Folgen der Insolvenz von KTG Agrar

Folgen der Insolvenz von KTG Agrar
18.07.2016573 Mal gelesen
Sollte anstatt des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung ein reguläres Insolvenzverfahren, müssten die Gläubiger ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden, unabhängig davon ob die Anlage gekündigt wurde oder nicht.

Die KTG Agrar SE hat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Tausende Anleger werden dadurch erhebliche Verluste erleiden. Betroffene fragen sich wie es beim vielversprechenden Agrarriesen KTG Agrar dazu kommen konnte und was als nächstes passiert.

KTG Agrar Pleite – eine Überraschung?

Die Insolvenz der KTG Agrar SE trifft die Anleihegläubiger wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Anleger dachten, dass sie sich bei Investitionen in KTG Agrar für eine sichere und beständige Geldanlage entscheiden. Unter dem Motto „Gegessen wird immer“ ließen sich tausende Anleger vom Geschäftsmodell des Agrarkonzerns überzeugen. Das Unternehmen gehört mit Anbauflächen von rund 45.000 Hektar zu den führenden Produzenten von Marktfrüchten in Europa. Im Jahr 2015 hatte KTG Agrar einen Umsatz von 326 Millionen Euro – eine stolze Summe. Dennoch konnte das Unternehmen die am 6.Juni fälligen Anleihezinsen von 17,8 Millionen Euro nicht bezahlen, was auch der Grund für den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens war. Woran lag das und war die Insolvenz wirklich so überraschend? Trotz des großen Umsatzes ist der Überschuss von 3,7 Millionen Euro relativ gering und reicht für die fälligen Zahlungen bei weitem nicht aus. Die Höhe der Zinszahlungen ergibt sich aus dem riesigen Schuldenberg des Unternehmens – zuletzt ca. 605 Millionen Euro, wie Focus Online berichtet. Besonders bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sind eine hohe Verschuldung und daraus resultierende Zahlungsschwierigkeiten jedoch kein Einzelfall. Bei Anleihen in solchen Unternehmen ist mit einer Ausfallquote von rund 25 Prozent zu rechnen. Bei Hochzinsanleihen großer Unternehmen ist dagegen mit einer Ausfallquote von lediglich ein bis zwei Prozent zu rechnen. Anleger sollten daher stets bedenken, dass sie bei Mittelstandsanleihen ein höheres Ausfallrisiko eingehen.

KTG Agrar Insolvenz – wie geht es weiter?

Die KTG Agrar SE möchte das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchführen. Das heißt, dass kein externer Insolvenzverwalter bestellt werden soll. Stattdessen soll das bisherige Management, zusammen mit dem vom Gericht bestellten Sachwalter Rechtsanwalt Stefan Denkhaus, das Unternehmen weiterhin führen soll. Es soll eine umfassende Restrukturierung des Unternehmens erfolgen, die die langfristige Fortführung ermöglichen soll. Sollte die Restrukturierung gelingen, könnten die Anleihegläubiger aufatmen. Ob und inwieweit dies gelingen wird lässt sich allerdings derzeit nicht genau abschätzen.

Betroffene Anleger sollten sich zunächst an eine Kanzlei mit Erfahrung auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalanlagerechts wenden und ihre Ansprüche, die insbesondere auch gegen Anlageberater bestehen können, prüfen lassen.