30%- Zuschlag für Integritätsinteresse

09.05.20081144 Mal gelesen

In seinem Urteil vom 13.11.2007 (VI ZR 89/07) hat sich der Bundesgerichtshof (BGH)ein weiteres Mal zum Thema Unfallschadenregulierung geäußert.

Übersteigen die festgestellten Reparaturkosten nach einem Kfz-Gutachten den Wiederbeschaffungswert eines Fahrzeuges, liegt normalerweise ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Für den Fall, dass ein Geschädigter sein Fahrzeug dennoch (auch durch private "Eigenreparatur" oder durch einen Dritten) reparieren lassen möchte, spricht man vom Integritätsinteresse. Hierbei ist eine Instandsetzung im Rahmen eines 30%igen-Zuschlags über dem Wiederbeschaffungswert möglich. Um diesen Zuschlag tatsächlich geltend machen zu können, ist es notwendig, dass die Reparatur nach den Vorgaben eines Sachverständigen durchgeführt wurde und entweder durch Vorlage einer Rechnung oder im Fall einer Eigenreparatur durch Vorlage einer Bestätigung der sach- und fachgerechten Instandsetzung nachgewiesen wird. Der Geschädigte konnte also durch eine private, aber fachgerechte Reparatur im Rahmen seiner fiktiven Abrechnung der Nettoreparaturkosten "verdienen". Das bleibt auch weiterhin so, allerdings mit einer Einschränkung:
Der sogenannte Integritätszuschlag von 30% sei nach dem BGH nur dann gerechtfertigt, wenn der Geschädigte das Fahrzeug nach der Reparatur auch tatsächlich weiter benutzen wolle, nicht dagegen, wenn er von vornherein die Absicht habe, es danach alsbald zu veräußern.

Schlussfolgerung
Der Geschädigte, der Ersatz des Reparaturaufwandes über dem Wiederbeschaffungswert verlangt, bringt sein für den Zuschlag von bis zu 30 % ausschlaggebendes Integritätsinteresse regelmäßig dadurch zum Ausdruck, dass er das Fahrzeug für einen längeren Zeitraum nutzt. Hierzu wird ein Zeitraum von etwas sechs Monaten vorausgesetzt.

Zur erfolgreichen Schadensregulierung und Durchsetzung etwaiger Schadensersatzansprüche unter Beachtung und Ausschöpfung aller Möglichkeiten sollte man sich an einen auf Verkehrs- bzw. Haftungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt wenden.

Claudia Petrikowski
Rechtsanwältin