Häufige Kurzerkrankungen rechtfertigen nicht in jedem Fall eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses

Häufige Kurzerkrankungen rechtfertigen nicht in jedem Fall eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses
06.05.2013279 Mal gelesen
Eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen ist trotz erheblicher Beeinträchtigung betrieblicher Interessen nur zulässig, wenn diese ein solches Ausmaß erreicht haben, dass die Weiterbeschäftigung dem Arbeitgeber nicht mehr zuzumuten ist, meint das Arbeitsgericht Iserlohn.

Ein ab dem 21. August 1984 bei seinem Arbeitgeber beschäftigter Automateneinrichter fehlte im Betrieb seit dem Jahre 2007 wie folgt wegen häufiger Kurzerkrankungen: 2007: an 39 Tagen; 2008: an 25 Tagen; 2009: an 34 Tagen; 2010: an 42 Tagen und 2011: an 35 Tagen.

Der Arbeitgeber beschloss ob der durch die vielen Kurzerkrankungen verursachten hohen Lohnfortzahlungskosten die Kündigung des Automateneinrichters. Mit Schreiben vom 31. Januar 2012 kündigte er ihm gegen die Stellungnahme des Betriebsrates zum 31. August 2012.

Der Automateneinrichter erhob hiergegen Kündigungsschutzklage.

Das Gericht gab der Kündigungsschutzklage statt:

Die Prüfung, ob eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen zulässig sei, habe nach der Rechtsprechung in drei Stufen zu erfolgen:

Eine Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen sei erstens nur bei einer negativen Gesundheitsprognose zulässig, wenn zweitens eine erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen vorliegt und drittens auch unter Berücksichtigung des Einzelfalles die Beeinträchtigung ein solches Ausmaß erreicht hat, dass die Weiterbeschäftigung dem Arbeitgeber nicht mehr zuzumuten ist.

Das Gericht sieht im vorliegenden Fall sowohl eine negative Gesundheitsprognose, als auch eine erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen des Arbeitgebers als gegeben.

Bei der Prüfung der dritten Stufe führt das Arbeitsgericht die Dauer des Arbeitsverhältnisses, das Alter des Automateneinrichters (54 Jahre), sowie seine Unterhaltsverpflichtung für eine Frau und zwei Kinder an.

Unter Berücksichtigung all dieser Umstände falle, so das Gericht, die vorzunehmende Interessenabwägung zugunsten des Automateneinrichters aus; die ausgesprochene Kündigung erweise sich daher als sozial ungerechtfertigt und damit unwirksam.

 

(Quelle: Arbeitsgericht Iserlohn, Urteil vom 02.10.2012; 2 Ca 401/12)

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