MS King Robert Renditefonds 76 von König & Cie. droht Ausfall des Charterers

20.03.2012337 Mal gelesen
Charterer The Sanko Steamship in Zahlungsschwierigkeiten - Fachanwälte helfen Schiffsfonds-Anlegern

Auch König & Cie. ist von der aktuellen Krise der Schifffahrtsmärkte betroffen. Der König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert", ein Capesize Bulk-Carrier, der im Herbst 2008 in Dienst gestellt wurde, ist für fünf Jahre und zwei Monate ab Ablieferung an das japanische Unternehmen The Sanko Steamship verchartert. Damit sollten zumindest bis Ende 2013 die Einnahmen des Fonds sicher sein. Doch nun droht dem Fonds der Ausfall der Einnahmen. Der Charterer, die Sanko Steamship aus Japan, befindet sich offensichtlich in ernsthaften wirtschaftlichen Problemen. Der Totalausfall und damit der Totalverlust für Anleger droht.

Charterer The Sanko Steamship in Zahlungsschwierigkeiten

Wie der Informationsdienst fondstelegramm am 17. März 2012 berichtet, hatte Sanko am 16. März seine Geschäftspartner zu einer Krisensitzung eingeladen. Dabei ging es um die prekäre Finanzlage des Charterers, dem der Konkurrenzdruck und die geringen Frachtraten auf den internationalen Schiffsmärkten schwer zu schaffen machen. Dem Vernehmen nach soll Sanko bereits für März bei allen Reedern die Charterraten eigenmächtig gekürzt und für April angekündigt haben, ebenfalls nicht die vertraglich vereinbarten Raten zu zahlen.

Schiffe mit neuen Charterverträgen wohl nicht kostendeckend zu betreiben

Der auf fünf Jahre fest abgeschlossene Chartervertrag dürfte angesichts dieser Entwicklung aller Wahrscheinlichkeit nach hinfällig sein. Denn entweder wird von allen Vertragspartnern von Sanko einer Reduzierung der Charterraten zugestimmt, oder das japanische Unternehmen wird Gläubigerschutz beantragen. Dies hieße, dass für die MS "King Robert" ein neuer Charterer gefunden werden müsste. In der gegenwärtigen Marktsituation mit verheerend niedrigen Charterraten dürfte es schwer werden, Verträge zu bekommen, mit denen sich ein kostendeckender Weiterbetrieb der Schiffe ermöglichen lässt.

Schadenersatz für Anleger

Für Anleger des König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" stellt sich angesichts des sich nun abzeichnenden Desasters und des drohenden Totalverlusts ihres investierten Geldes die Frage, ob sie im Vorfeld der Beteiligungsentscheidung richtig beraten wurden. Nachfolgende Punkte hätten nach unserer Meinung Gegenstand einer ordnungsgemäßen Beratung sein müssen:

