Verwirkung der Minderung bei vorbehaltsloser Zahlung?

22.07.20081221 Mal gelesen
Der Bun­des­ge­richts­hof meint ja. Auch dann rück­wir­kend, wenn der Mie­ter so­gar über 40 Mo­na­te vor­be­halt­los Mie­te ge­zahlt hat­te.
 
Nach der Ent­schei­dung des BGH sei ein Recht zwar ver­wirkt, wenn der Be­rech­tig­te es län­ge­re Zeit nicht gel­tend macht, ob­wohl er da­zu in der La­ge wä­re, und der Ver­pflich­te­te sich mit Rück­sicht auf das ge­sam­te Ver­hal­ten des Be­rech­tig­ten da­rauf ein­rich­ten durf­te und ein­ge­rich­tet hat, dass die­ser sein Recht auch in Zu­kunft nicht gel­tend ma­chen wer­de.
 
Im vor­lie­gen­den Fall war zu be­ach­ten, dass der vom Ver­mie­ter ge­stell­te Ge­wer­be­miet­ver­trag ei­ne Klau­sel ent­hielt, wo­nach das Min­de­rungs­recht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen wer­den soll­te.
Hier stel­le der BGH al­ler­dings fest, dass die­se Klau­sel un­wirk­sam ist und so­mit nicht der Min­de­rung ent­ge­gen­steht.
 
Durch die Ver­wen­dung die­ser un­wirk­sa­men Klau­sel ha­be der Ver­mie­ter zu­dem ge­gen vor­ver­trag­li­che Pflich­ten ver­sto­ßen und muss­te des­we­gen da­mit rech­nen, dass der Mie­ter die Un­wirk­sam­keit der Klau­sel nicht so­fort bei Auf­tre­ten der Män­gel er­kennt, son­dern erst spä­ter und sich dann auf Min­de­rung be­ruft.
Da der Ver­mie­ter so­mit we­gen des ei­ge­nen Ver­trags­vers­to­ßes nicht da­rauf ver­trau­en konn­te, dass der Mie­ter we­gen des gro­ßen Zeit­ab­lau­fes sein Min­de­rungs­recht nicht mehr gel­tend ma­chen wird, la­gen die Vo­raus­set­zun­gen für ei­ne Ver­wir­kung nicht vor.
 
Der BGH ent­schied da­her, dass der Mie­ter trotz der vor­be­halts­lo­sen Zah­lung min­dern durf­te.
 
BGH, Ur­teil vom 12.03.2008 - XII ZR 147/05
 
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