Hinweise zum Widerruf von Verbraucherdarlehen

Hinweise zum Widerruf von Verbraucherdarlehen
31.01.20143457 Mal gelesen
Die häufig anzutreffenden fehlerhaften Widerrufsbelehrungen in Verbraucherdarlehensverträgen haben bei einem Widerruf oftmals große finanzielle Vorteile. Ein Widerruf hat mehrere positive Folgen, dies je nach Einzelfall.

Zugunsten der Verbraucher, die insbesondere zwischen den Jahren 2001 und 2010 Verbraucherdarlehen abgeschlossen haben gibt es zwei Umstände, die glücklicherweise beide gleichzeitig vorliegen und auch sehr positive finanzielle Folgen bei einem einzelnen Darlehensvertrag haben können.

1)Die Widerrufsbelehrungen von Verbraucherdarlehen, die in den vorgenannten Jahren abgeschlossen wurden sind oftmals fehlerhaft. Es gibt Schätzungen, dass bis zu zwei Drittel der Widerrufsbelehrungen fehlerhaft sind. Ist eine Widerrufsbelehrung fehlerhaft kann grundsätzlich ein Verbraucherdarlehen noch nach Jahren widerrufen werden.

2)Derzeit besteht noch das bekannte historische Zinstief, das zur Folge hat, dass Darlehenszinsen bei heutigen Kreditabschlüssen im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr günstig sind.

Aus diesen beiden Punkten und dem möglicherweise vorliegenden konkreten Umstand, dass bei einem Darlehensvertrag die Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist kann der Widerruf noch erklärt werden mit der Folge der Rückabwicklung des Darlehensvertrages. Hierzu gibt es eine ganze Anzahl von Urteilen und insbesondere Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH).

Durch die Rückabwicklung des Vertrages reduziert sich die bestehende Restschuld des Darlehens. Dies hängt zum Beispiel von den Tilgungsleistungen ab. Je mehr getilgt wurde, um so besser, da die Bank die Tilgungen zugunsten des Darlehensnehmers verzinsen muss. Geschuldet wird nicht mehr der Vertragszins sondern der sogenannte marktübliche Zins, d.h. der Durchschnittszins zum Zeitpunkt des damaligen Vertragsabschlusses. Dieser kann im Vergleich zum Vertragszins geringer sein.

Eine weitere Folge davon ist auch, dass bei einem Widerruf keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Diese Entschädigung, die ein Ersatz des Zinsausfalls in der Zukunft darstellt ist je nach den konkreten Umständen oft ein größerer Betrag. Die Vorfälligkeitsentschädigungen in Deutschland sind im europaweiten Vergleich die höchsten Entschädigungen.

Handelt es sich z.B. um Immobiliendarlehen so kann die Immobilie verkauft werden ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Soll die Immobilie nicht verkauft werden kann das Darlehen umfinanziert werden und dann nicht nur mit der Folge, dass keine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt sondern mit der weiteren positiven Folge, dass durch die Umfinanzierung der Darlehenszins sich deutlich reduziert. Der zuletzt genannte Umstand bringt bei Immobilienfinanzierungen und entsprechend hoher Darlehenssummen und Zinsbindungsfristen oftmals allein schon Einsparungen im fünfstelligen Bereich und oft sogar von mehreren zehntausend EUR.

Die Belehrungen können bei allen Verbraucherdarlehen fehlerhaft sein also nicht nur bei Immobiliendarlehen. Auch andere Fallkonstellationen sind davon betroffen, z.B. Belehrungen beim Abschluss eines Verbraucherdarlehens in Verbindung mit einer Restschuldversicherung. Aufgrund der weiteren und höheren Anforderungen an eine fehlerfreie Widerrufsbelehrung in diesen Fällen sind auch diese Belehrungen bei solchen verbundenen Geschäften oftmals fehlerhaft.

Ist ein Widerruf möglich hat dies wie dargelegt immer positive finanzielle Vorteile wie vor allem die Reduzierung der Restschuld, keine Vorfälligkeitsentschädigung und einer sehr günstigen Umfinanzierungsmöglichkeit.

Der in diesem Gebiet tätige Rechtsanwalt kann als ersten Schritt die Prüfung der Widerrufsbelehrung mit einem geringen Pauschalhonorar anbieten.

Ergibt sich eine Fehlerhaftigkeit der Widerrufsbelehrung so sollte der Darlehensnehmer nicht vorschnell sozusagen „auf eigene Faust“ handeln, da vor und nach einer Widerrufserklärung einige Punkte zu beachten sind und die Rückabwicklung im Vergleich zu einer normalen Rückabwicklung wie zum Beispiel einer Rückabwicklung eines Autokaufs komplizierter ist und der Nichjurist im Normalfall die für ihn positive Folgen im Detail nicht kennt und deshalb diese schon deshalb nicht einfordern oder überprüfen kann u.s.w. 

Steht als Ergebnis die Fehlerhaftigkeit der Widerrufsbelehrung und der bestehenden Widerrufsmöglichkeit fest so kann der Rechtsanwalt je nach Wunsch und den genauen Umständen dem Darlehensnehmer auch Vorschläge unterbreiten für eine Rechtsverfolgung und Vertretung und damit einer zeitnahen Rückabwicklung des Darlehens aufgrund des Widerrufs. 

Fazit: Informieren Sie sich und lassen Sie sich beraten und die Widerrufsbelehrung Ihres Darlehensvertrages prüfen.

Rechtsanwalt Peter Ganz-Kolb

Rechtsanwalt Ganz-Kolb ist Inhaber der Kanzlei Ganz-Kolb

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Schwerpunktmäßig ist RA Ganz-Kolb auf dem Gebiet des Kapitalanlagerechts, des Bankrechts und des Anlegerschutzes tätig. Durch fachspezifische Tätigkeiten bei Banken etc. (z. B. 7-jährige Tätigkeit bei einem großen Discount-Broker/Wertpapierbank) sind auch umfangreiche und praktische Produktkenntnisse, Kenntnisse der Vertriebsabläufe etc. vorhanden. Dies beginnt bei einer atypisch stillen Beteiligung und endet bei den Zertifikaten.