Steuersparen ist teurer als Sie denken.

05.11.2011378 Mal gelesen
Mit dem Argument, Steuern sparen zu können, lässt sich fast alles verkaufen. Dies ist oft ein wirtschaftlich unkluges Vorgehen. Steuerspar-Modelle sollten daher immer im Einzelfall genauestens betrachtet werden, um nicht am Schluss das teuerere Modell bei der Bank abzahlen zu müssen.

Ein Rat vorab

Erst müssen Sie Geld verdienen, und Steuern zahlen, damit Sie Steuern sparen können. Diese banale Aussage ist in der Realität sehr wichtig.

Oft unterzeichnen Menschen in bedrängter wirtschaftlicher Situation Verträge, um Ihre Situation zu verbessern. Die in der Modellrechnung dargestellten Steuervorteile treffen aber auf den Steuerpflichtigen nicht zu. Er wird diese oft nicht erhalten. Der Vertrag wird nicht gelesen und  nicht verstanden.

Aber in der vertrauensvollen Atmosphäre bestätigt der Steuerpflichtige dem Anbieter dann welche tollen Informationen, Beratungen und Unterlagen er vermeintlich erhalten hat. Dies erschwert die spätere Rechtsverteidigung erheblich. Es bleibt nur noch die Schadensbegrenzung.

Also es gilt immer wieder:

  • Holen Sie sich externen Rat eines kompetenten Anwaltes oder Steuerberaters vor Unterschrift ein.
  • Die Kosten eines Anwaltes sind preiswerter als der Verlust Ihrer Anlage, als jahrelange Streitigkeiten zur Vermeidung weiterer Schuldbelastungen.
  • Der Anwalt, den Sie nach der Unterschrift aufzusuchen, kann meist nur den Schaden beschränken.
  • Vertrauen sie nicht darauf, daß Ihre Freunde und Bekannten, die gleichen Verträge abschließen. Sie sitzen auch später in einem Boot, wenn Sie erkennen den gelichen Fehler gemacht zu haben.
  • Unterschreiben Sie nur Verträge, die Sie komplett gelesen und verstanden haben. Bestätigen Sie nur den Erhalt von Unterlagen und Beratungen, für die dasselbe gilt.
  • Lassen Sie sich einen Steuervorteil konkret anhand Ihrer Daten ermitteln und schriftlich zusichern.
  • Ihr Nichtwissen wird ausgenützt.
  • Ihre Gesprächspartner sind in der Regel Verkäufer ohne wirkliche Kompetenz.
  • In einer hoffnungsvollen Situation ruiniert man sich am leichtesten.
  • Ein Modell muß sich ohne Steuer rechnen, sonst nutzt der Steuervorteil auch nichts mehr.
  • Wissen Sie eigentlich, wie Sie aus der Nummer notfalls wieder raus kommen? Nach Jahren?
 

Gesamtbetrachtung versus Periodenbetrachtung

Bei der Gesamtbetrachtung einer Investition entsteht während der gesamten Dauer ein Aufwand und ein Wertverzehr der Investition, der steuerlich berücksichtigt werden kann. Anfall und steuerliche Berücksichtigung erfolgt chronologisch in gleichen Schritten, analog zum Wertverzehr.

Steuervorteile werden durch vorziehen von Aufwendungen in frühere Veranlagungszeiträume theoretisch vergrößert, aber tatsächlich nur zeitlich anders verteilt. Mit daraus resultierenden Folgen und Nachteilen.

 

Wie hoch kann der Vorteil in der Einkommensteuer höchstens sein?

Ihr persönlicher Durchschnittsteuersatz in der Einkommensteuer liegt selbst bei sehr hohem zu versteuerndem Einkommen immer unter  45 %. Der Grenzsteuersatz ist der Steuersatz, der für einen zusätzlich verdienten Euro zu entrichten ist.   Für Gewinne, die über einem zu versteuernden Einkommen mehr als  250.400,00 € liegen, fällt 45 % an Einkommensteuer als Grenzsteuersatz an.

