FAZ mahnt Blogger ab

27.04.2013530 Mal gelesen
Klaus Graf ist bekannter Internet Blogger und betreibt seinen eigenen Blog „Archivaria“. Dort hat er ausführlich über die Plagiatsaffäre rund um die Causa Schavan berichtet. Kürzlich erhielt er eine Abmahnung des Justiziars der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er wurde dazu aufgefordert eine strafbewährte Unterlassungserklärung zu Unterzeichnen und zurückzusenden. Doch weswegen?

Klaus Graf soll in einem seiner Beiträge die FAZ-Autorin Heike Schmoll als Freundin/Lebensgefährtin von Frau Annette Schavan betitelt haben. Ein Auszug lautete wie folgt:

“ Schavan-Freundin Heike Schmoll unkt in der FAZ: “Schavan wird wohl den Titel verlieren” und vermutet bestimmte Machenschaften beim Auftauchen der belastenden Zitierregeln-Broschüre(…)“.

Diese Aussage lässt sich jedoch ohne große Schwierigkeit dahingehend interpretieren, dass Herr Graf hier lediglich auf eine sehr wohlwollende und Schavan-freundliche Berichterstattung hinweisen wollte und diesem Eindruck durch die Wortwahl „Schavan-Freundin“ schlichtweg mehr Ausdruck verleihen wollte.

Die Abmahnung bezog sich jedoch nicht ausschließlich auf die oben genannte Aussage. Ferner wird ihm vorgeworfen, dass er am Ende des beanstandeten Beitrags einen Hyperlink zu dem Blog „Causa Schavan“ gesetzt hat, in welchem eben diese Vorwürfe, Frau Schmoll sei die Freundin/Lebensgefährtin von Annette Schavan ebenfalls erhoben würden.

Wie auf der Blogseite „Causa Schavan“ zu lesen ist, hat man dort recherchiert und ist zu der Feststellung gelangt, dass solch eine Behauptung weder in einem Beitrag noch in einem Leserkommentar zu finden sei. Wörtlich heißt es dort:“ … die Behauptung, dass auf Causa Schavan der “Vorwurf” erhoben würde, dass Frau Schavan die Lebensgefährtin von Frau Schmoll sei, ist aus der Luft gegriffen. Nirgendwo haben wir derartiges behauptet. Tatsächlich wurden auch Leserkommentare, die mehr oder weniger deutlich auf solche persönlichen Verhältnisse anspielten, von uns nicht zur Veröffentlichung freigegeben.“

Ein weiterer Blogger vermutet, dass nicht der Blog „Causa Schavan“ gemeint war, sondern ein weiterer Blog namens „Plagiatschavan“. Hierauf hat aber Klaus Graf in dem abgemahnten Beitrag überhaupt nicht verwiesen.

Mittlerweile hat sich Klaus Graf selbst auf seinem Blog ausführlich zu dem Thema geäußert. Dort heißt es unter anderem:

„ Weder durch die Formulierung “Schavan-Freundin Schmoll”, die aus meiner Sicht lediglich die auffällig freundliche Berichterstattung von Frau Schmoll über Frau Schavan charakterisieren sollte, noch durch die Linksetzung auf „Causa Schavan“ habe ich die von Ihnen als falsch und üble Nachrede bezeichnete Unterstellung einer Lebenspartnerschaft verbreitet. Mir war dieses Gerücht völlig unbekannt(…) .

„Dass ich aufgrund eines Hyperlinks haften soll, der zu einem Blog führt, in dessen Kommentaren irgendwo Frau Schmoll als Freundin von Frau Schavan bezeichnet wurde, überdehnt jedes vernünftige Konzept von Linkhaftung“.

Die Unterlassungserklärung wird er nicht unterzeichnen, stattdessen lässt er die öffentliche Verlautbarung für jeden ersichtlich auf seinem Blog.

Letztlich muss man, wenn man sich den ganzen Sachverhalt vor Augen führt schon fragen, warum ein Blogger die Meinungsfreiheit gerade gegen eine der größten DeutschenTageszeitungen verteidigen muss und sicherlich auch, warum die FAZ hier vorliegend überhaupt die Rechte von Frau Schmoll vertritt. Wo hier eigentlich eine Rechtsverletzung zum Nachteil der FAZ gegeben sein soll, müsste auch erst einmal aufgezeigt werden.