Bundesfinanzhof
Beschl. v. 21.10.1992, Az.: I B 85/92
Bibliographie
- Gericht
- BFH
- Datum
- 21.10.1992
- Aktenzeichen
- I B 85/92
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 1992, 23449
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Fundstelle
- BFH/NV 1994, 517
Gründe
Die zulässige Beschwerde ist unbegründet. Die von den Klägern und Beschwerdeführern (Kläger) als grundsätzlich aufgeworfene Rechtsfrage ist durch die höchstrichterliche Rechtsprechung geklärt.
Eine Rechtssache hat grundsätzliche Bedeutung, wenn die Entscheidung durch den Bundesfinanzhof (BFH) aus Gründen der Rechtsklarheit, der Rechtseinheitlichkeit und/oder Rechtsentwicklung im allgemeinen Interesse liegt. Die Revision kann danach gemäß§ 115 Abs.2 Nr.1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nur zugelassen werden, wenn die Rechtsfrage klärungsbedürftig ist (vgl. z.B. BFH-Beschluß vom 24.April 1990 VII B 197/89, BFH/NV 1991, 105; Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, § 115 Rdnrn.8, 9; Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, 14.Aufl., § 115 FGO Tz.53 m.w.N.).
Der BFH hat die Frage, ob, ggf. wann bei Eintragung einer falschen Kennziffer in den Eingabewertbogen eine dem Schreib- oder Rechenfehler ähnliche offenbare Unrichtigkeit vorliegt, schon wiederholt entschieden. Es entspricht ständiger Rechtsprechung des BFH, daß bei Eintragung einer falschen Kennziffer im Eingabewertbogen eine offenbare Unrichtigkeit vorliegen kann (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 14.Juni 1991 III R 64/89, BFHE 165, 438, BStBl II 1992, 52 [BFH 14.06.1991 - III R 64/89]; vom 23.Juni 1988 IV R 111/86, BFH/NV 1989, 205; vom 4.Juni 1986 IX R 52/82, BFHE 147, 393, BStBl II 1987, 3 [BFH 04.06.1986 - IX R 52/82]). Voraussetzung für die Berichtigung ist, daß die Möglichkeit eines Rechtsfehlers, d.h. eines Fehlers bei der Auslegung oder (Nicht-)Anwendung einer Rechtsnorm, einer unrichtigen Tatsachenwürdigung, einer unzutreffenden Annahme eines in Wirklichkeit nicht vorliegenden Sachverhalts oder eines Fehlers, der auf mangelnder Sachaufklärung oder Nichtbeachtung feststehender Tatsachen beruht, ausgeschlossen ist (vgl. BFH-Urteile in BFHE 165, 438, [BFH 14.06.1991 - III R 64/89] BStBl II 1992, 52 [BFH 14.06.1991 - III R 64/89]; in BFHE 147, 393, [BFH 04.06.1986 - IX R 52/82] BStBl II 1987, 3 [BFH 04.06.1986 - IX R 52/82]; vom 10.September 1987 V R 69/84, BFHE 150, 509, BStBl II 1987, 834 [BFH 10.09.1987 - V R 69/84]; vom 10.Mai 1989 I R 104/85, BFH/NV 1990, 478).
Die Frage, ob ein Rechtsirrtum oder ein mechanisches Vergreifen in der Kennziffer vorliegt, ist entsprechend der ständigen Rechtsprechung des BFH vom Finanzgericht (FG) anhand der Umstände des Einzelfalles zu würdigen. Die rein theoretische Möglichkeit, daß jedem falschen Kennzifferneintrag ein Rechtsirrtum zugrunde liegen kann, steht einer Berichtigung noch nicht entgegen (vgl. BFH-Urteile vom 31.Juli 1975 V R 121/73, BFHE 116, 462, BStBl II 1975, 868 [BFH 31.07.1975 - V R 121/73]; vom 18.Oktober 1989 I R 15/86, BFH/NV 1990, 752; in BFHE 147, 393, BStBl II 1987, 3; vom 19.März 1985 VIII R 156/80, BFH/NV 1986, 2; Tipke/Kruse, a.a.O., § 129 AO 1977 Tz.4). Es bedarf insoweit keiner weiteren Klärung, daß zu diesen Umständen des Einzelfalles auch die Besonderheit des Streitfalles gehört, daß der Steuerfall zu Schulungszwecken verwendet wurde. Diesen Umstand hat das FG in die Würdigung miteinzubeziehen. Dies hat es auch tatsächlich getan.
Höchstrichterlich geklärt ist auch die Frage, daß die Unrichtigkeit i.S. des § 129 der Abgabenordnung (AO 1977) für den Steuerpflichtigen nicht erkennbar sein muß (vgl. BFH in BFH/NV 1990, 478; in BFH/NV 1989, 205; vom 8.April 1987 II R 236/84, BFHE 149, 413, BStBl II 1988, 164 [BFH 08.04.1987 - II R 236/84]; vom 10.September 1982 VI S 8/82, nicht veröffentlicht --NV--). Im übrigen dürfte für die Kläger, die eine Steuerfreiheit der streitigen Kapitaleinkünfte nicht behauptet haben, der Fehler ohne weiteres erkennbar gewesen sein.
Der BFH hat ferner mehrfach schon entschieden, daß auch bei wiederholter Bearbeitung eines Steuerfalles eine offenbare Unrichtigkeit vorliegen kann (vgl. BFH in BFH/NV 1990, 478; vom 3.April 1987 VI R 218/83, BFH/NV 1987, 553; vom 29.März 1985 VI R 140/81, BFHE 144, 118, BStBl II 1985, 569 [BFH 29.03.1985 - VI R 140/81]; vom 16.Februar 1982 VIII R 192/81, NV; vgl. zu mehreren Steuerpflichtigen BFH-Urteil vom 10.September 1987 V R 69/84, BFHE 150, 509, BStBl II 1987, 834 [BFH 10.09.1987 - V R 69/84]). Es ist den Klägern zwar zuzugeben, daß --soweit ersichtlich-- bislang noch keine Entscheidung des BFH zu dem Fall vorliegt, daß die Eintragung einer falschen Kennziffer durch einen entsprechenden datenerfassungstechnischen Hinweis veranlaßt worden ist. Dieser Fall läßt sich jedoch ohne weiteres mit der vorliegenden Rechtsprechung beantworten.