Bundesverfassungsgericht
Urt. v. 08.08.2005, Az.: 2 BvE 7/05
Zulässigkeit eines Beitritts politischer Parteien zu einem Organstreitverfahren; Notwendigkeit der Übereinstimmung der rechtlichen Interessen; Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Auflösung des 15. Deutschen Bundestages ; Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Auflösungsentscheidung im Zusammenhang mit der Wahlvorbereitung
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 08.08.2005
- Aktenzeichen
- 2 BvE 7/05
- Entscheidungsform
- Urteil
- Referenz
- WKRS 2005, 18764
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Rechtsgrundlage
Fundstellen
- DVBl 2005, A 349 (Pressemitteilung)
- DVBl 2005, 1263 (Volltext mit red. LS)
- DVBl 2005, A349 (Pressemitteilung)
- NJW 2005, 2685 (Volltext mit red. LS)
Tenor:
- 1
Der Beitritt der Allianz für Gesundheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit auf Seiten des Antragstellers ist unzulässig.
- 2
Der Beitritt der Familien-Partei Deutschlands auf Seiten des Antragstellers ist unzulässig.
- 3
Der Beitritt der Ökologisch-Demokratischen Partei auf Seiten des Antragstellers ist unzulässig.
Gründe:
Der Beitritt der politischen Parteien zu dem Organstreitverfahren des Antragstellers ist unzulässig, da es an der für einen zulässigen Beitritt nach § 65 Abs. 1 BVerfGG notwendigen Übereinstimmung der rechtlichen Interessen des Antragstellers einerseits und der beitrittswilligen politischen Parteien andererseits fehlt.
Der Antragsteller macht ein rechtliches Interesse an der Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Auflösung des 15. Deutschen Bundestages geltend, weil ihm durch die Auflösung sein verfassungsrechtlicher Status als Bundestagsabgeordneter entzogen wird. Dieser Status würde ihm in verfassungswidriger Weise entzogen, sofern eine verfassungsgerichtliche Überprüfung der Auflösungsentscheidung des Antragsgegners ergäbe, dass den grundgesetzlichen Anforderungen des Art. 68 Abs. 1 Satz 1 GG nicht Genüge getan worden ist.
Das Interesse der beitrittswilligen politischen Parteien an einer längeren Vorbereitungszeit für die nächste Bundestagswahl ist anders gelagert als das verfassungsrechtliche Interesse des Antragstellers daran, dass ihm der Abgeordnetenstatus nicht in verfassungswidriger Weise vorzeitig entzogen wird. Auf die Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Auflösungsentscheidung kommt es im Zusammenhang mit der Wahlvorbereitung insofern nicht an, als politische Parteien in jedem Fall einer vorzeitigen Auflösung des Deutschen Bundestages innerhalb der gesetzlichen Fristen die an ihre Teilnahme an der Bundestagswahl gestellten Anforderungen erfüllen müssen.
Diese Entscheidung ist mit 7:1 Stimmen ergangen.
Jentsch
Broß
Osterloh
Di Fabio
Mellinghoff
Lübbe-Wolff
Gerhardt