Dies bedeutet andersherum gewendet, daß Sie 100 % bezahlen müssen, um einen Teilbetrag  von höchstens 45 % an Einkommensteuer zurückzubekommen. Sie werden also bezogen auf die Einkommensteuer mit mindestens 55 % durch jeden zusätzlichen  steuerlich berücksichtigungsfähigen Aufwand belastet. 

Bei den meisten Anlegern liegt  der Grenzsteuersatz erheblich niedriger. Entsprechend erhöht sich der selbst, nach Abzug des persönlichen Steuersatzes zu tragende Anteil.  

 

Wie entsteht der Steuervorteil?

Der Steuervorteil wird häufig dadurch geschaffen, dass der steuerlich berücksichtigungsfähige Aufwand in die ersten Veranlagungszeiträume vorgezogen und dort schon bezahlt wird. 

Es wird also oft eine erst in den späteren Veranlagungszeiträumen zu erbringende Leistung, Garantie oder was auch immer, vorzeitig, vor tatsächlicher Leistungserbringung bezahlt. 

Weiterhin wird versucht, den sofort absetzbaren Aufwand auszudehnen. Die Modelle werden um vielfältigen Zusatzaufwand verteuert, um die Steuervorteile zu erweitern. Dazu gehört der zusätzliche Zinsaufwand durch Fremdkapitaleinsatz.

Sie können das Modell auch mit einer Situation vergleichen, in der Sie bei bei theoretisch beliebig verfügbaren Mitteln, das Modell in Teilen durchführen und sich sinnlose Aufwendungen sparen. Aus diesem Vergleich wird dann auch schnell ersichtlich, welche Positionen verzichtbar sein könnten.

 

Welche Nachteile können daraus entstehen?

Der Dienstleister hat die Gelder bereits verbraucht, wenn seine Tätigkeit anfällt. Er erfüllt dann seine Verpflichtung nicht mehr und geht häufig in die Insolvenz. Der Aufwand bleibt also ohne Gegenleistung. 

Auch soweit der Steuervorteil tatsächlich fließt, zahlt der Anleger den zusätzlich generierten Aufwand später im Rahmen der Gesamtfinanzierung an die Bank zurück.

Da die ersparten Steuern oft ausgegeben sind und nicht für die Tilgung bereitgehalten wurden, ist dieser zusätzliche Aufwand in diesem Falle zu 100 % an die Bank zu entrichten. Typisch ist doch, dass ein Steuerpflichtiger einen Vertrag abschließt, um eine aus anderen Sachverhalten bestehende Steuerpflicht zu reduzieren. Dies bedeutet dann aber gleichzeitig, dass die ersparten Steuern in das konkrete Vertragsmodell zurückfließen. Dort entsteht jedenfalls insoweit eine Finanzierungslücke, die dann durch letztendlich zu einer Ausweitung der Verpflichtungen bei der Bank führt. Dies kann den Anfang einer Verschuldungsspirale darstellen. Insbesondere wenn Sie mehrere Modelle nacheinander abschließen.

 

Liebhaber zu sein, kann schön sein, ist es aber im Steuerrecht nicht immer.

Wenn das Finanzamt die Steuervorteile versagt, weil das Modell gescheitert ist, eine Gewinnerzielungabsicht nicht ersichtlich ist, dann bleibt nur noch die Schuldentilgung. Eine Hebelwirkung durch Fremdfinanzierung,  früher  als Vorteil verkauft, sorgt dann für ein schnelles Verflüchtigen Ihres Eigenkapitals.

 Diese allgemeine Betrachtung ersetzt natürlich nicht die Prüfung eines Modells in der konkreten Situation eines Steuerpflichtigen. Sie gibt aber bereits ausreichende Anhaltspunkte für den Beginn einer Überprüfung.

Steuersparen kann wirklich teuer sein. 

 

Erich Kager

Rechtsanwalt und Mediator

089/182087