11 Dinge, die Ihnen viele Anwälte wohl nie sagen werden

11 Dinge, die Ihnen viele Anwälte wohl nie sagen werden
18.08.20151491 Mal gelesen
Wer hat nicht schon von diesen Horror-Geschichten gehört. Ihr Anwalt erscheint nicht zu einem wichtigen Termin, er widerspricht nicht, wenn sich die Gegenseite in unbelegten Vorwürfen ergießt und er verliert Ihren Prozess, weil er unvorbereitet vor Gericht erscheint.

Diese Liste ließe sich wohl beliebig verlängern. Deshalb haben wir hier einige Tipps zusammengestellt, die helfen, solche unschönen Vorkommnisse zu vermeiden.

1. Sagen Sie die Wahrheit

Falls Ihnen Ihr Rechtsanwalt nicht glaubt, wird er möglicherweise daran zweifeln, dass sie im Recht sind. Auch wenn sich durch Unterlagen und Beweise ergibt, dass sie sehr wohl gerechtfertigte Ansprüche haben, kann es schwer sein, den ersten Eindruck wieder gut zu machen. Oft hat man dafür nur eine Chance. Sie müssen Ihre Geschichte meist durch Beweise und Zeugen belegen. Ihr Anwalt ist kein Zeuge, sondern Ihr Berater. Sie selbst sind dafür verantwortlich die entsprechenden Beweise zu sammeln. Dazu gehören Dokumente, Briefe, Emails, Fotos und natürlich Zeugenaussagen, die Ihr Vorbringen bestätigen. Also arbeiten Sie gründlich. Denn Glück ist nichts anderes, als wenn eine gute Vorbereitung auf eine Gelegenheit trifft.

2. Ihre rechtliche Einschätzung ist höchstwahrscheinlich falsch

Heutzutage sind Informationen für jeden stets nur einen Mausklick entfernt. Viele Mandanten werden zuerst umfassend im Internet und anderen Medien recherchieren, ehe sie sich überhaupt dazu entschließen, sich mit Ihrem Anliegen an einen Anwalt zu wenden. Doch der Teufel steckt oft im Detail. Niemand kann von Ihnen erwarten, die aktuelle Rechtsprechung oder abgelegene Verordnungen zu kennen, die in Ihrem Fall aber entscheidend sein können. Oftmals ähneln sich Sachverhalte auch und führen juristische Laien auf falsche Fährten. Überlassen Sie diese Arbeit Ihrem Anwalt. Dafür bezahlen Sie ihn schließlich. Sparen Sie sich umfangreiche Darstellungen Ihrer Recherche, bzw. erwarten Sie nicht, dass Ihr Rechtsberater sich ausführlich hiermit auseinandersetzt. Dies kostet ihn lediglich Zeit, die er für Sie auf bessere Art und Weise investieren kann und möchte.

3. Begleichen Sie das Anwalts-Honorar wie vereinbart

Kommen unbeglichene Rechnungen zwischen Ihnen und Ihren Rechtsanwalt, dann kann es dazu führen, dass Sie nicht die Aufmerksamkeit, Leistung und Beratung bekommen, die sie sich vorgestellt haben. Würden Sie sich von Ihrem Arzt behandeln lassen und die Rechnung nicht begleichen? Würden Sie ohne zu bezahlen den Supermarkt verlassen? Sicher nicht. Wenn sie sich nicht an die mit ihrem Rechtsanwalt getroffene Vereinbarung über das Honorar halten, wie glaubhaft sind dann ihre Aussagen und wie glaubhaft ist Ihre rechtliche Position. Wenn ihr Anwalt merkt, dass sie unzuverlässig sind und sich nicht an Absprachen halten, wird dies Einfluss auf seine Motivation haben. Trennen Sie also Geldangelegenheiten von Ihren eigentlichen Prioritäten. Diese lauten, ihren Rechtsstreit zu gewinnen und dafür eine optimale Beratung von ihrem Anwalt zu erhalten. Zahlen sie also die Honorarrechnung pünktlich. Nur so erreichen Sie das beste Resultat für sich.

