Anwaltskosten investiert - viel Geld an anderer Stelle gespart! Nachehelicher Unterhalt durch Abänderungsklage beseitigt! Teil IV

03.05.20101354 Mal gelesen
Zahlen bis zur Rente - das war die Angst, die dem Ehemann im Nacken saß, als er zu mir kam mit der Bitte, zu überprüfen, ob er denn wirklich noch so lange nachehelichen Unterhalt zahlen mußte. Die Scheidung war vor ca. 5 Jahren erfolgt, der gemeinsame Sohn inzwischen 14 Jahre alt, und die Ex-Frau machte keinerlei Anstalten, ihre Arbeitstätigkeit, die sich auf einen 400-Euro-Job beschränkte, auszubauen. Warum auch - mit Euro 1500 nachehelichem Unterhalt konnte sie mit wenig Aufwand dann doch ganz gut leben.
 
Die Scheu vor einem Gerichtsverfahren war groß, aber am Ende hat sich das für meinen Mandanten gelohnt: nachdem wir die Ex-Frau angeschrieben und aufgefordert hatten, ihre Arbeitstätigkeit auszubauen, weil der Betreuungsbedarf für den Sohn nicht mehr in so hohem Maß bestand, kam als Antwort (nach anwaltlicher Beratung durch die Anwältin der Frau), daß das nicht ginge, weil die Dame nach einer erfolgten Operation so große Probleme mit der Achillessehne habe, und deshalb ihre stehende Tätigkeit nicht ausbauen könne. Außerdem leide sie nach wie vor unter massiven psychischen Problemen, die noch aus der Ehezeit herrührten.
 
Der Mandant war empört, denn von psychischen Problemen war bis zu diesem Zeitpunkt nie die Rede gewesen. Wir reichten Abänderungsklage bei Gericht ein mit dem Ziel, daß der nacheheliche Unterhalt komplett wegfallen sollte. Mit allen möglichen Argumenten versuchte die Ex-Frau, ihre erweiterte Erwerbsobliegenheit abzulehnen. Die psychischen Probleme wurden ausführlich begründet und die Schuld dem Mandanten zugeschoben.
 
Bis er auf eine grandiose Idee kam: er wußte noch von früher, daß seine Ex-Frau fast jeden Tag joggen ging, und dies meist auf der selben Jogging-Strecke. So legte er sich zusammen mit einem Freund, um einen Zeugen zu haben, auf die Lauer, um unbeobachtet überprüfen zu können, wie schlimm die vermeintlichen Probleme mit der Achilles-Sehne waren.
 
Und siehe da, schon am zweiten Tag wurde seine Mühe belohnt: so konnte er tatsächlich auf der früheren Jogging-Strecke seine Ex-Frau beobachten, wie sie fröhlich lachend mit Freundinnen 10 km joggen ging - von Problemen mit der Achilles-Sehne keine Spur, und von psychischen Sorgen war auch nichts zu beobachten.
 
Die Geschichte einmal im Gerichtsverfahren angebracht hatte große Wirkung - kleinlaut mußte die Frau zugeben, daß die Gesundheitsprobleme nur vorgeschoben worden waren.
 
Am Ende konnte - aufgrund einer der Frau natürlich zuzugestehenden Übergangsfrist - ein für den Mandanten hervorragender Vergleich dahingehend geschlossen werden, daß er noch ein halbes Jahr Unterhalt zahlen mußte, und dann der nacheheliche Unterhalt komplett wegfällt.
 
Fazit: ab diesem Zeitpunkt pro Jahr Euro 18000 gespart, und die Kosten beim Anwalt waren gut investiert!
 
Dr. Inge Rötlich
Fachanwältin für Familienrecht und
Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht