Ölpreis im Keller – Tanken billig wie lange nicht mehr

Ölpreis im Keller – Tanken billig wie lange nicht mehr
26.01.2015444 Mal gelesen
Freude beim Tanken ist für viele Deutsche unvorstellbar. Doch diese Jahr ist es endlich so weit. Die Benzinpreis sind so billig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Doch wie kam es eigentlich dazu? Und was noch viel wichtiger ist, bleibt das so?

Nachdem sich der Ölpreis in vergangenen Jahren in einem stabilen Rahmen bewegte und teilweise sogar immer weiter stieg, sinkt der Ölpreis seit Mitte letzten Jahres kontinuierlich. „Kostete ein Barrel Öl, also 159 Liter, vormals noch zwischen 95 und 115 $, so liegt der Preis momentan bei weniger als 80 $ und befindet sich weiter im Sinkflug.“, sagt Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller.

Der geringe Ölpreis wirkt sich auch für Autofahrer beim Tanken aus. „Tanken ist zurzeit so günstig wie seit 2010 nicht mehr.“, freut sich Cäsar-Preller.

Mit Recht: Kosteten Benzin und Diesel vor nicht allzu langer Zeit noch erheblich mehr, bewegt sich ihr Preis momentan bei durchschnittlich 1,47 € pro Liter Superbenzin beziehungsweise 1,30 € je Liter Diesel.

Wieso ist das Benzin momentan so billig?

Gründe für den schnellen Preisverfall gibt es einige: zum einen ist es zwischen den USA und Saudi-Arabien zu einem regelrechten Preiskrieg gekommen, weil US-Firmen mittels „Fracking“ große Mengen Öl erzeugen und so den weltweiten Ölmarkt entlasten. Saudi-Arabien versucht im Gegenzug mit verringerten Preisen das Ölgeschäft für US-Firmen unattraktiv zu machen, was in einem insgesamt sinkenden Ölpreis resultiert.

Preise kommen bei Kunden nur verspätet an

„Der niedrige Ölpreis kommt beim Tanken von Benzin oder Diesel nicht voll beim Kunden an, weil eine hohe Versteuerung von Treibstoff herrscht. Zurzeit betragen die Steuern für einen Liter etwa 88 Cent. Auch liegt es am schwachen Euro, wenn der Benzinpreis nicht so schnell fällt wie der Ölpreis.“, meint Cäsar-Preller.

Niedriger Ölpreis ist auch gut für die Wirtschaft

Auch die deutsche Wirtschaft profitiert in hohem Maße von den günstigen Öl- und Benzinpreisen, weil zum einen Energiepreise sinken, was Produktion, Transport und Vertrieb von Waren billiger macht. Auch steht Verbrauchern wegen geringerer Betriebskosten für Auto und heimischer Heizung mehr Geld zur Verfügung, was sie beispielsweise beim Shoppen ausgeben können. Auch profitiert von geringeren Betriebskosten die Chemie-, Mobilitäts- und Logistikbranche.

Aufgrund einer höheren Kaufkraft von Verbrauchern verbessert sich auch die Stimmung in der Immobilien- und Touristikbranche.

Es besteht auch eine Hoffnung, dass Flugpreise günstiger werden könnten, weil auch die Kosten für Kerosin, welches man ebenfalls aus Öl herstellt, sinken. Teilweise sagen Fluggesellschaften aber, sie könnten Ticketpreise zurzeit nicht senken, weil momentan vor 1 ½ Jahren gekauftes, teures Kerosin verflogen würde und wegen Preissicherungsgeschäften geringe Ölpreise erst erheblich später beim Fluggast ankommen könnten. Verbraucheranwalt Cäsar-Preller fordert somit: „Ticketpreise für Flugreisen sollten erheblich transparenter gestaltet sein, um zu sehen, ob und in welchem Umfang geringere Ölpreise an Verbraucher weitergegeben werden.“

Wie geht es jetzt mit dem Ölpreis weiter?

Experten schätzen, dass sich der niedrige Öl- und Benzinpreis wegen Überangebots an Öl auch noch in den nächsten Jahren auf einem ähnlich niedrigen Niveau bewegen könnte, wobei aber auch eine erneute Erhöhung nicht ausgeschlossen werden könnte.

Wegen der geringen Benzinpreise ist aber ein Trend schon abzusehen: statt günstiger „Öko-Autos“ kaufen Menschen zurzeit vermehrt große Autos mit erheblich höherem Benzinverbrauch, weil die Tankkosten nicht mehr so stark ins Gewicht fallen wie zuvor, was auch negative Auswirkungen auf Hersteller von Elektro-Autos haben könnte. Sie könnten wegen geringerer Nachfrage nach China, wo es aufgrund erheblicher Smog- und Umweltproblemen einen viel größeren Markt für Elektro-Autos gibt, abwandern. So kann es zu einer Gefahr für Arbeitsplätze in Deutschland kommen.

„Hier ist es Sache der Politik, alternative Treibstoff- und Antriebsarten zu fördern.“, meint Rechtsanwalt Cäsar-Preller.

Es steht auf alle Fälle eine interessante Entwicklung bevor.