Anscheinsbeweis für Sicherungsverletzung bei Kletterabsturz

18.02.2014321 Mal gelesen
Stürzt ein Kletterer trotz Sicherung durch einen Anderen, so indiziert dies eine Pflichtverletzung durch den Sicherer. Die Verwendung eines günstigen aber üblichen Sicherungsgerätes begründet kein Mitverschulden des stürzenden Kletterers

Der Entscheidung des Landgerichtes Nürnberg-Fürth vom 19.11.2012 (Az. 6 O 2345/12) lag folgender Sachverhalt zu Grunde:

Der Kläger und der Beklagte haben sich in einer Kletterhalle zum Hallenklettern getroffen. Der Kläger kletterte bis kurz vor den Umlenkpunkt . Er wurde dabei durch den Beklagten mittels eines Seils, das durch eine so genannte Tube, Typ A, verlief., gesichert. Bei der Tube handelt es sich um ein dynamisches Sicherungsgerät, dass dem Sicherenden als Kraftverstärker fungiert.. Vor dem Umlenkpunkt klippte der Kläger sein Sicherungsseil in zwei gegengleiche Karabiner ein. Als er den letzten Zug zum Umlenkpunkt klettern wollte, um die von ihm gewählte Kletterroute zu beenden, stürzte er ungebremst aus ca. 10 m zu Boden.

Er hat sich dabei beide Fersenbeine gebrochen und eine Kieferköpfchenprellung zugezogen und musste vom 17.11. bis zum 14.12.2011 in Krankenhaus stationär behandelt werden.

Er klagte auf Feststellung, dass der Beklagte jeglichen materiellen und immateriellen Schaden aus dem Kletterunfall für die Gegenwart und die Zukunft zu erstatten hat.

Der Klage wurde stattgegeben.

 

Das Gericht geht dabei davon aus, dass der Beklagte de Rechtsgutverletzung grob fahrlässig verursacht hat. Dabei ist das Gericht von einer Beweislastumkehr zu Gunsten des Klägers ausgegangen. Denn grundsätzlich hat der Geschädigte  als Anspruchsteller die Darlegungs- und Beweislast für alle anspruchsbegründende Tatsachen zu tragen. Höchstrichterlich ist jedoch anerkannt, dass die Möglichkeit des Nachweises von den subjektiven Voraussetzungen erheblich abhängt, inwieweit der Geschädigte den objektiven Geschehensablauf in seinen Einzelheiten überhaupt aufklären kann.

Der Beklagte hat zum Zeitpunkt des Unfalls die Aufgabe den Kläger zu sichern. Dies erfolgte durch in Anspruchnahme des Sicherungsgerätes Tube. Der Absturz erfolgte unstreitig durch eine im fraglichen Zeitpunkt unterlassene Sicherung des Klägers seitens des Beklagten verursacht. Dieser äußere Ursachenzusammenhang indiziert eine Pflichtverletzung des Beklagten. Dem Kläger war es nicht möglich Feststellung zum Verschulden zu treffen, da er zum Zeitpunkt des Absturzes nicht feststellen konnte, wieso ihn der Beklagte nicht gesichert hat.

Da sich der Kläger zum Zeitpunkt der Pflichtverletzung in gravierender Höhe befand, ist von grober Fahrlässigkeit auszugehen.

Ein Mitverschulden durch verwenden einer Tube ist nicht anzunehmen. Lt. dem eingeholten Sachverständigengutachten ist die Tube zum Top-Rope-Klettern als auch zum Vorstiegsklettern geeignet. Zwar gibt es bessere als das verwendete Sicherungsgerät, dies bedeutet jedoch nicht, das es sich bei der Tube um eine minderwertiges oder gar riskantes Sicherungsgerät handelt

Maximilian Richter

Rechtsanwalt