Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 19.03.2003, Az.: 2 BvL 9/98
Verfassungswidrigkeit einer universitären Rückmeldegebühr in Baden-Württemberg; Rückmeldegebühr als nichtsteuerliche Abgabe vom Typus der Gebühr; Anforderungen an die Bemessung der Höhe des Gebührensatzes; Zulässigkeit der Erhebung nichtsteuerlicher Abgaben; Geltung der Begrenzungsfunktion und Schutzfunktion der Finanzverfassung
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 19.03.2003
- Aktenzeichen
- 2 BvL 9/98
- Entscheidungsform
- Urteil
- Referenz
- WKRS 2003, 31728
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Rechtsgrundlagen
- Art. 70 Abs. 1 GG
- Art. 105 GG
- Art. 106 GG
- § 120a Abs. 1 S. 1 BadWürttUnivG
Fundstellen
- BVerfGE 108, 1 - 34
- AuR 2003, 151-152 (Volltext)
- BGBl I 2003, 530
- BayVBl 2004, 369
- DVBl 2003, 993-999 (Volltext mit amtl. LS)
- DÖV 2003, 549-552 (Volltext mit amtl. LS)
- GV/RP 2003, 636-638
- JA 2003, 846 (Volltext mit amtl. LS)
- JuS 2003, 1033 (Volltext mit amtl. LS)
- NJW 2003, 3250-3253 (Urteilsbesprechung von Richter am OVG Dr. Bert Schaffarzik)
- NVWZ 2003, 1337-1341 (Urteilsbesprechung von RA Dr. Gernot Schiller)
- NVWZ 2003, 715-720 (Volltext mit amtl. LS)
- NVwZ 2003, 715-720 (Volltext mit amtl. LS)
- NVwZ 2003, 1337-1341 (Urteilsbesprechung von RA Dr. Gernot Schiller)
- NVwZ 2003, 580-581 (Pressemitteilung)
- NWB 2003, 1224
- WissR 2003, 258-259
Amtlicher Leitsatz
- 1.
Die Begrenzungs- und Schutzfunktion der Finanzverfassung begründet verbindliche Vorgaben auch für die Gebühren als Erscheinungsform der nichtsteuerlichen Abgaben. Die grundgesetzliche Finanzverfassung verlöre ihren Sinn und ihre Funktion, wenn unter Rückgriff auf die Sachgesetzgebungskompetenzen beliebig hohe Gebühren erhoben werden könnten; die Bemessung bedarf kompetenzrechtlich im Verhältnis zur Steuer einer besonderen, unterscheidungskräftigen Legitimation (An- schluss an BVerfGE 93, 319 = NVwZ 1996, 469 [BVerfG 07.11.1995 - 2 BvR 413/88]).
- 2.
Nur dann, wenn legitime Gebührenzwecke nach der tatbestandlichen Ausgestaltung der Gebührenregelung von einer erkennbaren gesetzgeberischen Entscheidung getragen werden, sind sie auch geeignet, sachlich rechtfertigende Gründe für die Gebührenbemessung zu liefern. Wählt der Gesetzgeber einen im Wortlaut eng begrenzten Gebührentatbestand, kann nicht geltend gemacht werden, er habe auch noch weitere, ungenannte Gebührenzwecke verfolgt.