Freispruch in einem Verfahren zum Online-Glücksspiel

anwalt24 Fachartikel
13.03.2026 25 Mal gelesen
1. Freispruch in einem Verfahren zum Online-Glücksspiel

In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg von strafrechtlichen Ermittlungen gegen Nutzer illegaler Online-Glücksspielangebote zu beobachten. Ermittlungsbehörden analysieren zunehmend Zahlungsströme, wodurch auch immer mehr Spieler ins Blickfeld der Strafverfolgung geraten – häufig ohne zu wissen, dass der von ihnen genutzte Anbieter nicht über eine gültige deutsche Lizenz verfügt.

In einem aktuellen Strafverfahren im Zusammenhang mit Online-Glücksspiel konnten die Rechtsanwälte István Cocron von der Kanzlei Cocron Rechtsanwälte sowie René Scheier von Legal Defenders gemeinsam einen vollständigen Freispruch für einen Mandanten erreichen.

Für den betroffenen Mandanten bedeutete dieses Urteil nicht nur eine vollständige strafrechtliche Entlastung, sondern auch die Vermeidung erheblicher finanzieller Nachteile.

In diesem Beitrag erfahren Sie

– welche strafrechtlichen Risiken bei der Nutzung nicht lizenzierter Online-Glücksspielplattformen bestehen können
– weshalb eine Anklage nicht zwangsläufig zu einer Verurteilung führt
– wie eine erfolgreiche Verteidigungsstrategie im Ermittlungs- oder Strafverfahren entwickelt wird
– wie sich Betroffene verhalten sollten, wenn ein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet wird

Ausgangssituation: Vorwurf der Teilnahme am unerlaubten Glücksspiel

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mandanten die Beteiligung am unerlaubten Online-Glücksspiel (§ 285 StGB) vor. Nach Ansicht der Ermittlungsbehörde hätte der Spieler selbst prüfen müssen, ob der Anbieter auf der Whitelist der Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geführt wird.

Darüber hinaus bestand zeitweise auch der Verdacht der Geldwäsche – ein Vorwurf, der für Betroffene erhebliche strafrechtliche Konsequenzen haben kann.

Zusätzlich beantragte die Staatsanwaltschaft die Einziehung von sogenannten Zwischengewinnen in Höhe von über 68.000 Euro (§§ 73 ff. StGB). Gerade dieses finanzielle Risiko stellt für viele Beschuldigte eine besonders große Belastung dar.

Das Ergebnis: vollständiger Freispruch

Nach Durchführung der Hauptverhandlung kam das Gericht zu einem eindeutigen Ergebnis:

Der Angeklagte wird freigesprochen.

Die Kosten des Verfahrens werden von der Staatskasse übernommen.

Das Gericht sah kein strafbares Verhalten des Spielers als nachgewiesen an. Für den Mandanten bedeutet dies nicht nur die strafrechtliche Entlastung, sondern auch das Ende einer erheblichen persönlichen und wirtschaftlichen Unsicherheit.

Was Betroffene daraus lernen können

Viele Betroffene reagieren auf Vorladungen oder Ermittlungsverfahren zu spät oder treffen falsche Entscheidungen – häufig aus Unsicherheit oder Angst vor den möglichen Konsequenzen. Der aktuelle Freispruch zeigt jedoch deutlich:

Eine Anklage bedeutet noch lange keine Verurteilung.

Entscheidend ist vielmehr, wie frühzeitig und strategisch die Verteidigung aufgebaut wird. Gerade im Bereich des Online-Glücksspiels sind die rechtlichen Fragestellungen komplex. Ohne eine klare Verteidigungsstrategie besteht die Gefahr, unnötige Aussagen zu machen oder vermeidbare Fehler im Verfahren zu begehen.

Parallel zum Strafverfahren wird häufig auch geprüft, ob zivilrechtliche Möglichkeiten bestehen – etwa die Rückforderung von Spielverlusten.

Die Cocron Rechtsanwaltsgesellschaft GmbH & Co. KG vertritt gemeinsam mit Rechtsanwalt René Scheier bundesweit Mandanten sowohl in Strafverfahren als auch bei der Durchsetzung möglicher Rückforderungsansprüche.

Wie Betroffene jetzt vorgehen sollten

Wer eine Vorladung, Anhörung oder Anklageschrift erhält, sollte zunächst Ruhe bewahren und keine vorschnellen Entscheidungen treffen.

Empfehlenswert sind insbesondere folgende Schritte:

• Keine Aussagen gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft ohne anwaltliche Beratung
• Das Schweigerecht konsequent nutzen
• Keine eigenständigen schriftlichen Stellungnahmen abgeben
• Frühzeitig einen spezialisierten Strafverteidiger einschalten
• Akteneinsicht über einen Anwalt beantragen lassen
• Beweislage und Risiken professionell prüfen lassen
• Eine individuelle Verteidigungsstrategie entwickeln
• Parallel mögliche zivilrechtliche Ansprüche überprüfen lassen

Fazit

Selbst in scheinbar schwierigen Situationen bestehen oft realistische Verteidigungsmöglichkeiten. Wer frühzeitig professionelle Unterstützung in Anspruch nimmt, kann den Verlauf eines Strafverfahrens maßgeblich beeinflussen – sowohl strafrechtlich als auch finanziell.

Sie sind betroffen?

Wenn gegen Sie wegen Online-Glücksspiels ermittelt wird oder Sie eine Vorladung erhalten haben, empfiehlt sich eine frühzeitige rechtliche Prüfung der Vorwürfe.

[Formular]

Über Rechtsanwalt István Cocron

István Cocron beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Rückforderung von Verlusten aus Online-Glücksspiel. In diesem Bereich hat er bereits mehr als 3.000 Mandanten gegenüber illegalen Glücksspielanbietern vertreten.

Für die rechtliche Bewertung spielt es keine Rolle, wie hoch der verlorene Betrag ist. Auch kleinere Verluste können grundsätzlich zurückgefordert werden.

Über Rechtsanwalt René Scheier

René Scheier ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt im Wirtschaftsstrafrecht.

Er verteidigt regelmäßig Spieler, Vermittler und Anbieter in Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit illegalem Online-Glücksspiel und legt besonderen Wert auf eine frühzeitige Verteidigung im Ermittlungsverfahren.