Eine Verletzung des Nervus Peroneus brachte unserer Mandantin 10.000 Euro Entschädigung

Die Hüften einer Frau. Medizinrecht.
08.01.201945 Mal gelesen
Nach der operativen Verbindung zweier Knochen des Ischias rechts kam es zur Verletzung eines wichtigen Nerves.

Chronologie und Krankengeschichte:
Die Klägerin ließ sich in 2011 eine Hüfttotalendoprothese (Kompletter Ersatz des erkrankten Hüftgelenks durch eine Endoprothese. Alle Bestandteile des natürlichen Hüftgelenks werden durch künstliche Materialien ersetzt) implantieren. Nachfolgend entwickelte sich eine Pseudoarthrose (d.h. wenn ein Knochen nach mehr als sechs Monaten nicht richtig zusammengewachsen ist und Probleme verursacht, hat sich möglicherweise eine Nicht-Vereinigung entwickelt) im Bereich der 3-fach Beckenosteotomie, so dass in 2014 eine Verplattung des Sitzbeines erfolgte. Hierbei kam es zu einer Läsion (Verletzung) des Nervus peroneus, wodurch die Klägerin sturzanfällig wurde. Der Behandlerseite wird eine nicht lege artis vorgenommene Operation, sowie eine unzureichende Risikoaufklärung vorgeworfen.

Das Verfahren vor Gericht:
Das Landgericht Bochum hat zu dem Vorfall ein fachorthopädisch-fachchirurgisches Gutachten erstellen lassen, das im Ergebnis zu einer nicht ausreichenden Risikoaufklärung kam. Das Landgericht hat den Parteien sodann einen Vergleich von rund 10.000,- Euro zur Gesamtabfindung vorgeschlagen, den diese akzeptierten.

Anmerkungen von Ciper & Coll.:
In Arzthaftungsprozessen wird oftmals auch die Frage der Aufklärungsfehler thematisiert, so wie hier. Ist diese nicht umfassend und hinreichend erfolgt und hätte die geschädigte Patientin eine Alternative zu der vorgenommenen Behandlung gehabt, führt dieser Aufklärungsmangel in der Regel zu einem Prozesserfolg der Klägerseite, konstatiert RA Dr. D.C.Ciper LLM, Fachanwalt für Medizinrecht.

Bemerkung zu Lege Artis:
Lege artis (lat. Lex, legis, "law" und latein ars, artis, "art", englisch) ist der Rechtsgrundsatz im Haftungsrecht, wonach eine vertragliche Verpflichtung nach dem Stand der Wissenschaft die anerkannte Regeln der Technik, die sozialen Normen oder Rechtsnormen sowie die Nutzung körperlicher und geistiger Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse.

Az.: I - 6 O 159/16