Eskalation im Scheidungsverfahren vermeidbar?

13.08.2011885 Mal gelesen
Die Eskalation im Scheidungsverfahren, ein beginnender Rosenkrieg, läßt sich vermeiden. Das Familiengericht organisiert nicht die Trennung. Ändern Sie Ihren Beitrag zum Streitverhalten und beauftragen Sie einen Mediator.

Jede Trennung und spätere Scheidung verläuft etwas anders, aber oft in ähnlicher Grundstruktur. Der eine Partner trennt sich, fühlt sich vielleicht beseelt durch neue Freiheiten, durch eine neue aufkommende stärkende Beziehung. Der andere bleibt zurück, mit oder ohne Kinder. Jede Trennung hat ihre Phasen für beide Beteiligte. Erst wollen wir die Realität nicht sehen, vermeiden es, Dinge offen anzusprechen, dann kommen wir in der Realität der Trennung an. Schmerzhafte Gefühle, nach außen oder innen gerichtet, sind zu ertragen, bis wir langsam anfangen zu spüren, dass es ein Leben danach gibt, eine neue Richtung unseres Lebens, die letztendlich in einem ganz anderen neuen Lebensplan, vielleicht in einer neuen Beziehung oder auch im Ausleben von Einsamkeiten als Befreiung von früheren Zwängen, neue Kraft geben kann.

 

Trennung bedeutet, dass Sie sich trennen.

Ja, so einfach und so deutlich, aber auch so schwer. Die Freunde, die Familien, die Finanzen, die Gewohnheiten...

Er/Sie kam doch immer so jetzt um die Zeit, das fehlt mir, Wirklich?

 

Die verbindenden Elemente werden weniger. Je mehr Sie in der Lage sind, Ihre eigenen Beiträge zum Ende der Beziehung zu sehen und akzeptieren zu können, umso mehr kommen Sie wieder in Ihrer eigenen Wirklichkeit, in Ihrem eigenen Leben an.

 

Ein Familiengericht hat nicht wirklich die Aufgabe, eine Trennung und Scheidung zu begleiten. Dort wird nur der Trennungsvollzug nach Anträgen von Anwälten gestaltet. Jeder Schriftsatz eines Anwalts, in Juristendeutsch gefasst, führt bei dem gegnerischen Partner häufig zu Frustration, Verärgerung, Aggression, weil das ja doch alles nicht so stimmt, wie es da geschrieben steht.

Vergessen Sie nicht: Anwälte formulieren die Sachverhalte in ihrer beruflichen Sprache. Allein das Auftauchen dieser beruflichen Sprache führt zur Eskalation und zu neuen Verletzungen und natürlich dann zur Reaktion „Jetzt muss ich mir meinen Anwalt richtig briefen, damit er mal klarstellt, was Wahrheit ist“. Wir sind mitten in Vorwürfen, die verbindenden Teile der beendeten Beziehung reduzieren sich weiter, Grabenkämpfe fangen an, ein Vorwurf, eine Du-Aussage jagt die andere, und so wächst die Eskalation oft allein durch die Einschaltung der beim Familiengericht notwendigen Anwälte. Wenn wir dann noch über Sachverständigengutachten und andere Beweisaufnahmen über die Jahre hinweg Werte auseinanderdividieren, sind wir im schönsten „Rosenkrieg“, der den Kindern keinesfalls gut tut. Und Richter, die das mögen sind auch selten.

 

„Aber es geht doch nicht anders“. „Mein(e) Ex ist doch so, da muss ich doch reagieren“.

 

Doch, es geht anders. Sie könnten ja vielleicht die folgenden Gedanken zulassen:

 
  • Es geht uns beiden schlecht mit der Trennung, aber die Trennung ist nun mal Realität.
  • Was war mein Beitrag dazu, dass mein Ex so reagiert? Kann ich diesen Beitrag nicht dadurch zurücknehmen, dass ich von meinen Befindlichkeiten spreche, offen mit meinen Gefühlen und meiner Situation umgehe?
  • Das geht doch nicht, ich ärgere mich. Die deutsche Sprache ist so wunderbar. Wenn Sie sich ärgern, können Sie auch damit aufhören, oder?
  • Übernehmen Sie Verantwortung für Ihren Beitrag zur Trennung. Den Beitrag des anderen können Sie sowieso nicht ändern. Das ist Ihnen ja schon während der ganzen Beziehung nicht gelungen.
  • Suchen Sie sich Unterstützung bei einem Dritten, einem Mediator, der Ihnen hilft, als getrenntes Paar Ihre Themen offen und verletzungsfrei anzusprechen. Auf der Basis der noch vorhandenen Restgemeinsamkeiten, der wechselseitigen Enttäuschungen, des schlechten Gewissens des verantwortlich Handelnwollens für die guten gemeinsamen Jahre, die Beziehung, die gemeinsamen Kinder. Im Interesse einer positiven getrennten Zukunft finden Sie dort Ihre Lösung für Ihre konkrete Trennung, und verhindern unnötige Belastungen für Ihre Kinder. Dies geht umso einfacher, je mehr verbindende Elemente noch vorhanden sind, und je weniger das Ganze eskaliert ist. Sonst zerstören Sie auch die guten Erfahrungen der Beziehungsjahre in einem Grabenkrieg vor Gericht.
 

Auch Trennung will vernünftig organisiert sein. Dafür ist die Mediation das geeignetere Mittel wie gerichtliche Verfahren.

 

Sie werden auch in Ihrer Umgebung eine Info-Veranstaltung zur Mediation finden. Wir, die Gruppe „mediatorenaktiv“, veranstalten regelmäßig am 1. Mittwoch des Monats um 18.30 Uhr in meiner Kanzlei einen Informationsabend, bei dem Sie gerne auch beide Ihre Fragen zur Mediation, auch durch mehrere Mediatoren, beantwortet bekommen können.

 

Sie können mich auch persönlich ansprechen unter Telefon 089/18 20 87.

 

Erich Kager, Rechtsanwalt und Mediator

Brienner Str. 44, 80333 München

www.ra-kager.de

www.mediatorenaktiv.de