Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 31.10.2025 eine öffentliche Warnmeldung im Zusammenhang mit Angeboten veröffentlicht, die unter der Bezeichnung „Tenzor“ über WhatsApp-Gruppen, eine gleichnamige App sowie eine Handelsplattform auftreten. Nach den Erkenntnissen der Aufsichtsbehörde werden Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt dazu veranlasst, über die App und die aktuell über die Website tzrprime(.)com erreichbare Plattform Finanzinstrumente und Kryptowerte zu handeln.
Besonders beworben werden sogenannte Handelsprojekte mit der Bezeichnung „Stratiform“. Nach Einschätzung der BaFin besteht der dringende Verdacht, dass die unbekannten Betreiber ohne die erforderliche Erlaubnis Bankgeschäfte, Finanz- und Wertpapierdienstleistungen sowie Kryptowerte-Dienstleistungen erbringen. Eine Beaufsichtigung durch die BaFin erfolgt nicht.
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Tenzor - Betrug
Das Anbieten von Bankgeschäften, Finanz- und Wertpapierdienstleistungen sowie von Kryptowerte-Dienstleistungen gegenüber Personen in Deutschland unterliegt strengen gesetzlichen Anforderungen. Maßgeblich sind insbesondere:
- § 32 Kreditwesengesetz (KWG) – Erlaubnispflicht für Bank- und Finanzdienstleistungen
- § 15 Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) – Zulassungspflicht für Wertpapierdienstleistungen
- § 10 Abs. 7 Kryptomärkteaufsichtsgesetz (KMAG) – Genehmigungspflicht für Kryptowerte-Dienstleister
Die BaFin stützt ihre Warnmeldung ausdrücklich auf § 37 Abs. 4 KWG sowie § 10 Abs. 7 KMAG. Diese Vorschriften erlauben der Aufsichtsbehörde, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn konkrete Anhaltspunkte für unerlaubte Geschäfte bestehen.
Fehlt die erforderliche Erlaubnis, hat dies erhebliche rechtliche Konsequenzen: Die angebotenen Geschäfte können nichtig sein (§ 134 BGB), es besteht kein Einlagenschutz, keine laufende staatliche Kontrolle und regelmäßig keine greifbare, haftende Gesellschaft, gegen die Ansprüche effektiv durchgesetzt werden könnten.
Tenzor: Kontaktaufnahme über WhatsApp und vermeintliche Erfolgsmodelle
Aus anwaltlicher Sicht zeigen sich im Zusammenhang mit Tenzor und vergleichbaren Konstellationen wiederkehrende Muster. Die Ansprache erfolgt häufig ungefragt über WhatsApp-Gruppen, in denen angebliche Handelsstrategien, exklusive Projekte oder besonders rentable Modelle vorgestellt werden. Begriffe wie „professionelles Trading“, „strukturierte Handelsprojekte“ oder – wie hier – „Stratiform“ sollen Seriosität und Fachkompetenz suggerieren.
Anfangs werden oftmals scheinbare Gewinne auf der App oder Plattform angezeigt. Diese dienen erkennbar dem Zweck, Vertrauen aufzubauen und weitere Einzahlungen auszulösen. Die technische Darstellung der Kontostände vermittelt den Eindruck realer Wertentwicklung, ohne dass für die Nutzerinnen und Nutzer nachvollziehbar überprüfbar ist, ob tatsächlich reale Handelsgeschäfte stattfinden.
Anonymisierter Betroffenenfall aus der anwaltlichen Praxis
In der Kanzlei wurde unter anderem folgender Sachverhalt geschildert (personenbezogene Daten anonymisiert):
Ein Anleger wurde über WhatsApp-Kontakte auf das Projekt „Stratiform“ im Umfeld von Tenzor aufmerksam gemacht. Die Darstellung wirkte professionell, Gewinne wurden innerhalb der App ausgewiesen. In der Folge leistete der Betroffene Einzahlungen. Der angezeigte Kontostand belief sich einschließlich angeblicher Gewinne auf mehr als 20.000 USDC. Eine Auszahlung des Guthabens erfolgte jedoch nicht. Stattdessen blieb es bei weiteren Hinhaltetaktiken.
Solche Schilderungen decken sich in wesentlichen Punkten mit den typischen Abläufen unerlaubter Online-Investment- und Kryptomodelle.
Tenzor - Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher
Für Anleger ergeben sich bei derartigen Angeboten erhebliche Risiken:
- Totalverlustrisiko der eingesetzten Gelder
- Keine staatliche Aufsicht und keine Sicherungssysteme
- Fehlende Transparenz über Betreiber, Firmensitz und Verantwortliche
- Erhöhtes Risiko, in geldwäscherelevante Sachverhalte verwickelt zu werden
- Nutzung der erlangten Daten für weitere Betrugsversuche
Gerade die Verwendung von Kryptowerten wie USDC erschwert häufig die Rückverfolgung der Zahlungsströme und die Durchsetzung von Ansprüchen.
Tenzor - Handlungsmöglichkeiten für Betroffene
Betroffene sollten zeitnah und strukturiert vorgehen:
- Keine weiteren Zahlungen leisten, auch nicht zur angeblichen „Freischaltung“ oder „Auszahlung“
- Sämtliche Unterlagen sichern (Chats, Wallet-Adressen, Transaktionsnachweise, Screenshots)
- Unverzüglich Kontakt zur Hausbank aufnehmen und mögliche Rückruf- oder Sicherungsmaßnahmen prüfen
- Den Sachverhalt anwaltlich prüfen lassen, insbesondere im Hinblick auf zivil- und aufsichtsrechtliche Schritte
Die Erfolgsaussichten hängen stets vom Einzelfall ab, insbesondere von Zahlungswegen, Zeitabläufen und der Nachverfolgbarkeit der Transaktionen.
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Zusammenfassung
Die BaFin-Warnung zu Tenzor, den zugehörigen WhatsApp-Gruppen sowie der Handelsplattform unter tzrprime(.)com ist ein ernstzunehmendes Signal. Der Verdacht unerlaubter Finanz- und Kryptodienstleistungen bedeutet für Verbraucher ein erhebliches rechtliches und wirtschaftliches Risiko. Wer betroffen ist, sollte rasch handeln, Zahlungen einstellen und den Sachverhalt professionell prüfen lassen.
Tenzor – Häufige Fragen
Ist Tenzor von der BaFin zugelassen?
Nach der Warnmeldung der BaFin liegt keine entsprechende Erlaubnis vor.
Sind die angezeigten Gewinne real?
In vergleichbaren Fällen handelt es sich häufig lediglich um interne Anzeigen ohne reale Grundlage.
Kann ich mein Geld zurückfordern?
Das hängt vom konkreten Zahlungsweg und den Umständen des Einzelfalls ab und bedarf einer rechtlichen Prüfung.
Soll ich weiter einzahlen, um eine Auszahlung zu ermöglichen?
Davon ist dringend abzuraten.
Was ist der erste sinnvolle Schritt?
Beweise sichern, Zahlungen stoppen und rechtliche Beratung in Anspruch nehmen.