Spekulieren, ohne etwas zu riskieren? Der Fall Ulrich Engler - Aktenzeichen XY vom 21.10.09 - Klassisches Schneeballsystem

28.10.20093016 Mal gelesen

Spekulieren, ohne etwas zu riskieren - mit dieser reizvollen Aussage warbUlrich Engler für seine Firma PCO in seinen schönen Prospekten - und viele Anleger sind leider über diverse Vermittler darauf hereingefallen.

 

Ulrich Engler war der Geschäftsführer der PCO mit Sitz in Florida. Er ist einschlägig vorbestraft und hat den Anlegern utopische Zinsen von umgerechnet bis zu 60 % im Jahr versprochen. Durch den Einsatz zahlreicher Vermittler und Untervermittler sammelte er von ca. 6000 Anlegern, die vorwiegend aus den Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich stammen sollen, Millionen ein. Die Polizei geht von mindestens ca. 160 Millionen insgesamt aus, der Schaden allein in Deutschland soll laut Fahndungsausschreibung ca. 100 Millionen US-Dollar betragen.

 

Vorwiegend wohl in den Jahren 2005 - 2007 hat Engler diese Gelder eingesammelt. Seit Herbst 2007 ist er flüchtig und wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Insbesondere hatte Engler wohl versprochen, über "Day-Trading", also dem Handel mit Aktien innerhalb eines Tages, Traumgewinne erwirtschaften zu können. Der Geschäftsmann nannte sich selber "Investment-Banker des Jahres 2006" und behauptete, er habe viele Jahre bei der Schweizer Bank UBS und später übewr 20 Jahre lang bei der früheren Chase Manhatten Bank, jetzt JP Morgan Chase, gearbeitet. Klang vertrauenserweckend, war aber leider falsch. Bei der amerikanischen Bank weiß offenbar keiner davon, sprich, Engler hat offenbar nie für diese Bank gearbeitet.

 

In der letzten Woche wurde der Fall im "Aktenzeichen XY" vorgestellt und um Hinweise gebeten. Engler ist nach wie vor flüchtig und hat offenbar eine Menge Geld mitgenommen.

 

Allen betroffenen Anlegern ist anzuraten, gegen ihre Vermittler zu klagen, denn zwischenzeitlich gibt es einige Urteile, vom LG Traunstein, Landgericht Heidelberg und wohl vom OLG Karlsruhe hierzu, in denen die Vermittler zum Schadensersttz in vollem Umfang verurteilt wurden. Anleger sollten bedenken, daß die Ansprüche möglicherweise nach 3 Jahren verjähren, von daher sollte nicht allzulange abgewartet werden. Insbesondere besteht sonst auch die Gefahr, daß die Vermittler-Firmen irgendwann nicht mehr existieren. Den Vermittler-Firmen wurden hohe Provisionen versprochen, vermutlich haben sie diese auch erhalten, und die Vermittler haben die Anleger nicht über diese hohen Provisionen und die Risiken aufgeklärt, was letztlich zu deren Haftung führt.

 

Von Ulrich Engler selbst das Geld zurückerhalten, ist momentan sehr ungewiß, weil er nach wie vor flüchtig ist, und daher niemand weiß, ob er erwischt werden kann, und wenn ja, ob dann noch Geld übrig sein wird.

 

Auch wenn über die PCO in den USA das Insolvenzverfahren eröffnet worden war und die Frist zur Anmeldung von Forderungen längst vorbei ist, lohnt es sich, sich über Klagen gegen die Vermittler beraten zu lassen, bevor die Ansprüche verjähren!

 

Spekulieren, ohne etwas zu riskieren - leider nur eine wertlose Versprechung, denn wer sich mit Spekulation beschäftigt, weiß, daß, je höher die potentielle Rendite ist, desto höher auch das Risiko ist, welches damit einhergeht. Das heißt, man sollte sich selber mit der Geldanlage gut beschäftigen und sich nicht nur auf die - oft schlecht gemeinten - Ratschläge von Vermittlern verlassen.