Inkrafttreten der AIFM-Richtlinie verwiesen. Dabei handelt es sich um einen Richtlinienentwurf zur Aufsicht alternativer Investmentfonds-Manager („AIFM“), der in deutsches Recht umgesetzt wird und umfassende Zulassungs- und Aufsichtforderungen für Fondsmanager vorsieht. Dazu gehören auch ein adäquates Risiko- und Liquiditätsmanagement. Das Anlagevermögen muss regelmäßig bewertet werden und es bestehen umfangreiche Offenlegungs- und Berichtspflichten gegenüber den Anlegern und Aufsichtsbehörden. Soll dies hier vermieden werden?

Somit ist nur zu raten, die Entwicklung, insbesondere auch das Ermittlungsverfahren gegen die S&K-Gruppe aufmerksam zu beobachten, seine Mitwirkungs- und Kontrollrechte als Anleger des SHB Fonds aktiv auszuüben und an der Abstimmung teilzunehmen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es, zumindest nach Auffassung der neuen Geschäftsführung, erhebliche Probleme beim Fonds gibt. Ob der Fonds eine „fatale Fehlkonstruktion“ ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Man kann das Beste hoffen und das Schlimmste befürchten.

Die Kanzlei Resch Rechtsanwälte prüft sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Ansprüche.