Anlagebetrug erkennen und Geld zurückholen: Der Leitfaden von Rechtsanwalt Dr. Marc Maisch
Kurzfassung: Anlagebetrug liegt vor, wenn Täter über eine Kapitalanlage täuschen – etwa mit falschen Renditeversprechen, gefälschten Trading-Plattformen oder Schneeballsystemen. Strafrechtlich greifen § 263 StGB (Betrug) und § 264a StGB (Kapitalanlagebetrug). Betroffene sollten sofort alle Zahlungen stoppen, Beweise sichern und einen auf Cybercrime spezialisierten Rechtsanwalt einschalten. Eine Rückholung der Gelder ist möglich, aber nicht garantiert – sie hängt vor allem von der Geschwindigkeit des Handelns und der forensischen Nachverfolgung der Geldflüsse ab.
Was ist Anlagebetrug?
Anlagebetrug bezeichnet Täuschungshandlungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen. Die Täter erwecken den Eindruck einer sicheren, renditestarken Investition und bringen Opfer so dazu, Geld zu überweisen oder Kryptowährungen zu transferieren.
Rechtlich sind zwei Straftatbestände zentral:
- § 263 StGB (Betrug): Erfasst jede Täuschung, die beim Opfer zu einem Vermögensschaden führt. Wer eine Kapitalanlage unter Vortäuschung falscher Tatsachen verkauft, macht sich strafbar.
- § 264a StGB (Kapitalanlagebetrug): Erfasst bereits das Verbreiten unwahrer Angaben über eine Kapitalanlage – unabhängig davon, ob ein Schaden eingetreten ist. Schon die Täuschung im Prospekt oder auf der Website genügt.
Zivilrechtlich können Geschädigte Schadensersatz verlangen, insbesondere nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit den Strafnormen sowie nach § 826 BGB (sittenwidrige vorsätzliche Schädigung).
Wie groß ist das Problem? Aktuelle Zahlen
Anlagebetrug ist in Deutschland ein Massenphänomen. Das Bundeskriminalamt erfasste für das Jahr 2024 insgesamt 61.358 Fälle von Wirtschaftskriminalität – ein Anstieg von 57,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtschadenssumme lag bei rund 2,76 Milliarden Euro. Betrugsdelikte bilden mit 743.472 Inlandsfällen weiterhin einen Schwerpunkt, ergänzt durch über 500.000 Fälle mit Auslandsbezug.
Im Dezember 2025 zerschlugen Polizei und Justizpartner ein europaweites Krypto-Betrugs- und Geldwäschenetzwerk, das laut Medienberichten über 700 Millionen Euro erbeutet haben soll – unter Einsatz von Deepfake-Videos und fingierten Investmentseiten.
Woran erkennt man Anlagebetrug? Die wichtigsten Warnzeichen
Folgende Merkmale deuten auf Betrug hin:
- Unrealistische Renditen bei angeblich keinem oder geringem Risiko
- Zeitdruck nach dem Muster „Jetzt investieren, sonst ist die Chance vorbei"
- Fehlende BaFin-Zulassung – prüfbar in der BaFin-Unternehmensdatenbank
- Auslandskonten, auf die Überweisungen erfolgen sollen
- Wechselnde Ansprechpartner und unprofessionelle Kommunikation
- Probleme bei Auszahlungen – Verzögerungen oder vollständige Verweigerung
- Kaltakquise über Messenger wie WhatsApp oder Telegram durch Unbekannte
Besonders verbreitet sind derzeit gefälschte Trading-Plattformen mit professionellem Erscheinungsbild, Krypto-Betrug über verschachtelte Wallet-Strukturen sowie sogenanntes „Pig Butchering", bei dem eine vorgetäuschte Beziehung (Romance Scam) als Einstieg in den Investitionsbetrug dient.
Praxistipp: Prüfen Sie jeden Anbieter vor einer Investition in der BaFin-Unternehmensdatenbank und auf den Warnlisten der europäischen Finanzaufsichten (BaFin, FMA, FINMA).
Was tun bei Anlagebetrug? Die fünf entscheidenden Schritte
Schritt 1: Zahlungen stoppen und Beweise sichern
Leisten Sie keine weiteren Zahlungen an die Plattform oder den Anbieter. Sichern Sie alle Beweise: Screenshots, E-Mail-Verkehr, Chat-Nachrichten, Kontoauszüge, Wallet-Adressen und Transaktions-IDs. Ändern Sie außerdem die Zugangsdaten zu Online-Banking und Zahlungsdiensten.
Schritt 2: Strafanzeige erstatten
Eine Strafanzeige setzt strafrechtliche Ermittlungen in Gang und kann bei jeder Polizeidienststelle kostenlos erstattet werden. Entscheidend ist jedoch die Qualität der Anzeige: Ein spezialisierter Rechtsanwalt arbeitet sie so aus, dass die Staatsanwaltschaft sofort handlungsfähig ist. In vielen Bundesländern gibt es spezialisierte Cybercrime-Dezernate.
