Erfolgsfaktor Familienverfassung

10.05.2012538 Mal gelesen
Familienunternehmen sind ein Erfolgsmodell. Kennzeichnend für viele dieser Unternehmen sind die nachhaltige, langfristige Ausrichtung, das Denken über Generationen hinweg, ein überdurchschnittliches soziales Engagement sowie eine regionale Verwurzelung.

Allerdings gibt es auch erschreckende Beispiele dafür, dass sich die Familie als Achillesferse des Unternehmens erweisen kann. Um das Unternehmen über Generationen in den Händen der Familie zu erhalten ist zu beachten, dass viele typische Besonderheiten auf der Verbindung zweier Systeme beruhen, die verschiedenen Regeln folgen: Familie und Unternehmen. Die verschiedenen Rollen und Interessen der Beteiligten können zu Spannungen und Streit führen.

Wenn die Familie das Konfliktpotential nicht beseitigen kann oder will, etwa durch „Thronfolgerlösungen“, Realteilungen oder einem „Family-Buy Out“, bietet es sich an, über eine Familienverfassung nachzudenken. Sie ist sozusagen das Grundgesetz der Familie, das die wichtigsten unternehmenspolitischen Grundhaltungen und Entscheidungsprozesse innerhalb der Familie langfristig regelt. Eine Besonderheit der Familienverfassung ist, dass sie keine rechtliche Bindungswirkung entfalten soll, sondern den Charakter einer unverbindlichen Absichtserklärung hat. Sie hat die Funktion, eine prinzipielle Verständigung über Fragen herbeizuführen, die in verschiedenen Verträgen einer konkreten juristischen Lösung zugeführt werden sollen. Sie ist daher Grundlage der juristisch bindenden Gesellschaftsverträge und anderen Vereinbarungen zwischen Familienmitgliedern (Poolvereinbarungen, Erbverträge, Eheverträge etc.). Die Familienverfassung wirkt zunächst nach innen, innerhalb der Familie. Sie demonstriert aber auch nach außen den Zusammenhalt der Familie und die auf Kontinuität angelegten Ziele der Familie.

Die Familienverfassung sollte in allgemeinverständlicher Sprache verfasst werden; juristische Termini werden möglichst vermieden.

Inhalte einer Familienverfassung können u.a. sein: die Werte und Ziele der Familie, das Rollenverständnis (z.B. zu Kernfragen wie der Führung des Unternehmens und der Mitarbeit von Familienmitgliedern unterhalb der Geschäftsführungsebene sowie der Beteiligungsverhältnisse), die Vermittlung des Wissens der Grundlagen des Unternehmens, bei größeren Familien die Bildung von Institutionen und Verfahrensregeln.

Es gilt das Motto: Der Weg ist das Ziel! Nicht das schriftlich festgehaltene Ergebnis ist primär entscheidend, sondern die Beschäftigung mit den grundlegenden Weichenstellungen und die gemeinsame Suche nach Antworten auf die Herausforderungen.