Von Apple’s Gnaden? – App-Programmierung und Zulassungsrichtlinien

20.07.2012387 Mal gelesen
Die Entwicklung eigener Apps für Smartphones und Tabletcomputer ermöglicht vielen Unternehmen eine neue Art des Vertriebs und des Marketings. Wie vermeidet man aber, dass die für viel Geld entwickelte App an der Zulassung durch den App-Portalanbieter scheitert?

Die rechtliche Einordnung der App-Entwicklung

Die Entwicklung und Programmierung von Apps stellt aus juristischer Sicht ein Softwareentwicklungsprojekt dar, welches die bekannten Problembereiche wie die Festlegung der Funktionen und des Designs, Änderungsverlangen, Nutzungsrechte und Quellcode-Herausgabe oder Abnahmeprozeduren umfasst. Eine rechtliche wie tatsächliche Hürde stellt die Zulassung einer App zu den Plattformen der Betreiber wie zum Beispiel Apple oder Microsoft dar.

Bei der App-Entwicklung muss von Anfang an die geplante Vertriebsplattform berücksichtigt werden. Nicht nur wegen der Entwicklungsumgebung, sondern in Hinblick auf die  Zulassungsrichtlinien der App-Store-Anbieter. Diese müssen das Unternehmen als Anbieter einer App und der Entwickler schon bei der Konzeption und Programmierung berücksichtigen.

Wer steht für die Zulassung der App ein?

App-Entwickler wollen verständlicherweise nicht dafür einstehen, dass App-Store Betreiber die App auch tatsächlich zulassen bzw. diese aus dem App-Store wieder entfernt werden. Dies mag unter dem Aspekt verständlich sein, dass Portalbetreiber wie zum Beispiel Apple auf den ersten Blick nach eigenem Gusto die Zulassung ablehnen können.  

Der Auftraggeber einer App-Entwicklung sollte aber nicht jeden Ausschluss der Gewähr für die Zulassung akzeptieren. Denn aus unserer Sicht kann der Entwickler wichtige Regeln der Zulassung steuern. In den Submissions oder Review Guidelines oder wie auch immer die Zulassungskontrollen der App-Portalanbieter genannt werden, sind eine Vielzahl von Bestimmungen enthalten, die der App-Programmierer beachten kann und muss.

Technische und rechtliche Vorraussetzungen

Dies sind zunächst die technischen Bedingungen für die App. Für diese muss nach unserer Ansicht der Entwickler einstehen, denn er hat als Spezialist die fachliche Kenntnis darüber, welche technischen Bedingungen die App für das jeweilige System der Verkaufsplattform haben muss.

Schwieriger gestaltet sich die Frage nach der Verantwortung für die sonstigen, insbesondere rechtlichen Voraussetzungen der App-Zulassung. Für rechtswidrige Inhalte, die Nutzung  fremder Marken oder Urheberrechte muss unsere Meinung nach der Entwickler geradestehen, wenn der Auftraggeber diese nicht explizit vorgibt.

Schwierig wird es bei der Beachtung der Rechtsordnungen für die geplanten Absatzländer der App. So muss auch die App die Anbieterkennzeichnung enthalten, wenn die Vorraussetzungen des Telemediengesetzes vorliegen. Hier wird empfohlen, diese Prüfung und Vorgaben vertraglich aufzuführen und schon bei der Konzeption zu beachten.

Verantwortlichkeit für die Anmeldeprozedur und die Pflege

Aus unserer Sicht sollte in dem Vertrag auch bestimmt werden, wer für die Anmeldeprozedur in einem App-Store verantwortlich ist und wie zu verfahren ist, wenn die App abgelehnt oder  zur Anpassung „zurückgeschickt“ wird. Hier kann streitig werden, ob eine kostenlose Nachbesserung oder ein kostenpflichtiges Änderungsverlangen vorliegt.  

Vertraglich geregelt sollten auch die Wartung und Updates der App sein. Die Betreiber der Plattformen behalten sich vor, ihre Bedingungen jederzeit zu ändern oder anzupassen. Es sollten Vorkehrungen getroffen werden, dass auch die App zumindest flexibel angepasst werden kann. Wird keine dauerhafte Zusammenarbeit angestrebt, sollte der Quellcode offengelegt und eine ausreichende Dokumentation vorgelegt werden.     

Fazit

Die Finger der Menschen werden zunehmend zum entscheidenden Steuerungsmerkmal von Anwendungen und Webinhalten. Fingerspitzengefühl sollte auch für die Vereinbarung über eine App-Entwicklung gezeigt werden. Die Vertragsparteien sollten vereinbaren, für welche Voraussetzungen der Zulassungsrichtlinien der Entwickler einstehen soll. Eine generelle Verweisung auf diese Richtlinien sollte ebenso vermieden werden, wie ein kompletter Ausschluss jeglicher Verantwortung des App-Programmierers. Die Chancen, die Apps bieten, müssen nicht zu teuer erkauft werden.