Schlechte Arbeitsleistungen rechtfertigen eine Kündigung nur dann, wenn der Arbeitnehmer sich nicht bemüht hat

Schlechte Arbeitsleistungen rechtfertigen eine Kündigung nur dann, wenn der Arbeitnehmer sich nicht bemüht hat
16.04.2013642 Mal gelesen
Ein Arbeitnehmer schuldet nicht schnellstmögliche und fehlerfreie Arbeit, nicht einmal objektiv durchschnittliche Leistungen. Er muss nur eine, bei angemessener Anspannung seiner Kräfte und Fähigkeiten, normale Arbeitsleistung von mittlerer Art und Güte erbringen, meint das Arbeitsgericht Magdeburg.

Ein Bauarbeiter befindet sich des Öfteren mit seinem Kolonnenführer im Streit. Außerdem fällt er im Betrieb durch häufige Fehltage, schlechte Leistungen und langsames Arbeitstempo auf.

Im Betrieb, in dem der Bauarbeiter beschäftigt ist, arbeiten 4 Arbeitskolonnen mit 2 bis 3 Mitarbeitern, manchmal auch mit 6 Kollegen. Mittlerweile ist es dazu gekommen, dass seine Kollegen beim Arbeitgeber vorstellig wurden und ihm gesagt haben, nicht mehr arbeiten zu wollen, wenn der besagte Bauarbeiter weiterhin für den Betrieb tätig sei.

Der Arbeitgeber sprach dem Bauarbeiter daraufhin die ordentliche Kündigung wegen schlechter Arbeitsleistungen aus. Dieser erhob Kündigungsschutzklage.

Das Gericht gab der Kündigungsschutzklage statt, da die Kündigung nicht sozial gerechtfertigt war.

Eine Kündigung sei aus Gründen im Verhaltens des Arbeitnehmers unter anderem dann sozial gerechtfertigt, wenn der Arbeitnehmer seine Pflichten erheblich verletzt hat, das Arbeitsverhältnis dadurch auch künftig konkret beeinträchtigt werde und eine zumutbare Möglichkeit einer anderen Beschäftigung nicht bestehe. Diese Voraussetzungen lägen hier nicht vor.

Fehlerhafte Arbeit und wiederholte Leistungsmängel seien erst dann, wenn die Fehlerquote über das auch von anderen Arbeitnehmern zu erwartende hinausgeht, vom Grundsatz her geeignet, eine ordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Ein Arbeitnehmer schulde nämlich nicht schnellstmögliche und fehlerfreie Arbeit, nicht einmal  objektiv durchschnittliche Leistungen. Er müsse lediglich eine, bei angemessener Anspannung seiner individuellen Kräfte und Fähigkeiten, normale Arbeitsleistung von mittlerer Art und Güte erbringen. Pflichtverletzungen des Bauarbeiters, die danach eine Kündigung rechtfertigen könnten, seien im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Zwar rügt der Arbeitgeber ganz allgemein die Arbeitsleistung des Bauarbeiters in Bezug auf Tempo und Fehlerhaftigkeit. Dies reicht aber nicht. Der Umstand, dass die Kollegen des Bauarbeiters die Auffassung des Arbeitgebers über die schlechte Arbeitsleistung teilen würden, könne einen ausreichenden Vortrag ebenfalls nicht ersetzen.

Häufige Fehltage wegen Krankheit rechtfertigen im vorliegenden Fall ebenfalls keine ordentliche Kündigung des Bauarbeiters. Nach alledem war seiner Kündigungsschutzklage stattzugeben.

(Quelle: Arbeitsgericht Magdeburg, Urteil vom 25.01.2012; 3 Ca 1917/11)

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