4. Kleiden Sie sich angemessen

Falls Sie vor Gericht erscheinen müssen, werfen sie sich bitte in Schale. Wenn Sie aussehen als wären Sie gerade auf dem Weg zur Kneipe, oder schlimmer, als kämen sie gerade aus einer, dann sagt das nur Folgendes aus. Sie wollen Ihren Rechtsstreit nicht gewinnen oder Ihr Ego hat sich in den Weg gestellt. Ihre Glaubwürdigkeit wird durch den Stil ihrer Kleidung unterstützt oder eben nicht. Falls Sie sich wie in ihrer Freizeit anziehen, wird das beim Richter wirken, als wäre Ihnen Ihr Anliegen nicht wichtig. Warum sollte es ihm dann wichtig sein?

5. Ihre Angelegenheit kann sich hinziehen…

…und das freut weder sie noch ihren Anwalt. Sie beauftragen einen Rechtsanwalt um sich selbst den Rücken frei zu halten und den endlosen „Papierkram“ nicht erledigen zu müssen. Aber ihr Anwalt und sein Sekretariat müssen sich darum kümmern. Auch macht diese Arbeit einen nicht unerheblichen Teil der Vergütung aus. Der Unterschied zwischen einen Mandanten und einem Anwalt liegt darin, dass der Rechtsanwalt weiß, dass sich die Sache wohl in die Länge ziehen wird und sich schon aus Erfahrung damit abgefunden hat. Für Sie hingegen entwickeln sich die Dinge meist viel zu langsam und er verliert die Geduld. Die Wahrheit ist, dass die Verfahren meist viel länger dauern und mehr Papier produziert werden muss, als sich der Mandant das wünscht. Üben Sie sich in Geduld. Es bleibt Ihnen ja auch nichts anderes übrig.

6. Der Ausgang des Rechtsstreits hängt nicht nur vom Gesetz ab

Natürlich sieht sich jeder Mandant im Recht. So hat ein Gefängnis-Leiter nach 30 Jahren Dienstzeit erst kürzlich erklärt, er habe in 30 Dienstjahren noch nie einen Insassen erlebt, der von seiner Schuld überzeugt war. Jeder war unschuldig oder konnte zumindest sehr gut erklären, wieso er nicht anders handeln konnte. Aber auch jenseits des Strafrechtes hängt der Ausgang eines Verfahrens nicht nur von der Lage des Gesetzes ab. In vielen Fällen spielt die Frage, ob das vorgebrachte auch beweisbar ist, eine größere Rolle als die reine Anwendung des Gesetzes. Aber auch bei einem klaren Sachverhalt entscheidet das Gericht immer zu einem Einzelfall, der in dieser Art und Weise wohl noch nie vorgekommen ist oder zu dem es keine höchstrichterliche Entscheidung gibt. Daher ist es wichtig einen Rechtsanwalt zu haben, der das Geschehen in einen Zusammenhang bringt und daraus eine plausible Geschichte spinnt, die das Gericht auch nachvollziehen kann. Der Spruch, dass man sich vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand befindet, bewahrheitet sich allzu oft. Daher können ihnen Rechtsberater meist keine Garantie auf einen positiven Ausgang geben.

7. Machen Sie es schriftlich

Falls Sie Ihre Angelegenheit und Ihr Recht nicht im Büro Ihres Anwaltes darlegen können, haben sie möglicherweise keinen Fall, der sich zu ihren Gunsten entscheiden lässt. Viele Anwälte werden wohl nichts dagegen haben, ihren Ausführungen gegen ein entsprechendes Honorar bis ins kleinste Detail zu folgen, auch wenn nicht die geringste Aussicht auf Erfolg besteht. Allerdings können Sie ihr Geld auch besser anlegen. Ihr mündliches Vorbringen sollten Sie also in der Regel durch Dokumente oder einen Vertrag belegen können. Man wird annehmen, dass Ihnen wichtige Dinge auch eine schriftliche Vereinbarung wert sind. Schreiben Sie es also auf.

