Verdachtsberichterstattung - was und wie darf aus einer öffentlichen Gerichtsverhandlung berichtet werden? OLG Köln

21.05.2012325 Mal gelesen
Aus einer öffentlichen Gerichtsverhandlung darf nicht uneingeschränkt berichtet werden. Darüber hat das OLG Köln entschieden. Es ging um die Berichterstattung über einen Prominenten, der wegen einer Sexualstraftat angeklagt war.

Umstände aus dem privaten Lebensbereich eines Angeklagten dürfen von den Medien auch dann nicht ohne weiteres verbreiten werden, wenn diese in einer öffentlicher Hauptverhandlung erörtert worden sind, entschied das OLG Köln in seinem Urteil vom 14.02.2012, I-15 U 126/11, 15 U 126/11.

Die Gerichtsöffentlichkeit sei eine „Saalöffentlichkeit", die allerdings nicht mit der "Medienöffentlichkeit" gleichzusetzen sei.

Die Revision wurde in dem Urteil zugelassen.

Zu dem Urteil heißt es in der Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln vom 14.02.2012:

"Geklagt hatte in allen drei Verfahren ein wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Ex-Freundin angeklagter, im Strafverfahren freigesprochener Fernsehmoderator. Das Ermittlungs- und Strafverfahren war in den Medien, u.a. seitens der Beklagten, mit großer Aufmerksamkeit und ausführlicher Berichterstattung begleitet worden.

Der Kläger hatte während der Ermittlungen in einer richterlichen Vernehmung im Detail den zwischen ihm und der Anzeigenerstatterin üblichen (einvernehmlichen) Sexualverkehr geschildert. Die Beklagten hatten sodann Einzelheiten der Schilderung in ihre Presseveröffentlichungen eingestellt. Nach Ansicht des zuständigen 15. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Köln lag hierin ein unzulässiger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers. Das Berichterstattungsinteresse der Beklagten habe hinter dem Recht des Klägers auf Schutz seiner Intimsphäre zurückzustehen.

Etwas anderes ergebe sich auch nicht daraus, dass die berichteten Umstände später Gegenstand einer öffentlichen Gerichtsverhandlung gewesen seien, in welcher das Vernehmungsprotokoll im Wortlaut verlesen worden war. Die Öffentlichkeit eines Gerichtssaales sei nicht mit der Wirkung zu vergleichen, die von einer Veröffentlichung in den Medien, erst recht bei einer Veröffentlichung im Internet ausgehe. Die veröffentlichten Details hätten in keinem Zusammenhang mit dem konkreten Tatvorwurf gestanden und seien von den Beklagten auch in der Berichterstattung nicht in einen solchen Zusammenhang gerückt worden. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der Kläger nicht strafrechtlich verurteilt worden sei. Während des laufenden Ermittlungsverfahrens und bis zu einer gerichtlichen Verurteilung gelte zu Gunsten des Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Dementsprechend zurückhaltend und ausgewogen müsse über den Tatvorwurf und den auf dem Angeklagten lastenden Verdacht berichtet werden (15 U 123/11, 15 U 125/11 und 15 U Seite 2 von 2 126/11).

Das Gericht hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung die Revisionzum Bundesgerichtshof zugelassen. Die Frage, in welchem Umfang auch über private, das Persönlichkeitsrecht berührende Umstände berichtet werden dürfe, die in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung erörtert worden seien, sei bisher nicht höchstrichterlich entschieden."