Herr Rechtsanwalt, Herr Mediator, das ist doch nicht fair, nicht gerecht.

02.11.2011654 Mal gelesen
Diese Sätze höre ich immer wieder. Sie sind ein großes Hindernis auf dem Weg zu einer Lösung Ihres Streites. Und wirklich streiten wollen die wenigsten, aber der andere .... ? Einen Anspruch auf die gewünschte Gerechtigkeit oder Fairness gibt es nicht.

Menschen, die solche Sätze sagen, hoffen auf Zuspruch, Bestätigung. Für diese Menschen ist es so klar, dass dieses Verhalten des anderen nicht fair, nicht gerecht ist.

Da kann es keinen Zweifel geben. Sie erwarten eine sofortige Bestätigung des Gesprächspartners. Nach der Bestätigung dieser Auffassung ist dann der nächste Schritt vielleicht die Aussage, ich verstehe den anderen, den Konfliktpartner nicht. Das der das nicht begreift, dass er/sie ungerecht unfair handelt. Aber der Richter wird es ihm dann schon verdeutlichen. Aber Richter sind auch Menschen.

Die Welt könnte doch so schön sein, wenn es solche unfairen Menschen nicht gäbe.

Wer dann noch genussvoll in dieser Situation unter dieser Ungerechtigkeit leidet und sich vielleicht sogar über lange Zeit hinweg zum Opfer macht, tut sich selbst etwas an.

Ganz anders gewendet, wird aus diesen Sätzen der Anfang zu einer Lösung.

Das ist doch ungerecht, bedeutet eigentlich,  dass dieser Mensch  dieses Verhalten, diese Situation  als ungerecht empfindet. Dies gilt entsprechend für die Vorstellung von Fairness.

Dieser Mensch ist also durch sein Leben, seine Erziehung zu genau dieser Vorstellung von Gerechtigkeit gekommen. Er unterstellt, das diese Vorstellung von Gerechtigkeit und Fairness allgemein gültig ist und in ihrer Richtigkeit nicht bezweifelt werden kann. 

Genau dort beginnt das Problem und die Ursache vieler oft langjähriger Streitigkeiten.

Gerade die Entscheidung des anderen Konfliktpartners, nicht nach dieser Fairness- oder Gerechtigkeitsvorstellung zu leben, zeigt doch dass der /die Andere eine abweichende Vorstellung von Gerechtigkeit oder Fairness empfindet.

Die Vorstellung von Gerechtigkeit und Fairness ist eine subjektive Vorstellung. 

Wer diesen Gedanken zuläßt und sich auf den Weg zum Verständnis anderer Fairness- oder Gerechtigkeitsideen macht, begibt sich auf den Weg zu einer Lösung, vielleicht auch gerade mit dem anderen Konfliktpartner.

Wer die Unterschiedlichkeit der wechselseitigen Vorstellungen verstanden hat, kann dann wirklich beginnen, in der Mediation oder auch im laufenden (Rechts)-Streit Lösungen für diese Unterschiedlichkeit zu finden und dadurch zu einer den Gerechtigkeiten entsprechenden Lösung zu kommen.

Es ist  Freiheit,  Verantwortung für eigene Vorstellungen zu übernehmen, und sich von Streit durch Entwicklung zu befreien.

Sie müssen die andere Gerechtigkeitsvorstellung nicht verstehen, oder gar akzeptieren. Hilfreich ist es jedenfalls ganz radikal, also grundlegend, zu akzeptieren, dass der andere Mensch diese abweichende Gerechtigkeitsvorstellung besitzt und diese Tatsache nicht zu kritisieren.

Dann beginnt die Lösung Ihres Streites. Sie verlassen festgefahrene richtige oder falsche Vorstellung und begeben sich auf den Weg zu wechselseitigem Verständnis.

Wie groß diese Aufgabe sein kann, weiß jeder, der in einer Beziehung zu anderen Menschen lebt .

 

Warum schreibe ich dies?

Weil es einfach so viel schöner ist, als Mediator, als Anwalt, lebenskluge Mandanten zu haben, die einen Konflikt als Chance für Entwicklung für Veränderung begreifen. Gehören Sie dazu ?

Die Ergebnisse werden oft nachhaltig verbessert. Das Streiten kann dann sogar sportliche Freude machen.

 

Wer sich von solchen Ideen anstecken lassen möchte, kann auch heute um 18:30 Uhr zum Infoabend von mediatorenaktiv in meine Kanzlei kommen. Dieser Infoabend zur Mediation und aussergerichtlichen Streitbelegung findet an jedem 1. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr statt.

Kommen Sie nur oder auch , wenn Sie auch bereit sind, die eine oder andere lieb gewordene Vorstellung aufzugeben.

 

Wir können auch telefonieren...089/182087

 

Erich Kager

Rechtsanwalt und Mediator