Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 19.09.2006, Az.: 2 BvR 348/03
Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren; Verfassungsbeschwerde gegen Feststellungen in einem Urteil; Universelle Geltung des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen (WÜK); Rechte und Pflichten eines Konsularbeamten; Völkerrechtliche Verpflichtung zur Unterrichtung; Schriftverkehr zwischen einem inhaftierten Ausländer und der für ihn zuständigen diplomatischen oder konsularischen ausländischen Vertretung ; Überwachung und Beschränkung nach den allgemeinen Vorschriften; Klage der Bundesrepublik Deutschland (BRD) vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) gegen die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) wegen Verletzung von Art. 36 WÜK ; Verstoß gegen die Belehrungspflicht; Verstoß gegen das Willkürverbot; Berufung auf das Beweisverwertungsverbot
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 19.09.2006
- Aktenzeichen
- 2 BvR 348/03
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2006, 24679
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- BGH - 29.01.2003 - Az: 5 StR 475/02
- BGH - 07.11.2001 - Az: 5 StR 116/01
- LG Hamburg - 05.04.2002 - Az: 622 Ks 26/01
- LG Braunschweig - 05.07.2000 - Az: 31 Ks 800 Js 33011/98
Rechtsgrundlagen
Fundstellen
- JR 2007, 117-122 (Volltext mit red. LS u. Anm.)
- JuS 2006, XVIII Heft 12 (Pressemitteilung)
- NJW 2007, 499-504 (Volltext mit red. LS)
- NStZ 2007, 159-161 (Volltext mit red. LS)
- StV 2008, 1-5 (Volltext mit red. LS)
- ZAP EN-Nr. 126/2007
Hinweis
Hinweis: Verbundenes Verfahren
Volltext siehe unter:
BVerfG - 19.09.2006 - AZ: 2 BvR 2115/01
Weiteres Verbundverfahren
BVerfG - 19.09.2006 - AZ: 2 BvR 2132/01
In den Verfahren über die Verfassungsbeschwerden
hat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts
durch
den Vizepräsidenten Hassemer,
die Richter Di Fabio und Landau
gemäß § 93c Abs. 1 in Verbindung mit § 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG
in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl. I S. 1473)
am 19. September 2006
einstimmig
beschlossen:
Tenor:
- 1.
Die Verfahren werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.
- 2.
Die Beschlüsse des Bundesgerichtshofs vom 7. November 2001 - 5 StR 116/01 - und vom 29. Januar 2003 - 5 StR 475/02 - verletzen die Beschwerdeführer in ihrem Recht auf ein faires Verfahren (Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip). Sie werden aufgehoben. Die Sachen werden an den Bundesgerichtshof zurückverwiesen.
- 3.
Soweit sich die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers zu III. gegen die Feststellungen des Urteils des Landsgerichts Hamburg vom 5. April 2002 - 622 Ks 26/01 - sowie die Besetzung der Schwurgerichtskammer richtet, wird sie nicht zur Entscheidung angenommen.
- 4.
Die Bundesrepublik Deutschland hat den Beschwerdeführern zu I. und II. drei Viertel ihrer notwendigen Auslagen, dem Beschwerdeführer zu III. die Hälfte seiner notwendigen Auslagen zu erstatten.
Di Fabio
Landau