Kapitalanlage in Zertifikate (Teil 1 Überblick)

Kapitalanlage in Zertifikate (Teil 1 Überblick)
05.06.2013279 Mal gelesen
Hintergrund, Entwicklung, Preisniveau, Struktur und Beratungsfehlern werden jeweils kurz dargestellt.

Hintergrund, Entwicklung und rechtlicher Status des Finanzprodukts Zertifikat:

Zertifikate waren ursprünglich institutionellen Investoren vorbehalten, die den Wunsch hatten, an der Entwicklung ganzer Börsenindizes teilzuhaben, dies aber ohne aufwändigen Umschichtungen und hohen Transaktionskosten. Seit Mitte der 90er Jahre können auch Privatanleger die Wertentwicklung von DAX und Co. mit Index-Zertifikaten sozusagen bequem in Ihr eigenes Depot übertragen.

Ab dem neuen Jahrtausend zählen die Zertifikate zu den umsatzstärksten Kapitalmarktprodukten. Selbst nach der Finanzkrise werden weiterhin ständig neue Zertifikate aufgelegt. Die Vielfalt der Arten trägt nicht zur Klarheit bei, sondern eher umgekehrt zur Verwirrung und fehlenden Vergleichbarkeit. Zu den bekanntesten Zertifikatentypen zählen Bonus-, Basket-, Discount- und Garantie-Zertifikate.

Zertifikate sind Schuldverschreibungen und strukturierte Finanzprodukte, da der Erfolg oder Misserfolg auch von anderen Werten/Basiswerten abhängt. Die Rechtsform einer Schuldverschreibung hat hier insbesondere zur Folge, dass das Emittentenrisiko, d.h. ein Totalausfallrisiko besteht.

Preisniveau von Zertifikaten:

Der Anleger sollte wissen, dass die Preisgestaltung von Zertifikaten nicht oder kaum nachvollziehbar ist. Dies hängt auch damit zusammen, dass meist eine komplette Vergleichbarkeit nicht möglich ist. Denn dies würde voraussetzen, dass z.B. zwei Banken ein komplett gleiches Zertifikat herausgeben würden. Dies ist, von Ausnahmefällen abgesehen, jedoch nicht die Realität. Aber Vergleiche zeigen, dass es teils sehr große Preisunterschiede gibt und vor allem kann der Anleger nicht beurteilen was das gekaufte Zertifikat denn wert ist oder anders ausgedrückt wieviel Gewinn die Banken mit der Ausgaben von Zertifikaten machen. Die Anlage in ein Zertifikat ist eine Wette. Genauso wie bei den Swaps wettet der Anleger gegen die Bank. Die Bank kann zwar bei einem Zertifikat „verlieren“ aber der Verlust ist im Risikocontrolling einkalkuliert. Der Anleger wettet in eine „Richtung“, die Bank hat aber genauso wie bei Optionsscheinen auch immer "entgegengesetzte" Zertifikate im Angebot und wettet deshalb nie in eine Richtung und das Risiko ist dadurch immer gestreut und hebt sich oftmals dadurch auch auf. Die Ausgabe von Zertifikaten dient den Banken einerseits der Refinanzierung und andererseits sollen Zertifikate natürlich auch Gewinne einspielen.

Struktur der Zertifikate:

Die Struktur von Zertifikaten ist in der Regel komplex und stellt hohe Anforderungen an den Berater und an den Anleger. Für den Anleger und den erwünschten wirtschaftlichen Erfolg mit Zertifikaten sind in erster Linie die Zertifikatsbedingungen maßgebend. Die über Jahre ständig gestiegene Komplexität der Zertifikate und die Reichweite der unterschiedlichen Risiken haben zur Folge, dass eine Anlage in Zertifikate oft eine spekulative Anlage darstellt und für den durchschnittlichen bzw. den normalen Anleger nicht oder kaum geeignet ist.

Unterlassene oder fehlerhafte Aufklärung und Beratung:

Die Aufklärung und Beratung muss anleger- und anlagengerecht erfolgen. Insbesondere die Beratung soll individuell und persönlich ablaufen. Die Praxis der letzten zehn Jahren zeigt, dass insbesondere bei komplexen Anlageprodukten wie bei geschlossenen Fonds oder bei Zertifikaten die meisten Beratungsfehler, zum Teil systematisch, begangen wurden. Dies hängt auch mit dem Umstand zusammen, der für jeden nachvollziehbar ist, dass immer dort vermehrt und zuviel vertraut wird, wo die Komplexität steigt und auch das eigene Verständnis fehlt oder noch fehlt.

In weiteren kurzen Abhandlungen wird insbesondere auf die fehlerhafte Aufklärung und Beratung und die daraus entstehenden Schadensersatzansprüchen eingegangen.