Mit falschen Kreditversprechen tiefer in die Schuldenfalle – Was sich hinter dem Slogan „Kredit ohne Schufa“ verbirgt

28.04.20111169 Mal gelesen
Mit falschen Kreditversprechen versuchen in jüngerer Zeit zahlreiche höchst unseriöse Unternehmen aus der finanziellen Not anderer Kapital zu schlagen. Die Fälle, in denen Menschen auf diese Weise noch tiefer in die Schuldenfalle geraten mehren sich. Deshalb beschäftigt sich der folgende Beitrag mit der Frage, wie man die Fallen umgehen kann, die sich in diesem Zusammenhang auftun. Wie beispielsweise erkennt man falsche Kreditversprechen und was kann man noch tun, wenn es schon „zu spät“ ist?

Wie erkenne ich falsche Kreditversprechen?

Über das Internet oder auch über Videotext werben zahlreiche Firmen damit, Darlehen ohne Schufa-Auskunft zu gewähren. Mit diesem Versprechen wenden sie sich bewusst an diejenigen, die bei seriösen Kreditinstituten meist keine Aussicht auf ein Darlehen (mehr) haben. Bereits die Werbung mit einem Kredit ohne Schufa-Auskunft ist ein Hinweis auf fehlende Seriosität des Anbieters. Denn seriöse Kreditinstitute benötigen Sicherheiten, um ein Darlehen auszahlen zu können. Schon bei dem Versprechen „ohne Schufa“ ist also höchste Vorsicht geboten.

Wer sich dennoch um ein Darlehen bei einer solchen Firma bemüht, wird in der Regel zunächst aufgefordert, seine Daten mitzuteilen. Nachdem die Betroffenen das getan haben, wird ihnen angekündigt, dass die Kreditzusage per Post kommt. Als nächstes erhalten sie dann ein Schreiben, das nur gegen Zahlung einer oft erheblichen „Gebühr“ ausgehändigt wird. In der Erwartung, die Kreditzusage zu erhalten, zahlen viele der Betroffenen diese hohen „Gebühren“ - teilweise 400 Euro und mehr – für ein wertloses Schreiben. In dem Umschlag befindet sich nämlich selbstverständlich keine Kreditzusage, sondern die Aufforderung, einen weiteren Vertrag abzuschließen. Die Palette der so angebotenen Verträge reicht hier von überflüssigen Versicherungen über nicht minder überflüssige Select- oder Rabattkarten bis hin zu Schuldenberatungsverträgen. Erneut wird versprochen, dass nach Abschluss dieser – für die Betroffenen vollständig sinnlosen und kostspieligen Verträge – der Kredit gewährt wird. Schließt der Betroffene einen dieser Verträge ab, ist das für ihn abermals mit erheblichen Kosten verbunden. Einen Nutzen hat er nicht.

Von der ursprünglichen Firma hören die Betroffenen in der Folgezeit meist nichts mehr. Stattdessen melden sich vermeintliche „Kreditvermittler“, um einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Bei diesem Termin legen sie den Betroffenen – selbstverständlich immer verbunden mit dem Versprechen einen Kredit zu vermitteln – verschieden Formulare zur Unterschrift vor. Nicht selten stellt sich später heraus, dass die Betroffenen sich mit ihrer Unterschrift unwissentlich an einem geschlossenen Fonds oder an einer Genossenschaft beteiligt haben. Oftmals zahlen sie fortan monatlich Teile ihres Lohns über „vermögenswirksame Leistungen“ an dubiose Fondsgesellschaften.

Im Zusammenhang mit diesen Machenschaften tauchen unter anderem folgende Firmen* und Gesellschaften immer wieder auf:

  • Danaro Invest GmbH
  • Culpa Inkasso GmbH
  • Würzburger Versicherungs-AG
  • Wohnungsgenossenschaft Grundwerte eG
  • price selection e.K. (Select-Card)
  • Altenpflegeheimfonds Hermann Bader – Dr. Mühlbauer
  • TVG – Treuhand und Verwaltungsgesellschaft

Was kann ich tun?

Wenn Sie aufgefordert werden, vor Abschluss des Darlehensvertrages Bearbeitungsgebühren zu bezahlen, sollten Sie das nicht tun und in jedem Fall Abstand von dem Vertrag nehmen. Ebenso ist die Aufforderung, Zusatzverträge – wie Sparkartenverträge oder ähnliches – abzuschließen ein sicheres Zeichen dafür, dass der Anbieter unseriös ist. Generell gilt: Befinden Sie sich bereits in der Überschuldung  (bemühen sie sich beispielsweise um einen neuen Kredit, um alte Schulden abzulösen oder weil sie das Geld für Ihren täglichen Lebensunterhalt benötigen), sollten Sie eine seriöse Schuldnerberatung (Informationen bieten Verbraucherzentralen) aufsuchen und hier einen Weg aus der Überschuldung suchen.

Haben Sie schon etwas unterzeichnet und werden unter Druck gesetzt – meist schaltet sich über kurz oder lang ein Inkasso-Unternehmen ein – sollten Sie ebenfalls eine Verbraucherzentrale aufsuchen und dort um Rat bitten. Mitunter kommt auch ein Widerruf nach Verbraucherkreditgesetz oder eine Anfechtung der Verträge wegen arglistiger in Betracht. Ob man gezahltes Geld zurück erhält, hängt meist davon ab, ob man bereit ist, den Klageweg zu beschreiten. Erfahrungsgemäß zahlen die Firmen das Geld nur unter dem Druck eines gerichtlichen Verfahrens zurück. Vor allem wenn Sie über einen längeren Zeitraum Fondsanteile abbezahlt und so erhebliche Verluste erlitten haben, lohnt es sich Rechtsrat zu suchen und Ihre Erfolgsaussichten prüfen lassen. Wenn Sie Rechtsrat benötigen, haben Sie in diesen Fällen unter Umständen Anspruch auf Beratungs- oder auch Prozesskostenhilfe.

http://www.kanzlei-am-domplatz.de/ra-c-tinkl.htm

Tel.: 0251/41458-0

  

*Die Liste ist nicht abschließend. Nahezu fortlaufend entstehen neue Firmen und Fondsgesellschaften, die auf die beschriebene Weise agieren.