  • Crash der Schiffs-Frachtraten: Der Fondsprospekt datiert vom 03. September 2008. Im 2. Halbjahr des Jahres 2008 kam es bei den Schiffsfracht Preisen zu einem massiven Rückgang. So stürzte der Baltic Dry Index, ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten, von rund 11.500 Punkten auf rund 800 Punkte ab. Dies bedeutet, dass sich die Schiffsfrachtraten innerhalb weniger Wochen auf weniger als 1/10 reduziert hatten. Der seit Mitte 2003 zu verzeichnende weit überdurchschnittliche Anstieg der Transportpreise und damit auch der erzielbaren Charterraten endete mit einem dramatischen Absturz. Diese Entwicklung hätte selbstverständlich Gegenstand der Anlageberatung sein müssen, denn die nachhaltige Erzielbarkeit der kalkulierten Einnahmen und damit der wirtschaftliche Betrieb des Fondsschiffs war damit in Frage gestellt.
  • Nur 71,5% der Anlegergelder für investive Zwecke verwandt: Der König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" weist, bezogen auf das Anlegerkapital (Eigenkapital zuzüglich 5 %Agio) eine besonders hohe Weichkostenquote auf. Diese betrug nach unserer Berechnung 28,5%. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass höchstens 71,5% des von den Anlegern investierten Geldes unmittelbar in Bau- und Baunebenkosten floss. Auf den äußerst hohen Anteil an Anlegergeldern, die nicht für investive Zwecke sondern für Zwischenfinanzierungszinsen und diverse Dienstleistungen ausgegeben werden, darunter insbesondere die mit über 20% extrem hohen Vertriebsaufwendungen, hätten die Anleger ausdrücklich von ihren Beratern hingewiesen werden müssen. In den uns bekannten Fällen war dies nicht der Fall.
  • Vertriebskosten im Prospekt unzutreffend dargestellt: Die Darstellung der Mittelverwendung im Prospekt des König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" ist nach unserer Meinung fehlerhaft und erweckt den Anschein, dass man damit die tatsächliche Höhe der für die Vermittlung des Eigenkapitals gezahlten Vergütung verschleiern wollte. Denn bei den Ausgaben des Fonds wird das Agio, bei dem es sich nach den textlichen Erläuterungen um Vertriebskosten handeln soll, neben den Kosten für Vertrieb gesondert ausgewiesen. Die Vertriebskosten belaufen sich tatsächlich auf 7.105.560 € und nicht, wie in der tabellarischen Darstellung angegeben, auf 5.385.060. Dies stellt nach unserem Dafürhalten einen Prospektmangel dar, der Schadenersatzansprüche gegen die Gründungsgesellschafter des Fonds aber auch gegen den jeweiligen Anlageberater bzw. die beratende Bank oder Sparkasse begründet.
  • Exorbitant hohe Vertriebskosten: Auf die exorbitant hohen Vertriebskosten des König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert", die mehr als ein Fünftel des von den Anlegern aufgebrachten Kapitals betrugen, hätten sowohl Banken und Sparkassen, als auch nicht bankgebundene Anlageberater im Rahmen der Beratung ausdrücklich hinweisen müssen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Vertriebskosten von über 15% marktunüblich sind, die Rentabilität der Anlage gefährden und deshalb in der Beratung ausdrücklich erwähnt werden müssen.
  • Hohes Risiko durch Kreditaufnahme in Japanischem Yen: Da ein Teil der vom Fonds König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" aufzunehmenden Kreditmittel in Japanischen Yen (JPY) aufgenommen werden sollten, die Einnahmen des Fonds aber in US $ erzielt werden, besteht ein erhebliches Währungsrisiko, welches zu größeren Verwerfungen durch Wechselkursschwankungen führen kann. Aufgrund des hohen Fremdfinanzierungsanteils des Fonds kann dies nicht nur Auswirkungen auf die Liquidität des Fonds infolge der in US $ steigenden Kapitaldienstaufwendungen sondern auch zu einer Zahlungsunfähigkeit des Fonds und zur Kreditkündigung mit anschließender Verwertung des Fondsobjekts und somit zum Totalverlust für die Anleger führen. Durch den Wertgewinn des JPY gegenüber dem US $ steigt darüber hinaus die Verschuldung in US $ gerechnet dramatisch an. Hierauf hätte der Berater ausdrücklich hinweisen müssen.
  • Lange Kapitalbindung, Kein Zweitmarkt für "gebrauchte" Fondsbeteiligungen: Was den von uns vertretenen Anlegern des Fonds König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" von ihren Beratern ferner verschwiegen wurde, ist, dass sie die Beteiligung erstmals zum 31. Dezember 2024 kündigen können und vorher keine Chance besteht, an ihr Geld zu kommen. Da es keinen geregelten Zweitmarkt für gebrauchte Fondsbeteiligungen gibt, ist eine Veräußerung nahezu ausgeschlossen. Gleiches gilt für die Erzielung eines  Anteilspreises, der dem investierten Kapital entspricht. Hier sind für den Fall, dass überhaupt ein Käufer gefunden wird, erhebliche Abstriche hinzunehmen.

Anleger des König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert" haben daher grundsätzlich gute Chancen, Schadenersatzansprüche gegen ihre Berater, die beratenden Banken und Sparkassen beziehungsweise die Gründungsgesellschafter des Fonds durchzusetzen.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Fondsbeteiligung am König & Cie. Renditefonds 76 - MS "King Robert"? Möchten Sie wissen, wie Ihre Chancen stehen, Schadenersatz durchzusetzen? Rufen Sie mich an, ich helfe Ihnen gerne.

Nittel | Kanzlei für Bank- und Kapitalmarktrecht
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