Das Urteil wurde bestätigt

anwalt24 Fachartikel
23.03.2026 42 Mal gelesen
Das Urteil wurde bestätigt. Geschäftsführer haften persönlich für illegales Online-Glücksspiel.

Wegweisendes Urteil aus Österreich

Ein aktuelles Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH) in Österreich stellt einen bedeutenden Wendepunkt für geschädigte Spieler dar. Erstmals bestätigt ein Höchstgericht nach einer vorausgehenden Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, Rs. C-77/24 – „Wunner“), dass die Geschäftsführung eines illegalen Online-Casinos persönlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Worum geht es konkret?

Zahlreiche Online-Casinos sind ohne gültige nationale Lizenz tätig. Spieler verlieren dort teilweise erhebliche Geldbeträge. Bisher richteten sich Rückforderungsansprüche überwiegend gegen die Betreiberfirmen selbst, die häufig im Ausland ansässig und nur schwer greifbar sind.

Das neue Urteil eröffnet nun eine zusätzliche Möglichkeit: die persönliche Haftung der verantwortlichen Geschäftsführer:innen.

Die Kernaussagen des OGH (9 Ob 8/26f):

  • Österreichisches Recht ist anwendbar (Art. 4 Abs. 1 Rom II-Verordnung).
  • Österreichische Gerichte sind international zuständig (Art. 7 Nr. 2 EuGVVO).
  • Geschäftsführer können persönlich haften, wenn sie gegen Schutzgesetze verstoßen.

Besonders relevant ist die rechtliche Einordnung:

Die Vorschriften zum Spielerschutz im österreichischen Glücksspielgesetz (GSpG) gelten als sogenannte Schutzgesetze. Das bedeutet: Wer diese vorsätzlich oder fahrlässig verletzt, kann auch persönlich auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden (§ 1311 ABGB).

Was bedeutet das für deutsche Spieler?

Auch wenn die Entscheidung aus Österreich stammt, ist ihre Signalwirkung erheblich.

Die Argumentation lässt sich auf vergleichbare Konstellationen in Deutschland übertragen.

Auch hier existieren Spielerschutzvorschriften im Glücksspielstaatsvertrag 2021.

Die EuGH-Entscheidung ist unionsweit verbindlich und stärkt die Position der Spieler.

Das Urteil verdeutlicht, dass sich Verantwortliche hinter illegalen Online-Casinos nicht mehr ohne Weiteres hinter komplexen Unternehmensstrukturen verstecken können.

Warum ist das ein Durchbruch?

Bisher scheiterten viele Verfahren daran, dass […]

  • die Betreiberfirmen ihren Sitz im Ausland haben,
  • Vermögenswerte schwer erreichbar sind,
  • Verantwortlichkeiten bewusst verschleiert werden.

Die persönliche Haftung der Geschäftsführung durchbricht genau diese Strukturen.

Was können betroffene Spieler jetzt tun?

  • Spielverluste dokumentieren (Einzahlungen, Spielverlauf)
  • Anbieter und Zahlungswege identifizieren
  • rechtliche Prüfung möglicher Rückforderungsansprüche veranlassen

Fazit:

Das OGH-Urteil bestätigt erstmals höchstrichterlich, dass Geschäftsführer illegaler Online-Casinos persönlich haften können. In Kombination mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entsteht damit ein neuer, effektiver Ansatz zur Durchsetzung von Spieleransprüchen – auch mit Relevanz für deutsche Fälle.

Die Rechtsanwaltsgesellschaft Cocron GmbH & Co. KG (München/Berlin) beobachtet diese Entwicklungen weiterhin genau und prüft entsprechende Ansprüche für betroffene Spieler.