Winterreifenpflicht – Was Autofahrer in der kalten Jahreszeit beachten müssen

04.11.2013965 Mal gelesen
Über das Bestehen einer Winterreifenpflicht herrscht bei vielen Autofahrern noch Unsicherheit. Ab wann sollte man seine Reifen wechseln und was droht, wenn man als Autofahrer im Winter doch mit Sommerreifen fährt? Alle Fragen rund um die Winterreifenpflicht beantwortet Rechtsanwältin für Verkehrsrecht Tatiana Orfanakou:

Gibt es überhaupt eine Winterreifenpflicht?

Tatiana Orfanakou: „2010 wurde die gesetzliche Regelung der Strafverkehrsordnung in Bezug auf eine Winterreifenpflicht überarbeitet und genauer gefasst. Die Regelung sieht eine sogenannte situative Winterreifenpflicht vor. Das heißt: Unabhängig von der Jahreszeit dürfen Autofahrer bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur mit M+S Reifen fahren. M+S Reifen sind Winterreifen, aber auch Allwetter- oder Ganzjahresreifen, die die Kennzeichnung M+S aufweisen. Manche dieser Reifen sind auch mit einem dreizackigen Symbol mit Schneeflocke gekennzeichnet.“

Ab wann sollten Autofahrer Winterreifen aufziehen?

Tatiana Orfanakou: „Der Gesetzgeber macht die Winterreifenpflicht von Witterungsverhältnissen abhängig, die in Deutschland nicht vorhersehbar auftreten. Empfehlenswert ist es aus meiner Sicht die Winterreifen von Allerheiligen bis Ostern aufzuziehen, wie es bereits viele Autofahrer tun. Damit umgeht man auch die Gefahr von einem Wetterumschwung überrascht zu werden und nicht mehr rechtzeitig reagieren zu können.“

Gelten für Mietwagen spezielle Regeln?

Tatiana Orfanakou: „Bei Mietwagen müssen Autofahrer besonders vorsichtig sein, denn Autovermieter sind nicht verpflichtet ihren Fahrzeugen Winterreifen aufzuziehen. Als Kunde sollte man in jedem Fall vorher explizit nach einem Fahrzeug mit Winterreifen fragen.“

Was droht Autofahrern, die bei den genannten Wetterverhältnissen keine Winterreifen aufziehen?

Tatiana Orfanakou: „Wer als Autofahrer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen fährt, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro. Kommt es zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs, drohen 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.“

Hat dies auch Konsequenzen auf den Versicherungsschutz?

Tatiana Orfanakou: „Ja. Autofahrer, die bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen fahren und in einen Unfall verwickelt werden, bekommen zusätzlich zum Bußgeld Probleme mit ihrer Versicherung. Die Kaskoversicherung kann mit dem Hinweis auf grob fahrlässiges Verhalten des Autofahrers versuchen einen Teil der Leistung zu verweigern. Denkbar ist auch, dass die Haftpflichtversicherung nur noch anteilig haftet, wenn der Unfall auf falsche Reifen zurückzuführen ist.

Was, wenn das Auto nur in der Garage steht?

Tatiana Orfanakou: „Wer sein Auto in der Garage stehen lässt, hat nichts zu befürchten. Ein Bußgeld wird nur an Autofahrer verhängt, die mit Sommerreifen am Straßenverkehr teilnehmen.“

Fazit: Tatiana Orfanakou rät: „Autofahrer sollten rechtzeitig, vor dem Eintritt möglicher winterlichen Straßenbedingungen Winterreifen aufziehen. Wer die Kosten für einen Reifenwechsel scheut oder ohnehin selten Auto fährt, sollte an den entsprechenden Tagen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Zuletzt noch ein wichtiger Hinweis: Die Pflicht bei Schnee und Matsch mit Winterreifen zu fahren, gilt auch für Motorradfahrer.“