Verurteilt, was nun?

03.06.2014357 Mal gelesen
Strafverfahren sind nicht nur für den Beschuldigten, sondern auch seine Angehörigen und Freunde eine große Belastung. In der Regel steht viel, wenn nicht alles auf dem Spiel: Die Existenz, Familie, Freunde und nicht zuletzt die persönliche Freiheit. Es lohnt sich daher bis zu Letzt zu kämpfen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Und dieser Kampf hat, wenn man ihn richtig führt, oft Aussicht auf Erfolg.

Gerade in erster Instanz vor den Amtsgerichten, aber zum Teil auch vor den Landgerichten, werden Urteile oft aus dem Bauch heraus gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft erhebt eine Anklage, die lückenhaft ist und eigentlich keinen Bestand haben dürfte. Der Richter, in Kenntnis der hohen Arbeitsbelastung und der fehlenden Möglichkeit zu saubererer Recherche bei den Staatsanwaltschaften, verurteilt den Angeklagten dennoch, in dem Gefühl: „An der Sache wird schon etwas dran sein.“ Dann kommt oft hinzu, dass der Verteidiger schlecht gewählt ist, oder im Vertrauen auf einen guten Ausgang nicht ausreichend Geld für eine vernünftige Verteidigung in die Hand genommen wurde. Oft ist es aber noch nicht zu spät, das Ruder herumzureißen.

Die Berufung bietet die Möglichkeit, insbesondere bei Urteilen der Amtsgerichte, das gesamte Verfahren, inklusive Beweisaufnahme neu aufzurollen. Sie bietet eine zweite Chance. Es ist aber Eile geboten, da sehr kurze Fristen laufen, um sich gegen eine erstinstanzliches Urteil zur Wehr zu setzen!


Auch wenn im konkreten Fall eine Berufung nicht zulässig ist, besteht immer die Möglichkeit einer Revision zum Oberlandesgericht oder zum Bundesgerichtshof. Dort können bereits gesprochene Urteile nochmals vollumfänglich auf Rechtsfehler geprüft werden. Das kann dazu führen, dass das gesamte Verfahren, dann vor einem anderen Gericht, wiederholt werden muss. Aber auch hier ist Eile geboten, da kurze Fristen laufen!


Schlussendlich besteht, wenn alle Mittel ausgeschöpft sind, immer noch die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde zum Bundesverfassungsgericht. Dies hat in blanken Zahlen zwar keine hohe Erfolgsquote. In bestimmten Fällen und von einem der wenigen Spezialisten erhoben, besteh jedoch reale Chancen. Diese sind, wenn es um alles geht, zumindest zu prüfen!