SiC Processing GmbH – Neustart in der Regelinsolvenz

SiC Processing GmbH – Neustart in der Regelinsolvenz
09.04.20131183 Mal gelesen
Durch die Aufhebung der Eigenverwaltung und die Wahl von Christopher Seagon zum Insolvenzverwalter werden die Karten bei SiC Processing neu verteilt. Anleger haben im eigentlichen Insolvenzverfahren aber weiter kaum echte Handlungsmöglichkeiten. Die "Musik" spielt in der Prospekthaftung.

Am 2. April 2013 fand beim Amtsgericht Amberg die vorgezogene Gläubigerversammlung der SiC Processing GmbH statt. Diese brachte tiefgreifende Umwälzungen:

  • Durch Mehrheitsbeschluss der Gläubiger wurde die Eigenverwaltung aufgehoben.
  • Ebenso wurde durch Mehrheitsbeschluss der Gläubiger der Heidelberger Rechtsanwalt Christopher Seagon (Kanzlei Wellensiek) zum Insolvenzverwalter gewählt.

Damit ist das weitere Schicksal des Unternehmens den bisher zuständigen Geschäftsführer Peter Tysell und dem Sachwalter, Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl, entzogen worden.

Diese Beschlüsse gehen auf die G&P GmbH & Co. KG zurück, die zum gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger bestimmt wurde. G&P Geschäftsführer Frank Günther konnte damit die Mehrheit der Forderungen und die Mehrheit der Gläubiger vertreten und diese Beschlüsse durchsetzen.

Vor der Beschlussfassung hatte es eine heftige Diskussion über den bisherigen Verlauf der Insolvenz und über die Ursachen der Krise gegeben.

Herr Dr. Ampferl hatte die wirtschaftliche Situation wie folgt dargestellt:

  • Die norwegische, die italienische und die US-amerikanische Tochtergesellschaft haben keine wirtschaftliche Zukunft mehr und sind entweder bereits insolvent oder werden liquidiert.
  • Die wirtschaftlichen Werte des Unternehmens konzentrieren sich auf die vier chinesischen Töchter in Baoding, Zhenjiang, Jingdezhen und Wuxi. Bei den Gesellschaften in Baoding und Wuxi sei die Kreditgeberin DEG (eine KfW-Tochter) zu Zugeständnissen bereit. Probleme bereite aber die Tochter in Zhenjiang. Dort sei eine Kapitalerhöhung beschlossen worden, die die Mutter SiC Processing GmbH niemals eingezahlt habe. In einem chinesischen Insolvenzverfahren über die Gesellschaft in Zhenjiang könne der Verwalter ggf. auch auf die anderen Beteiligungen der SiC Processing GmbH in China zugreifen. Damit sei der gesamte Bestand der chinesischen Aktivitäten gefährdet.

Bei solchen Vorgängen muss die Frage nach einem Verschulden des bisherigen Managements aufgeworfen werden. Im Jahre 2011 hatte die SiC Procession GmbH über ihre Anleihe mehr als € 80 Mio. eingeworben. Mit diesem Geld wurde etwa ein Darlehen zurückgezahlt, das der Gesellschafter Nordic Capital Fund VII der Gesellschaft zuvor gewährt hatte. Für die Kapitalerhöhung in der Tochter in Zhenjian reichten die Gelder dann aber schon nicht mehr.

Heftigen Vorwürfen sah sich Herr Dr. Ampferl seitens der G&P GmbH & Co. KG ausgesetzt. Er habe immer nur mit Nordic Capital über eine Sanierung verhandelt. In sämtlichen Gutachten sei den chinesischen Töchtern nur ein geringer Wert beigemessen worden. Dabei seien ca. € 185 Mio. in diese Gesellschaften investiert worden, es sie nicht nachvollziehbar, warum diese Gesellschaften dann nicht einen positiven Wert aufwiesen. Dr. Ampferl sei nicht bereit gewesen, mit Günther & Partner über eine Sanierung zu sprechen.

Herr Dr. Ampferl entgegnete, er habe mit Herrn Günther und seinem Team zwei Gespräche in München geführt und die Sanierungsoptionen beleuchtet. Bereits in einem sehr frühen Verfahrensstadium (erstmals am 7. Februar, später dann nochmal am 15. März) sei ausführlich die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Gruppe (incl. Zahlen und Fakten) dargelegt worden. Weitere Geschäftsunterlagen hätte G&P nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung erhalten können. Diese sei nicht zustande gekommen.

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Für die Anleiheinhaber stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Im eigentlichen Insolvenzverfahren bleibt zunächst einmal wenig zu tun, es gibt auch gar keine Möglichkeiten, derzeit besonders viel zu tun. Die Rechte aus den Anleihen werden weiter von dem Gläubigervertreter G&P GmbH & Co. KG ausgeübt. Eigene Rechtsbefugnisse im Insolvenzverfahren haben die Gläubiger damit erst mal nicht.

Eigene Rechte haben die Anleihegläubiger nur gegenüber ihrem Vertreter, der G&P GmbH & Co. KG. Diese muss den Anleihegläubigern gem. § 7 Abs. 2 S. 4 SchVG über ihre Tätigkeit berichten. Die Gläubiger könnten dem Gläubigervertreter Weisungen erteilen. Ggf. holt der Vertreter auch Weisungen ein, bevor Entscheidungen von großer Tragweite getroffen werden.

Wirklich bewirken können Anleger wohl nur etwas über den Weg einer Schadensersatzklage aus Prospekthaftung. Der Sachverhalt bietet einige Anhaltspunkte, diese Frage sehr sorgfältig zu prüfen.

Kontakt:

RA Dr. Franz Wagner

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Hinweis: Der Verfasser hält selbst Anleihen der SiC Processing GmbH.