Deltoton GmbH: Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume und vollstreckt Haftbefehle

Deltoton GmbH: Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume und vollstreckt Haftbefehle
14.01.2015353 Mal gelesen
12.01.2015 – Kurz vor Weihnachten, am 18.12.2014, bekam die Deltoton GmbH (Dettelbach) ungebetenen Besuch von der Staatsanwaltschaft Würzburg. Die offenbar groß angelegte Razzia endete mit insgesamt fünf Verhaftungen und der Versiegelung der Firmenzentrale.

Das Unternehmen soll mehrere Zehntausend Anleger geprellt haben. Ist das der Anfang vom Ende?

Staatsanwaltliche Ermittlungen

Laut einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Würzburg vom 23.12.2014 sollen im Zuge der Durchsuchung von Geschäftsräumen fünf Männer in Untersuchungshaft genommen worden sein. Insgesamt – so das Onlineportal „Versicherungsbote“ in einem Bericht vom 28.12.2014 – hätten 170 Beamte 26 Geschäftsräume in Hessen und Bayern durchsucht. Nähere Einzelheiten über die Hintergründe der jetzigen Durchsuchung sind nicht bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um die Rechtmäßigkeit der Verwendung von Anlegergeldern drehen. Im schlimmsten Fall werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Würzburg gegen Verantwortliche der Deltoton GmbH noch Jahre andauern. Für die Beschuldigten gilt im Übrigen die Unschuldsvermutung.

Zweifelhaftes Anlagekonzept

Die Deltoton GmbH hatte seit den 90er Jahren sog. atypisch stille Gesellschaftsbeteiligungen vor-nehmlich an Kleinanleger emittiert. Damals hießen die Unternehmen noch Frankonia Direkt AG, Frankonia Wert AG und Frankonia Sachwert AG. Nach Verschmelzung und Umwandlung ist die Deltoton GmbH aus den drei Unternehmen hervorgegangen. Die hochriskanten, atypisch stillen Unternehmensbeteiligungen wurden nicht selten von zweifelhaften Vertriebsfirmen als sichere Kapitalanlage zur Altersvorsorge beworben. Oftmals wurde dabei empfohlen, bestehende sichere Kapitalanlagen zugunsten einer vermeintlich ebenso sicheren Beteiligung an der Deltoton GmbH aufzulösen.

Das in wesentlichen Grundzügen von der sog. Göttinger Gruppe (Securenta AG) übernommene Anlagemodell sah eine gemischte Investition von Anlegergeldern in die Bereiche Immobilien, Aktien und Unternehmensbeteiligungen vor. Die Anleger konnten sich wahlweise mit einer Einmaleinlage und/oder im Rahmen eines Sparplanes mit monatlichen Einlagezahlungen beteiligen. Ob und in welchem Umfang die Anlegergelder tatsächlich für werthaltige Investitionen verwendet wurden, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt und mutmaßlich Gegenstand der nunmehrigen Ermittlungen. Sicher ist aber, dass erhebliche Teile der Anlegergelder gerade nicht für investive Zwecke verwendet wurden. Sicher ist auch, dass die Anleger erhebliche Teile ihres investierten Kapitals verloren haben bzw. verlieren werden. Die der Kanzlei Dr. Steinhübel Rechtsanwälte in der Vergangenheit vorgelegten Abrechnungen aus beendeten Beteiligungen stellen der Deltoton GmbH ein vernichtendes Zeugnis aus. Ohnehin darf bezweifelt werden, ob das Anlagekonzept der Deltoton GmbH jemals aufgehen konnte.

Anleger sollten Einzahlungen stoppen

Aus Sicht der Kanzlei Dr. Steinhübel Rechtsanwälte sollten die betroffenen Anleger keine weiteren Einlagen mehr an die Deltoton GmbH zahlen. Betrachtet man die bisherige Entwicklung des Unternehmens, die den Anlegern im Wesentlichen nur Verluste beschert hat, so darf bezweifelt werden, dass sich das Unternehmen künftig noch positiv entwickelt. Denn nach eigenen Angaben auf der Homepage tätigt die Deltoton GmbH aufgrund einer Gesetzesänderung vom 21.07.2013 „vorerst keine neuen Investments“. Nach Angaben der Deltoton GmbH befindet sich das Unternehmen auch bereits in seiner Abwicklungsphase.

Den Betroffenen wird vielmehr empfohlen, die anwaltliche Hilfe eines auf das Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Rechtsanwalts in Anspruch zu nehmen. Unabhängig von der Frage einer Verjährung etwaiger Schadenersatzansprüche gibt es Möglichkeiten zum sofortigen Ausstieg aus dauerhaft unrentablen Beteiligungen. In vielen Fällen lässt sich dadurch eine Vergrößerung bereits eingetretener Schäden vermeiden.

Dr. Steinhübel Rechtsanwälte
Konrad-Adenauer-Str. 9, 72072 Tübingen
Telefon (07071) 9 75 80-0, Fax (07071) 9 75 80-60
www.kapitalmarktrecht.de, [email protected]

Über Dr. Steinhübel Rechtsanwälte:
Dr. Steinhübel Rechtsanwälte ist schwerpunktmäßig im Kapitalanlagerecht tätig. Neben institutionellen Investoren vertritt die Kanzlei vor allem Privatanleger, die durch den Erwerb einer Kapitalanlage einen finanziellen Schaden erlitten haben. Typische Anlageprodukte sind insoweit alle Wertpapierarten, (geschlossene) Fondbeteiligungen (Medien-, Schiffs-, LV- und Immobilienfonds etc.), sog. „Schrottimmobilien“ und (atypisch) stille Beteiligungen.