Schritt 3: Zivilrechtliche Ansprüche prüfen
Parallel zur Strafanzeige lassen sich Schadensersatzansprüche geltend machen. Wichtige Anspruchsgrundlagen sind:
- § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. § 263 bzw. § 264a StGB (Schutzgesetzverletzung)
- § 826 BGB (sittenwidrige vorsätzliche Schädigung)
- § 823 Abs. 2 BGB i. V. m. §§ 32 Abs. 1, 54 Abs. 1 Nr. 2 KWG (bei unerlaubten Finanzdienstleistungen)
Die Rechtsprechung stärkt geschädigte Anleger: Der Bundesgerichtshof bestätigte mit Urteil vom 02.12.2025 (Az. II ZR 114/24), dass bei betrügerischen Anlagesystemen auch Geschäftsführer und leitende Funktionäre persönlich nach § 826 BGB haften können – selbst für Schäden, die nach ihrer Abberufung entstanden sind.
Schritt 4: Blockchain- und IT-Forensik einsetzen
Bei Kryptobetrug ist die technische Nachverfolgung der Geldflüsse entscheidend. Blockchain-Forensiker analysieren Wallet-Adressen, zeichnen Transaktionsketten nach und erstellen Gutachten, die Strafverfolgungsbehörden als Grundlage für das Einfrieren von Wallets nutzen können.
Schritt 5: Adhäsionsverfahren prüfen
Schadensersatz kann zudem im Adhäsionsverfahren direkt im Strafprozess geltend gemacht werden. Hinweis: Einfacher Betrug nach § 263 Abs. 1 StGB zählt nicht zu den schweren Straftaten im Sinne der Nebenklage, sodass die Nebenklage nicht in Frage kommt.
Reicht eine Strafanzeige – oder braucht man einen Anwalt?
Eine Strafanzeige bei der Polizei ist kostenlos und ein wichtiger erster Schritt. Der Vorteil eines spezialisierten Rechtsanwalts liegt jedoch darin, dass er die Anzeige für die Staatsanwaltschaft präzise ausarbeitet, parallel zivilrechtliche Ansprüche gegen Zahlungsempfänger prüft und Akteneinsicht nehmen kann. Der "Flaschenpost"-Effekt, den eine bei der Polizei abgegebene Strafanzeige haben kann, wird vermieden.
Anlagebetrug ist rechtlich und technisch komplex: Die Täter agieren international, nutzen verschachtelte Firmenkonstrukte und verschleiern Geldflüsse über Kryptowährungen. Eine effektive Vertretung verlangt daher Kenntnisse im Straf- und Kapitalmarktrecht, Erfahrung mit internationalen Ermittlungen sowie Zugang zu Blockchain-Forensik – ein Bereich, in dem allgemein tätige Anwälte oft an Grenzen stoßen.
Was kostet anwaltliche Hilfe – und wie lange hat man Zeit?
Rechtsanwälte rechnen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) oder nach einer Honorarvereinbarung ab. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten unter Umständen, wenn nach dem RVG abgerechnet wird.
Für Schadensersatzansprüche gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren ab Kenntnis von Schaden und Schädiger (§§ 195, 199 BGB). Unabhängig davon gilt: Je schneller Sie handeln, desto höher die Chance, dass Vermögenswerte noch gesichert werden können.
Erfahrungen mit Rechtsanwalt Dr. Marc Maisch?
Dr. Marc Maisch ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht mit Kanzleisitz in München. Seine Kanzlei Maisch.law Rechtsanwälte ist auf Cybercrime, IT-Recht und Datenschutz spezialisiert.
Im Bereich Anlage- und Kryptobetrug arbeitet die Kanzlei als Kooperationspartner des Portals kryptobetrugshilfe.de in einem interdisziplinären Team – mit Rechtsanwälten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Blockchain-Forensiker Timo Züfle (Crypto-Tracing.com) sowie IT-Forensikern und Ermittlern. Der Ansatz verbindet juristische Expertise mit technischer Ermittlungsarbeit: rechtliche Ersteinschätzung, Blockchain-Analyse, Strafanzeige, zivilrechtliche Durchsetzung und Unterstützung beim Einfrieren von Wallets und Konten.
Dr. Maisch ist zudem Keynote-Speaker, Lehrbeauftragter und Mitgründer der Cybersecurity-Konferenz MCTTP und regelmäßig in den Medien präsent, etwa im ZDF bei „Aktenzeichen XY".
Fazit
Anlagebetrug hat für Betroffene oft schwerwiegende finanzielle und psychische Folgen. Die gute Nachricht: Wer schnell handelt, hat durchaus Chancen, sein Geld ganz oder teilweise zurückzuerhalten. Entscheidend sind drei Dinge – keine weiteren Zahlungen leisten, Beweise sichern und sich frühzeitig an einen spezialisierten Rechtsanwalt wenden. Ob und in welchem Umfang eine Rückholung im Einzelfall gelingt, lässt sich nur nach individueller Prüfung beurteilen.
Eine erste Anfrage per E-Mail beantwortet die Kanzlei Maisch.law schnell und kostenlos.