Umkehrhypotheken werden schnell zur existenzbedrohenden Falle

Rechtsanwalt Christof Bernhardt
19.11.2017116 Mal gelesen
Scheinbar ist die Umkehrhypothek ein Geschäftsmodell, welches sich sowohl für Senioren als auch für Banken auszuzahlen vermag. Der bisherige Eigentümer erhält von der Bank einen Kredit, für den weder Zinsen noch Tilgung anfallen. Er genießt lebenslanges Wohnrecht in seinem Haus, außer [...]
Scheinbar ist die Umkehrhypothek ein Geschäftsmodell, welches sich sowohl für Senioren als auch für Banken auszuzahlen vermag. Der bisherige Eigentümer erhält von der Bank einen Kredit, für den weder Zinsen noch Tilgung anfallen. Er genießt lebenslanges Wohnrecht in seinem Haus, in einigen Fällen kommt eine Leibrente hinzu. Die Restschuld wird abgegolten, wenn der Eigentümer stirbt, die Immobilie verkauft oder auszieht. Im Regelfall geht das Haus dann an die Bank.
Immer mehr Experten warnen jedoch mittlerweile vor Umkehrhypotheken. Rechtsanwalt Sebastian Rosenbusch-Bansi von der Wiesbadener Kanzlei Cäsar-Preller erklärt: "Seriöse Institute bieten überhaupt keine Umkehrhypotheken mehr an. Durch die anhaltende Zinsflaute im Euroraum sind sie für Banken nicht mehr profitabel. Wenn Institute vereinzelt Umkehrhypotheken anbieten, ist äußerste Vorsicht geboten - denn oft sind Klauseln in die Verträge eingebaut, die sich schnell gegen die bisherigen Eigentümer richten können. So ist etwa das eingeräumte Wohnrecht nicht selten auf eine viel zu kurze Zeitspanne beschränkt."
Dennoch: Manche Anbieter treiben viel Aufwand, um einen Deal mit Rentnern zu machen. Das ist riskant und wird oft gefährlich: In jüngerer Zeit kam es zu Fällen, in denen Kunden arglistig getäuscht wurden - oft schlossen sie überhaupt keine Umkehrhypotheken, sondern teure Rentenversicherungen oder andere nutzlose Verträge ab.
Derartig dubiose Geschäfte können Menschen in den Ruin treiben: So erhielt ein Ehepaar keine Umkehrhypothek, sondern ein Angebot über ein Hypothekendarlehen in Höhe von 150.000 Euro mit zehnjähriger Laufzeit. Besagten Kredit wollte der skrupellose Berater mit einer Sofortrentenversicherung kombinieren. Die Kreditrate sollte sich aus der Rentenzahlung speisen. Bei Abschluss könnte der Berater gleich zweimal eine Provision kassieren. Die Rentenversicherung reicht allerdings nicht, um den Kredit im vereinbarten Zeitraum zu tilgen. Am Ende der Zinsbindung würden 93.000 Euro Schulden entstanden sein. Die dann nötige Anschlussfinanzierung im hohen Alter auf die Beine zu stellen, ist beinahe unmöglich.
Rechtsanwalt Rosenbusch-Bansi erklärt: "Wenn Menschen im Alter Geld mit ihrer Immobilie verdienen wollen, sollten sie diese verkaufen oder vermieten. So behalten sie die Kontrolle über den erlösten Betrag, gegebenenfalls können sie andere Rentenmodelle auswählen."