Perspektivenwechsel und Beziehungsklärung erleichtern es, in der Mediation eine Lösung zu finden.

Perspektivenwechsel und Beziehungsklärung erleichtern es, in der Mediation eine Lösung zu finden.
30.12.2016624 Mal gelesen
Der Artikel schildert wie wichtig es ist, die Sichtweise des Gesprächspartners zu verstehen. Streitigkeiten beruhen oft darauf, das die Parteien nicht mehr bereit sind, sich mit der Sichtweise der anderen Partei auseinanderzusetzen. Der Weg zur sachlichen Einigung führt über die Beziehungsklärung.

In Istanbul sah ich vor Jahren einen männlichen Autofahrer, der - am Steuer seines Autos sitzend - versuchte eine neben dem Auto stehende Frau mit heftigen Gesten zu bestimmen die Beifahrertür von aussen zu öffnen, damit diese einsteigen könne.
Die Frau ihrerseits gestikulierte, dies gehe nicht und verweigerte das Öffnen der Tür.
Hätte der Autofahrer seine Perspektive gewechselt, wäre ausgestiegen, hätte er das Verhalten der Frau verstanden. Diese sah einen niedrigen Poller direkt neben der Beifahrertür, der das beschädigungslose Öffnen der Beifahrertür verhinderte.
Die Frau ihrerseits verstand den Mann wohl nicht, der ihren Gesten nicht folgte. Für sie war die Sache klar, Sie sah den Poller und die Tür und versuchte den Mann zu bestimmen, die Tür nicht zu beschädigen.
Hätte sie sich an das Steuer des Fahrzeuges gesetzt, hätte sie erkannt, das der Fahrer aus seiner Perspektive den Poller nicht sehen konnte und ihn verstanden.

Wahrscheinlich hätten die Beiden mir noch eine ganz andere Version der Geschichte erzählt, wenn wir uns ausgetauscht hätten. Auch meine Perspektive umfasst nur mein Erleben und nicht das das Erleben der Beteiligten.

Sachliche Lösungen lassen sich kaum erarbeiten, wenn in jedem Vorschlag jeder der beiden Parteien aufgrund der Eskalation quasi als doppelte Botschaft unterschwellig der Beziehungskonflikt mitschwingt.

Es macht daher wesentlich mehr Sinn, erst die Beziehungsthemen und
-probleme zwischen den Parteien anzusprechen und zu klären. Danach sind die Sachfragen oft gar kein großes Thema mehr.

Sind denn beide Parteien wirklich zur Trennung und Scheidung entschlossen? Mäandert diese Frage noch hin und her? Die Klärung dieser Frage markiert die Zäsur zum Übergang zur Organisation der Trennung und damit zum Übergang zur Klärung der dort bestehenden Beziehungsfragen.

Beziehungsklärung ist die Klärung der Beziehungsfragen. Das sind Themen die zwischen den Parteien in deren Beziehung problematisch sind. Diese betreffen fast immer beide Parteien in gleicher Weise. Sie bestehen quasi als Problem in der Verbindung im Kontakt. Der Vorwurf gegen den einen oder anderen zeigt doch nur auch die eigene Betroffenheit.

Die Mediation ist ein Prozess in dem sich die Lösungen von Termin zu Termin entwickeln. Wenn die Medianten beschliessen gemeinsam eine Mediation durchzuführen und sich auf diesen Prozess wirklich einlassen und mitgehen, dann ist in aller Regel im Bereich von Trennung und Scheidung in längstens 5 bis 7 Terminen die Lösung erarbeitet und Grundlage für die künftige Kommunikation auf getrennter Basis gelegt.

Nur Ausprobieren schafft neue Erfahrung.