Schiffsfonds: ML-Schiffsinvest 1

15.06.20101924 Mal gelesen
Auswirkungen der Finanzkrise auf Schiffsfonds Bis in das Jahr 2008 galten Schiffsfonds als vermeintlich sichere Anlage mit hohen Renditechancen. Der enorme Rückgang der Fracht- und Charterraten sowie ein bestehendes Überangebot an Containerschiffen bei gleichzeitig stagnierendem weltweitem Containerverkehr führten dazu, dass viele Schiffsfonds in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Viele Fonds-Gesellschaften haben bereits Insolvenz angemeldet oder arbeiten an Sanierungskonzepten.

ML-Schiffsinvest 1

So geriet auch der in diesem Jahr aufgelegte Schiffsfonds ML-Schiffsinvest 1 aufgrund seiner Prospektangaben in die Kritik.
Die Lange Vermögensberatung GmbH in München warb nach Angaben der KMI
(Kapitalmarkt intern) zahlreiche Anleger u.a. mit folgenden Flyern an:" Sonderchance: Kapitalerhöhungen bei Schiffsfonds (?) Geplant sind Investitionen in Schiffe und Zweitmarktanteile mit attraktiven Preisen. Es wird eine sinnvoll strukturierte Zusammenstellung von Schiffsinvestitionen angestrebt, die es Ihnen ermöglicht, an der wirtschaftlichen Entwicklung einer Vielzahl von Schiffen zu partizipieren."
Die konzeptionelle Besonderheit des Schiffsfonds ML- Schiffsinvest 1 besteht darin, dass die Initiatorengesellschaften geringere Vergütungen in der Investitionsphase erhalten, sodass eine hohe Investitionsquote angestrebt wird. Im Gegenzug hierzu fließen laut Prospekt 90 % des Anlegerkapitals in die Rücklagen, was bei den Gründungsgesellschaften nicht der Fall ist, sodass die Gründungsgesellschaften deutlich mehr an den laufenden Gewinnen partizipieren.
Darüber hinaus hätten die Anleger im Prospekt ausdrücklich darauf hingewiesen werden müssen, dass beim Schiffsfonds ML- Schiffsinvest 1 Interessenkonflikte möglich sind, zumal die Fonds-Geschäftsführer sowohl Beiratsfunktionen haben als auch eigene Fondsanteile halten. Zudem ergibt sich aus einem Prospektnachtrag, dass die ML-Schiffsinvest 1 GmbH & Co. KG Anteile an weiteren acht Fonds erworben hat. Hierbei handelte es sich um Beteiligungen an Sanierungskonzepten von ca. 5 Mio €. Fünf dieser Beteiligungen wurden von der Ehefrau einer der Fondsgeschäftsführer erworden. Spätestens hier hätte ein Hinweis auf einen möglichen Interessenkonflikt erfolgen müssen.
Schließlich standen zum Zeitpunkt der Erstellung des Hauptprospektes die einzelnen Zielgesellschaften noch nicht fest, sodass Blind-Pool-Risiken bestehen d.h. obwohl beim Schiffsfonds ML-Schiffsinvest 1 keine langfristige Fremdfinanzierung vorgesehen ist, wird den Gründungsgesellschaftern das Recht eingeräumt Fremdkapital bis zu 90 % der Investitionssumme aufzunehmen.
 
Unter Berücksichtigung der zuvor genannten Ausführungen ist fraglich, ob die Anleger dem Sanierungskonzept zugestimmt hätten bzw. sich an diesem beteiligt hätten.
 
Rechtliche Möglichkeiten für Anleger
Betroffenen Anlegern wird geraten, die in deren Fall bestehenden rechtlichen Optionen durch einen auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Rechtsanwalt prüfen zu lassen.
Die anlegerfreundliche Rechtsprechung zu den geschlossenen Immobilienfonds ist grundsätzlich auch auf Schiffsfonds anwendbar. In Betracht kommen Ansprüche gegen die Prospektherausgeber bei unrichtigen Angaben im Prospekt sowie eine Haftung des Anlageberaters bei unzureichender Risikoaufklärung.