Die Vorsorgevollmacht als Instrument der Erbschleicherei?

Wer ist Fachanwalt und wer ist „Spezialist“?
27.09.2017339 Mal gelesen
Wer eine Vollmacht erteilt sollte die Missbrauchsrisiken kennen und sich vor Erbschleicherei schützen

Vorsorgevollmachten sind grundsätzlich eine gute Sache. Gerät man einmal in die Situation, dass man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr selbst Entscheidungen treffen kann, übernimmt der Bevollmächtigte. Ohne eine solche Vollmacht müsste ein Gericht einen gesetzlichen Betreuer bestellen.

Das ist dann aber unter Umständen nicht die Person, die der Betroffene ausgewählt hätte - vielleicht sogar ein Berufsbetreuer, der gar keinen persönlichen Bezug zum Betreuten hat. Außerdem unterliegt der Betreuer der Aufsicht des Gerichts. Das kann man einer Vertrauensperson (z.B. Ehegatte oder Kind) durch eine Vorsorgevollmacht ersparen.

Missbrauchsrisiko einer Vollmacht

Allerdings birgt eine Vorsorgevollmacht auch Risiken. Damit sie in der Praxis tatsächlich angewendet werden kann, darf sie möglichst keine Einschränkungen haben, also zum Beispiel nicht erst dann wirksam sein, wenn der Vollmachtgeber tatsächlich nicht mehr selbst entscheiden kann. Diese Bedingung wäre nämlich im Geschäftsverkehr kaum nachweisbar.

Aus diesem Grund besteht bei der Vollmacht stets die Gefahr des Missbrauchs. Diese Gefahr realisiert sich dann, wenn sogenannte Erbschleicher als Bevollmächtigte eingesetzt werden. Bei der Erbschleicherei gewinnen Personen, die meist nicht aus dem unmittelbaren familiären Umfeld oder Freundeskreis des Betroffenen stammen, durch Manipulation das Vertrauen meist älterer Menschen. Gleichzeitig versuchen sie ein Abhängigkeitsverhältnis zu schaffen und dieses für sich zu nutzen. Erbschleicher veranlassen Erblasser dazu, sie im Testament einzusetzen. Darüber hinaus versuchen Sie auch lebzeitige Verfügungen zu veranlassen.

Der Erbschleicher mit der Vollmacht

So können Bevollmächtigte zum Beispiel versuchen, schrittweise Vermögen, zum Beispiel Bankguthaben auf sich selbst zu übertragen. Außerdem können Erbschleicher eine Bevollmächtigung dafür nutzen, einen Erblasser aus dem Umfeld seiner Angehörigen zu entfernen - als Vorbereitungshandlung für ein manipuliertes Testament.

Allerdings ermöglicht es eine Vorsorgevollmacht dem Bevollmächtigen niemals, das Testament stellvertretend für den Vollmachtgeber zu schreiben. Ein Testament ist eine höchstpersönliche Handlung bei der eine Stellvertretung nicht zulässig ist.

Wie Betroffene sich schützen können

So können sich Betroffene vor Erbschleicherei im Zusammenhang mit einer Vorsorgevollmacht schützen:

  1. Nur Personen bevollmächtigen, zu denen ein langjähriges Vertrauensverhältnis besteht.
  2. Niemals unter Druck eine Vorsorgevollmacht erteilen.
  3. Den Aufgabenkreis des Bevollmächtigten genau bestimmen und z.B. Vermögensverfügungen ausschließen.
  4. Dem Vollmachtgeber keine sogenannten "Insichgeschäfte" erlauben (dann darf er keine Verfügungen zu seinen Gunsten veranlassen).
  5. Im Zweifel die gerichtlich beaufsichtigte Betreuung der Vorsorgevollmacht vorziehen.
  6. Gegebenenfalls auf eine notarielle Beurkundung oder Beglaubigung verzichten, so dass keine Möglichkeit besteht, Immobilien zu übertragen.
  7. Im Zweifel notariellen oder anwaltlichen Rat einholen.

Hält man sich die Situationen vor Augen, in den Vorsorgevollmachten häufig ausgestellt werden, sind diese Ratschläge natürlich nicht immer leicht einzuhalten. Wer sich rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, wird aber eine gewisse Wachsamkeit entwickeln. Die kann sehr gut vor Erbschleicherei schützen.