Eignungstests für Verkehrssünder – Idiotentest?

22.06.20063062 Mal gelesen

Kaum eine Rechtsfolge einer Verkehrsstraftat trifft den Autofahrer härter als der Entzug der Fahrerlaubnis. Oft wird nach Ende der verhängten Sperrfrist die Ausstellung des neuen Führerscheins von einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) abhängig gemacht – im Volksmund „Idiotentest“ genannt. Wer mit mehr als 1,5 Promille Blutalkohol angetroffen wurde, wird als Gewohnheitstrinker eingestuft und muss glaubhaft machen, dass er sein Verhalten geändert hat.

Vorbereitung auf die MPU bietet die verkehrspsychologische Beratung durch – behördlich anerkannte – seriöse Therapeuten. Ärzten mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation und Diplompsychologen wird dabei diese Seriosität unterstellt. Einen geeigneten Berater zu finden, ist für den Laien schwierig. Bei Beratungsgesellschaften mit Erfolgsgarantien wie „Geld zurück bei Nichtbestehen“ sollte man vorsichtig sein. Diese gelten bei vielen MPU-Prüfern als unseriös, weil die sog. Eignungsmängel nicht aufgearbeitet, sondern angeblich verschleiert würden. Wer sich solchen Unternehmen anvertraut, muss damit rechnen, dass der Prüfer sich skeptisch zeigt, inwieweit eine bessere Einstellung zum Verhalten im Straßenverkehr oder zum Alkoholkonsum tatsächlich gewonnen wurde oder nur angelernt vorgespiegelt wird.

Die Erstattung des Honorars wiegt nichts gegen die Folgen des Nichtbestehens der Prüfung. Wird der Durchgefallene an eine mit dem MPU-Institut verbundene Therapiegesellschaft verwiesen, fallen oft Kosten von mehreren hundert Euro an. Freie – also nicht an Gesellschaften gebundene –  Verkehrspsychologen können über den Bundesverband Niedergelassener Verkehrspsychologen BNV (040-27873810) oder den ADAC (089-76762423) erfragt werden.

  • Der Autor RA Sven Skana ist Spezialist für Verkehrs-Unfallrecht sowie Spezialist für Führerscheinangelegenheiten. Er ist Partner in der Kanzlei Roscher, Johlige & Partner in Berlin-Charlottenburg, Kurfürstendamm 28, 10 719 Berlin, Tel: 030 – 886 81 505.