Ein Handwerker haftet für einen Schaden gleich einem Arbeitnehmer

Ein Handwerker haftet für einen  Schaden gleich einem  Arbeitnehmer
21.05.2013269 Mal gelesen
Wer grob fahrlässig in seinem Betrieb einen Schaden verursacht, ist zum Schadensersatz verpflichtet, der Höhe nach ist die Haftung indes beschränkt, meint das Hessische Landesarbeitsgericht.

Ein  46-jähriger Schlosser und war seit vielen Jahren praktisch ausschließlich und regelmäßig weisungsunterworfen in einem Milchwerk in Hessen tätig. Das Milchwerk produzierte unter anderem Milch- und Kaffeepulver in mehreren Trocknungsanlagen. Am 13. August 2008 hatte der Handwerker den Auftrag, verschiedene Metallteile an einem der Trockentürme anzubringen. Bei laufendem Betrieb schnitt er mit Schweißgerät und Trennschleifer Schlitze in die Außenwand des Trockenturms. Es entstanden Funken und glühende Metalltropfen, die in den Trockenturm tropften. 17 t Milchpulver entzündeten sich explosionsartig. Der Schaden belief sich auf rund 220.000 €. Er wurde von den Versicherungen des Milchwerks beglichen.

Die Versicherung verlangt vom Handwerker Schadensersatz in Höhe von 142.000 €.

Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Das Hessische Landesarbeitsgericht den Handwerker zur Zahlung von 17.000 € verurteilt.

Der  Handwerker habe den Schaden grob fahrlässig verursacht. Es läge auf der Hand, dass bei Schweiß- und Flexarbeiten Funkenflug und heiße Metalltropfen entstehen, die erhitztes Milchpulver zur Entzündung bringen. Der Handwerker könne von Glück sagen, das er zum Zeitpunkt der Explosion gerade selbst kurz abwesend war. Für den entstandenen Schaden hafte er grundsätzlich in vollem Umfang.

Für Arbeitnehmer im Rechtssinne gilt diese Haftung allerdings nur unter Berücksichtigung der persönlichen Situation und der Umständen des Einzelfalls. Die Haftung soll den Arbeitnehmer nicht in den Ruin treiben. Diese Grundsätze seien  hier auf den Handwerker angewandt, der zwar kein Arbeitnehmer aber als Handwerker praktisch wie ein Arbeitnehmer in den Betrieb des Milchwerks eingegliedert war.

Die Haftungssumme war daher auf 17.000 € zu beschränken,  was etwa 3 Monatsverdiensten entsprach.

(Quelle: Pressemitteilung des  Hessisches Landesarbeitsgericht,

Urteil vom 02.04.2013; 13 Sa 857/12

Vorinstanz Arbeitsgericht Gießen, Urteil vom 30.04.2012; 3 Ca 136/11)

 

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