Arbeitsrecht und Diskriminierung

01.03.2016222 Mal gelesen
Wer ist für den Fall einer möglichen Diskriminierung der richtige Anspruchsgegner?

Fordern Bewerber wegen einer diskriminierenden Stellenanzeige eine Entschädigung, kann sich diese Forderung nur gegen den Arbeitgeber richten.Ein im Bewerbungsverfahren zwischengeschalteter Personalvermittler ist zumindest nach dem AGG nicht entschädigungspflichtig ( Bundesarbeitsgericht Az.: 8 AZR 118/13).

Der Kläger hatte sich im September 2011 auf eine im Internet ausgeschriebene Stelle als Personalvermittler beworben und verfügte über eine mehrjährige Berufserfahrung. In der Stellenanzeige wurde „nur“ ein „Berufseinsteiger mit ein- bis zweijähriger Berufserfahrung" gesucht.

Der potentielle Arbeitgeber hatte seinen Sitz in Norddeutschland Als Kontaktinformation war ein Schwesterunternehmen angegeben, welches das Personal vermittelte. Die Bewerbung richtete der Kläger daher an das Schwesterunternehmen.

Von dort kam dann auch die Absage. Der Betriebswirt fühlte sich daraufhin wegen seines Alters diskriminiert. Die Anzeigenformulierung „Berufseinsteiger mit ein- bis zweijähriger Berufserfahrung" weise auf eine unzulässige Altersdiskriminierung hin. Von dem Schwesterunternehmen, von dem die Absage kam, verlangte der Kläger daher eine Entschädigung in Höhe von 16.000 EURO..

Das BAG lehnte den Entschädigungsanspruch jedoch ab. Der Kläger habe die falsche Gesellschaft, nämlich das als Personalvermittler tätige Schwesterunternehmen verklagt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sehe jedoch vor, dass eine Entschädigung nur gegenüber dem (potentiellen) Arbeitgeber geltend gemacht werden könne. Das Personalvermittlungsunternehmen sei für die ausgeschriebene Stelle nicht Arbeitgeber gewesen, so das BAG. Daher hatte diese Klage keinen Erfolg – unabhängig von einer möglichen Diskriminierung.

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Rechtsanwalt Volker Nann
Klünder Nann Rechtsanwälte, Stuttgart
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