Vorfälligkeitsentschädigung – Widerruf des Darlehensvertrags als Lösung für alle Fälle?

Vorfälligkeitsentschädigung – Widerruf des Darlehensvertrags als Lösung für alle Fälle?
14.02.2014182 Mal gelesen
Sucht ein Bankkunde einen Weg, um eine Vorfälligkeitsentschädigung nicht bezahlen zu müssen, liegt der Widerruf des Darlehensvertrags nahe. Doch funktioniert diese Lösung in jeden Fall? Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht informiert.

Möchte ein Bankkunde sich vor dem regulären Ende der Vertragslaufzeit von einem Kredit lösen, fordert die Bank im Gegenzug oftmals eine Vorfälligkeitsentschädigung. Dass sich Bankkunden nun gerade bei größeren Beträgen Gedanken machen, ob sie die geforderte Summe tatsächlich bezahlen müssen, ist nachvollziehbar. Auf der Suche, ob es Möglichkeiten gibt, die Vorfälligkeitsentschädigung nicht bezahlen zu müssen, wird vielfach auf den Widerruf des Darlehensvertrags hingewiesen.

 

Die Widerrufs-Lösung basiert auf folgendem Ansatz: Wird ein Vertrag wirksam widerrufen, entfällt der zugrundeliegende Vertrag und „existiert“ nicht mehr. Da Vorfälligkeitsentschädigungen aufgrund von entsprechenden Vertragsklauseln gefordert werden, entfällt bei einem Widerruf somit auch die vertragliche Basis, aufgrund derer die Vorfälligkeitsentschädigung gefordert wird. Doch so eingängig die Widerrufs-Lösung erscheinen mag – sie muss nicht in allen Fällen funktionieren.

 

Dieser Lösungsansatz funktioniert nur dann, wenn ein Widerruf überhaupt noch möglich ist. Wie ein Blick in die Widerrufsbelehrungen der meisten Kreditverträge zeigt, sind die Widerrufsfristen meist schon Jahre abgelaufen. Daher muss sich ein Ansatzpunkt finden lassen, weswegen eine Widerruf auch später noch möglich ist – oder anders formuliert: Ist die Widerrufsfrist überhaupt schon abgelaufen?

 

Kleine Unterschiede in den Widerrufsbelehrungen können erhebliche Auswirkungen haben

 

Um diese Frage klären zu können, muss die Widerrufsbelehrung überprüft werden. Wenn die konkrete in dem Vertrag verwendete Widerrufsbelehrung nicht verschiedenen rechtlichen Anforderungen genügt, dann kann der Vertrag auch über die abgedruckte Widerrufsfrist hinaus widerrufen werden. Da es aber viele unterschiedliche Vertragstexte und Widerrufsbelehrungen gibt, muss der jeweilige Einzelfall geprüft werden. Denn kleine Unterschiede in den Texten können erhebliche Auswirkungen darauf haben, ob ein Widerruf noch wirksam erklärt werden kann oder nicht. Daher kann nicht in jedem Fall „einfach“ ein Widerruf erklärt werden, um die Vorfälligkeitsentschädigung nicht bezahlen zu müssen.

 

Kreditnehmer, die sich bereits mit einer Vorfälligkeitsentschädigung auseinandersetzen müssen oder sich von einem Kredit lösen möchten und wissen möchten, wie es um ihren individuellen Fall bestellt ist, können sich an einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht wenden.

 

Dr. Stoll & Kollegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

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