Briefkastenfirmen: Kanzlei Mossack Fonseca beugt sich internationalem Druck

anwalt24 Fachartikel
19.03.201842 Mal gelesen
Die Gründer der Skandal-Kanzlei Mossack Fonseca fühlen sich durch die Enthüllungen im Jahr 2016 über Briefkastenfirmen im Ausland an den öffentlichen Pranger gestellt. Nun zieht die Anwaltskanzlei Konsequenzen und stellt zum Monatsende ihre Operationen ein.

Das Ende der Off-Shore-Kanzlei?

Am 14.03.2018 in Panama-Stadt teilte die Kanzlei mit, sie werde ihre Tätigkeiten zum Ende des Monats aufgeben. Sie reagiert damit auf die Veröffentlichungen der Panama Papers im Jahr 2016 durch ein internationales Netzwerk von Journalisten, die über rund 200.000 von der Kanzlei Mossack Fonseca gegründeten Briefkastenfirmen berichtet hatten. Dort sollen unzählige Politiker, Sportler und sonstige Prominente ihr Vermögen geparkt haben. Die nach der Veröffentlichung erneut angerollte Debatte über Geldwäsche, Steuerbetrug und Steueroasen beherrschte wochenlang Medien auf der ganzen Welt.
Einen vergleichbaren Skandal mit Bezug zu Steuerhinterziehung hatte es bis dato noch nicht gegeben.

Gründer gehen in die Offensive

Die Gründer der Kanzlei, der deutsche Anwalt Jürgen Mossack und sein panamaische Partner Ramón Fonseca, sehen das alles allerdings ganz anders. Danach seien sie "Opfer eines weltweiten Cyber-Angriffes" geworden, beklagten sie nun in ihrer veröffentlichten Stellungnahme. Der Kanzlei sei durch die Schädigung ihres Rufes, die Medienkampagne, das Abschneiden von Finanzquellen und wegen des irregulären Vorgehens einiger panamaischer Behörden ein "irreparabler Schaden" entstanden, der nun zur Aufgabe alle Operationen zwinge.
Auch die Arbeit der internationalen Journalisten war nach Ansicht der beiden Firmengründer vollkommen verfehlt. "Das internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) hat der Welt auf Basis gestohlener Informationen ein verzerrtes Panorama unserer Dienstleistungen präsentiert", heißt es in der Mitteilung der Kanzlei.
Also war das mit dem Steuerbetrug doch alles ganz anders?

Das Geschäftsmodell und wie es aufgedeckt wurde

Wohl eher nicht. Bisher sind rund 150 Verfahren in 80 verschiedenen Ländern gegen die Anwaltskanzlei eingeleitet worden. Seit Mitte Februar sitzen beide Firmengründer in Untersuchungshaft. Trotzdem geben sich die beiden Anwälte in ihren Stellungnahmen auf Facebook kämpferisch und verbreiten dort ihre Sicht der Dinge.

Dabei war das Geschäftsmodell der Anwaltskanzlei eigentlich genauso einfach wie lukrativ. Für rund 1.000 Dollar bekam man eine anonyme Firma. Gegen einen Aufpreis stattete die Kanzlei die Firma mit sogenannten Scheindirektionen aus und verschleierte damit den wahren Inhaber. Das Ergebnis ist eine nach außen effektiv abgeschirmte Briefkastenfirma, die für die Verschiebung von Geldern wunderbar geeignet ist.
2016 wurde der Skandal bekannt, nachdem sich eine anonyme Quelle an die Süddeutsche Zeitung gewendet hatte und in der Folge das größte Leak, mit dem Journalisten je gearbeitet hatten, preisgegeben wurde. Die Informationsmenge bei den sogenannten Panama Papers war dabei sogar deutlich umfangreicher als beispielsweise im Fall von Wikileaks 2010.
Eines der größten Skandale im Rahmen von international operierenden Briefkastenfirmen und Geldwäsche wurde in der Folge aufgedeckt und kam an die Öffentlichkeit.

Weitere Informationen finde Sie auch unter: https://www.rosepartner.de/briefkastenfirma.html