8. Erzählen sie nicht ihre Lebensgeschichte

Falls Sie Ihre Angelegenheit nicht in unter einer Minute bei einem ersten Gespräch mit ihrem Advokaten zusammenfassen können, sollten Sie nochmals darüber nachsinnen, worum es ihnen eigentlich geht. Im Idealfall sollten Sie Ihr Anliegen in einem Satz zusammenfassen können. Zum Beispiel „Mein Geschäftspartner hält sich nicht an eine vertragliche Vereinbarung“ oder „Mein Arbeitgeber weigert sich, mein Gehalt zu zahlen“. Hinterlassen sie gleich bei einem ersten Gespräch einen guten und vorbereiteten Eindruck. Jeder Rechtsberater freut sich über ein neues Mandat. An Mandaten, die eine unangemessen zeitintensive Betreuung benötigen, sind die Wenigsten interessiert. Bringen sie es auf den Punkt!

9. Bringen Sie nicht die ganze Familie zum Beratungstermin

Ihr Rechtsanwalt ist an ihnen und ihrem Fall interessiert. Haben Sie also einen Termin, kommen sie alleine. Weitere Personen lenken ab und ziehen das Gespräch in die Länge, da sie meist nicht über alles informiert sind und den gleichen Wissenstand haben. Finden Sie für Ihre Kinder einen Babysitter und berichten sie ihren Angehörigen lieber nach dem Termin. Das spart ihre Zeit und ihr Geld.

10. Ihr Fall ist nicht einzigartig

Für Sie als Mandant betrifft ein Rechtstreit nur allzu oft persönliche Schicksale und in der Regel wird es für Sie auch nicht alltäglich sein, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sich zu Ihrem Recht zu verhelfen. Hierfür hat Ihr Anwalt auch Verständnis. Dennoch ist es äußerst wahrscheinlich, dass er bereits ähnlich gelagerte Sachverhalte betreut oder gar erfolgreich abgewickelt hat. Die Strategie für sein Vorgehen steht also oftmals bereits fest, wenn er weiß, gegen wen Sie vorgehen oder welche Ansprüche Sie geltend machen möchten. Ihre persönliche Geschichte blendet Ihr Anwalt dabei zwar nicht aus, in vielen Fällen ist sie aber für die Bearbeitung nicht relevant. Vertrauen Sie Ihrem Advokaten, dass er auch Ihr persönliches Schicksal ernst nimmt – aber vertrauen Sie ihm auch, dass er genau weiß, ob sich hieraus für Sie Vorteile für eine erfolgreiche Bearbeitung Ihrer Angelegenheit ergeben.

11. Standardschreiben sind ein gutes Zeichen

Mandanten stehen Standardschreiben von Rechtsberatern häufig kritisch gegenüber. In der Regel haben sie das Gefühl, ihr Fall ist dem Anwalt nicht wichtig genug, um eine individuelles Schreiben aufzusetzen. Außerdem fragen Sie sich vermutlich, wofür Sie Ihren Anwalt bezahlen, wenn dieser dann doch nur ein Standardschreiben aus der Schublade zieht und seine Unterschrift darunter setzt. Dabei sollten Sie eigentlich froh sein, dass Ihr Anwalt zu Ihrer Angelegenheit bereits über Standardschreiben verfügt. Denn dies lässt darauf schließen, dass er bereits eine Vielzahl an vergleichbaren Mandaten bearbeitet hat. Er hat also bereits Erfahrung im Umgang mit bestimmten Anspruchsgegnern oder Sachverhalten. Im Übrigen werden Standardschreiben auch ständig optimiert, um möglichst effektiv dazu beizutragen, Ihre Ansprüche durchzusetzen. Möchten Sie wirklich einen Anwalt, der so viel Zeit hat, jedes Schreiben neu zu tippen? Welche Rückschlüsse lässt dies auf seine bisherige Arbeit zu?

Anwälte sind in der Regel an Menschen und Ihren Geschichten und Anliegen interessiert. Sie sollten also entspannt in ein Gespräch und in einen Termin gehen. Wenn sie sich vorbereiten und diese Tipps beherzigen, wird das für sie, ihre Sache und ihren Anwalt die Zusammenarbeit vereinfachen und angenehmer gestalten.