Eheschließungen und Ehescheidungen

20.03.2012656 Mal gelesen
Astrid Weinreich, Fachanwältin für Familienrecht, weißt auf die letzte Erhebung des Statistischen Bundesamtes zu Eheschließungen und Ehescheidungen hin und nennt die häufigsten Trennungsgründe.

In Deutschland wurden im Jahre 2010 (letzte Erhebung des Statistischen Bundesamtes) 382.047 Ehen geschlossen. Demgegenüber wurden 187.027 Ehen geschieden. Darunter waren 91.455 Ehescheidungen mit minderjährigen Kindern. Insgesamt waren 145.146 minderjährige Kinder von Ehescheidungen betroffen. Die Scheidungen erfolgten durchschnittlich nach einer Ehedauer von 14 Jahren und 2 Monaten. In 52,9 % aller Fälle reichte die Ehefrau die Scheidung ein, in 38,9 % der Fälle der  Ehemann und in den übrigen Fällen haben beide die Scheidung eingereicht.  Bei der Scheidung war der Ehemann im Durchschnitt 44,7  Jahre alt, die Frau 41,8 Jahre alt.

In Hamburg wurden im Jahre 2010 7.452 Ehen geschlossen und 3.659 Ehen geschieden.

Die Gründe für Ehescheidungen sind vielfältig.

Mangel an Respekt und Achtung sind Gründe für eine Trennung, häufig verbunden mit mangelnder Kommunikation und Toleranz in der Ehe und gegenseitigem Desinteresse. Man lebt nebeneinander her, ist häufig nur noch wegen der Kinder zusammen. Gemeinsame Interessen werden weniger, genauso wie gemeinsame Aktivitäten.

Häufig werden als Grund für die Trennung finanzielle Probleme genannt, aber auch Gewalt in der Ehe ist ein Thema. Letzteres muss nicht zwangsläufig in Form von körperlicher Gewalt zum Ausdruck kommen, sondern kann auch in psychischer Hinsicht erfolgen. Alkoholprobleme und die damit verbundenen Ausfallerscheinungen sind ebenso häufig ein Trennungsgrund. Auch werden außereheliche Beziehungen eines Ehepartners immer wieder als  Trennungsgrund genannt.

Viele Ehepaare heiraten überstürzt, ohne sich gut genug zu kennen. Nach der Eheschließung wird dann schnell festgestellt, dass man doch zu unterschiedlich ist und nicht zusammenpasst und lässt sich wieder scheiden.

Eine überstürzte Eheschließung kommt umso häufiger vor, wenn bereits ein gemeinsames  Kind unterwegs ist. Sofern die Eheleute ein gemeinsames Kind haben, bemühen sie sich zwar tendenziell eher an ihrer Beziehung zu arbeiten und zusammenzubleiben. Es wird eine gewisse Disziplin aufgebracht, um dem Kind eine Trennung der Eltern zu ersparen. Das funktioniert jedoch nicht immer. Da von 187.027 Scheidungen im Jahre 2010 91.455 Scheidungen mit minderjährigen Kindern waren. Kinder sind also nicht zwangsläufig Grund für die Eltern, ihre Ehe aufrechtzuerhalten.

Viele Scheidungen erfolgen auch noch nach langjähriger Ehe. Die Scheidungen steigen tendenziell, wenn die Kinder die Schule beendet haben und aus dem Haus gehen. Daher kommt gerade eine Scheidung nach 20 jähriger Ehe relativ häufig vor.

Selbst bei Ehepartnern im Rentenalter nehmen die Scheidungen zu. Der Grund liegt wohl darin begründet, dass bei Ehegatten, die durch den Renteneintritt zwangsläufig mehr Zeit miteinander verbringen, noch deutlich zu Tage tritt, wenn sie nicht zueinander passen und die Bereitschaft abnimmt, die letzten Lebensjahre in einer Partnerschaft zu verbringen, bei der die Liebe erloschen ist.

 

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