U.S Supreme Court schränkt Klagemöglichkeit ausländischer Kläger gegen ausländische Unternehmen ein – Signalwirkung?

14.07.2010795 Mal gelesen
Entscheidung des U.S.Supreme Court vom 24.Juni 2010 und mögliche (positive) Folgewirkungen auf gegenwärtige oder zukünftige Verfahren gegen deutsche Firmen in den USA.

Entscheidung des U.S.Supreme Court vom 24.Juni 2010. Australische Kläger hatten die National Australia Bank in den USA verklagt, weil angeblich ein in  Florida belegenes Grundstück überbewertet gewesen sei. Die Kläger halten Aktien an der Bank, welche sie an der australischen Börse gekauft hatten.  Sie versuchten mit Verweis auf  Vorschriften der U.S. Securities Exchange Commission einen Gerichtsstand in USA zu konstruieren.  Das Gericht wies die Klage wegen Unzuständigkeit des Gerichts einstimmig ab. Wichtig hierbei ist allerdings, dass alle Richter sich darüber einig waren, dass die klägerseits zitierten SEC Vorschriften in der Sache keinen Anspruch begründeten, es aber hinsichtlich der Frage, ob diese Vorschriften auch extraterritoriale Anwendung finden könnten wie im vorliegenden Fall,  keine Einstimmigkeit vorlag (jedoch Mehrheit). Dies zu wissen ist deshalb wichtig, weil dies bei der Frage, ob man nun generell auch als in USA verklagtes deutsches Unternehmen in ähnlich gelagerten Sachverhalten aus dem Urteil Honig saugen und Entwarnung  geben kann,  zumindest den Ansatz für Antworten geben kann. Das Gericht sah in den Vorschriften keinen Anhaltspunkt, dass der US-Kongress eine extraterritoriale Wirkung beabsichtigt haben könnte.  Dies bedeutet wiederum, dass die Vereinigung der US-Prozessanwälte (mit starker Lobby) versuchen wird, über den Kongress für die Zukunft eine Klarstellung zu erreichen; zudem ändert sich ab und an (selten) die Zusammensetzung der Richter am U.S.Supreme Court (Bennenung durch den Präsidenten.

Insgesamt gesehen ist das Urteil aber für ausländische Unternehmen positiv zu sehen, weil es ein Indiz dafür sein könnte, dass zukünftig der "Unsitte? Einhalt geboten wird, mehr und mehr in US-Gesetzen die Möglichkeit extraterritorialer Anwendung hinein zu interpretieren.  Das könnte auch deutschen Unternehmen zu Hilfe kommen. Hoffentlich ist da nicht nur der Wunsch der Vater des Gedankens, denn Richter der ersten und zweiten Instanz entscheiden insoweit teilweise sehr unterschiedlich.

Vollständige Entscheidung: 08-1191 Morrison v. National Australia Bank ;

Die Urteilsbegründung beginnt mit "We decide whether §10(b) of the Securities Exchange Act of 1934 provides a cause of action to foreign plaintiffs suing foreign and American defendants for misconduct in connection with securities traded on foreign exchanges.? und endet mit: "Section 10(b) reaches the use of a manipulative or deceptive device or contrivance only in connection with the purchase or sale of a security listed on an American stock exchange, and the purchase or sale of any other security in the United States. This case involves no securities listed on a domestic exchange, and all aspects of the purchases complained of by those petitioners who still have live claims occurred outside the United States. Petitioners have therefore failed to state a claim on which relief can be granted.?

Weiterer Auszug aus der Entscheidung:

?..

2. Section 10(b) does not provide a cause of action to foreign plain-tiffs suing foreign and American defendants for misconduct in con-nection with securities traded on foreign exchanges. Pp. 5?24.

(a)

It is a "longstanding principle of American law ?that legislation of Congress, unless a contrary intent appears, is meant to apply only within the territorial jurisdiction of the United States.? ? EEOC v. Arabian American Oil Co., 499 U. S. 244, 248 (Aramco). When a statute gives no clear indication of an extraterritorial application, it has none. Nonetheless, the Second Circuit believed the ExchangeAct?s silence about §10(b)?s extraterritorial application permitted the court to "discern? whether Congress would have wanted the statute to apply. This disregard of the presumption against extraterritoriality has occurred over many decades in many courts of appeals and has produced a collection of tests for divining congressional intentthat are complex in formulation and unpredictable in application.The results demonstrate the wisdom of the presumption against ex-traterritoriality. Rather than guess anew in each case, this Courtapplies the presumption in all cases, preserving a stable backgroundagainst which Congress can legislate with predictable effects. ?..

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