Arbeitsrecht: Geheime Zeugnissprache und verschlüsselte Formulierungen

05.02.2012414 Mal gelesen
Arbeitsrecht: Geheime Zeugnissprache und verschlüsselte Formulierungen

In der Beratungspraxis erscheinen häufig Arbeitnehmer, mit der Bitte um Überprüfung des Zeugnisses auf sog. verschlüsselte Zeugnisformulierungen.

 

Der Arbeitnehmer hat mit Ausscheiden aus seinem Arbeitsverhältnis einen Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis, welches ihn in seinem beruflichen Fortkommen nicht behindert. Gleichwohl besteht seitens des Arbeitgebers auch die Pflicht zur Wahrheit.

 

Obgleich eine jeweilige Einzelfallprüfung angezeigt ist, sind folgende Formulierungen aufgrund kürzlicher Entscheidungen zu nennen:

 

Diese (gekürzte) Formulierung fand sich im Zeugnis: "Wir haben ... als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennengelernt, der stets eine sehr hohe Einsatzbereitschaft zeigte. Der ... war jederzeit bereit, sich über die normale Arbeitszeit hinaus für die Belange des Unternehmens einzusetzen. Er erledigte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit."

Die Klage richtete sich gegen die Formulierung "kennengelernt". Diese Art der Formulierung werde in der Berufswelt überwiegend negativ verstanden. Der Kläger führte an, dass ein Arbeitgeber dadurch verschlüsselt zum Ausdruck bringe, dass „gerade das Gegenteil der jeweiligen Aussage zutreffe“.

Das Bundesarbeitsgericht urteilte im Hinblick auf die Formulierung, "… als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennengelernt", dahingehend, dass diese Formulierung „aus Sicht des objektiven Empfängerhorizonts nicht den Eindruck erweckt, das Unternehmen attestiere dem Arbeitnehmer in Wahrheit Desinteresse und fehlende Motivation“.

 

Gerne berate ich Sie zu denen in Ihrem Zeugnis enthaltenen Formulierungen.

Rechtsanwalt Dr. Stephan SchmelzerFachanwalt ArbeitsrechtFachanwalt IT-Recht,  Ostberg 3, 59229 Ahlen, Tel.: 02382.6646