DLD 2012: Datenschutz, Privatsphäre und Social Media

31.01.2012487 Mal gelesen
Auf dem DLD 2012 in München wurde unter anderem über Datenschutz und Privatsphäre im Netz gesprochen

„DLD“ steht für „Digital Life Design“ und bezeichnet einen Kongress, auf dem es – kurz gesagt - darum geht, wie sich die schöne, neue Welt der Bits und Bytes auf das Leben der Menschen auswirkt. Auf dem DLD 2012 in München  wurde speziell auch darüber diskutiert, was Social Media wie Facebook und Twitter, aber auch andere persönliche Online-Aktivitäten mit der Privatsphäre des vernetzten Menschen machen.

„Ich bin hier als ein Mahner, als ein Verteidiger der verlorenen Privatsphäre.“ Das sagte der Internet-Unternehmer und –Kritiker der britisch-amerikanische Autor Andrew Keen zur Eröffnung des diesjährigen DLD  in München. Freilich könne man, so meinte er weiter, nicht zurück in die alte Zeit vor der totalen Vernetzung. Man müsse jedoch die Gefahren der digitalen Welt kennen und wissen, dass Plattformen wie Facebook ihre Nutzer zu Produkten machten.

Moderne Gesetze für ein modernes Medium

Weniger kritisch gab sich die EU-Kommissarin Viviane Reding. Der Luxemburgerin geht es um den Datenschutz, genauer gesagt, ist er ihr darum zu tun, dass hier schnellstmöglich zeitgemäße, EU-einheitliche Regelungen geschaffen würden. „Die Datenschutzgesetze in der EU stammen aus dem Jahr 1995, also aus einer Zeit vor dem Internet“, gibt sie zu bedenken und will schon bald eine Initiative zum Schutz der privaten Daten von Social-Media-Benutzern auf den Weg bringen.

Die datenschützerischen Ambitionen von Viviane Reding stoßen allerdings nicht überall auf Gegenliebe. Harsche Worte fielen zum Beispiel unlängst zwischen Berlin und Brüssel: Innenminister Friedrich befürchtet, dass mit der EU-einheitlichen Regelung des Datenschutzes, wie sie Viviane Reding anstrebt, den einzelnen Regierungen weitere Kompetenzen abgezwackt und nach Brüssel verlagert würden.

Auch die europäische Internetwirtschaft fürchtet Ungemach von neuen Datenschutzgesetzen im Sinne von Viviane Reding. Ihr Datenschutzmodell sei kaum praktikabel und würde Internet-Unternehmen zwingen, ihre Geschäftsmodelle radikal zu verändern. Damit kämen sie in Hintertreffen gegenüber außereuropäischen Mitbewerbern, welche sich nicht an solche Regelungen zu halten hätten.

Privatsphäre radikal

Einen vom Mainstream völlig abweichenden Ansatz zu Privatsphäre verfolgt Chris Poole. Er betreibt die Plattform 4Chan, auf der jedermann völlig anonym in Wort und Bild veröffentlichen kann, was er anderen zeigen möchte: Triviales, Albernes, aber auch Anrüchiges und politisch Unkorrektes.

Eher ins Mittel legen sich hingegen Stefan Groß-Selbeck von XING und Sebastian Nerz von der Piratenpartei. Groß-Selbeck glaubt, dass die Menschen sicherlich nicht alle und auch die intimsten Dinge veröffentlichen würden. Der Chef der Piraten schließlich  ist der Ansicht, dass wir es ganz einfach lernen müssten, mit den neuen Möglichkeiten der öffentlichen Selbstdarstellung umzugehen.