Bundesverfassungsgericht
Beschl. v. 02.06.2005, Az.: 2 BvR 638/01
Verfassungsmäßigkeit der Mitwirkung eines wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnten Richters an der Entscheidung über ein gegen ihn gerichtetes Ablehnungsgesuch; Voreingenommene Einstellung eines vorsitzenden Richters; Begründung der Besorgnis der Befangenheit durch Zurückweisung des Protokollierungsantrags; Verfahrensrügen im Zusammenhang mit der Behandlung von Ablehnungsgesuchen; Willkürliche Behandlung von Befangenheitsgesuchen als unzulässig durch das Landgericht; Entzug des gesetzlichen Richters dem Beschwerdeführer durch die Strafkammer; Willkürliche richterliche Zuständigkeitsbestimmung; Verfassungsmäßigkeit der strafprozessualen Vorschriften über die Ausschließung und Ablehnung von Richtern
Bibliographie
- Gericht
- BVerfG
- Datum
- 02.06.2005
- Aktenzeichen
- 2 BvR 638/01
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2005, 18823
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- BGH - 20.02.2001 - AZ: 5 StR 239/00
- LG Köln - 08.09.1999 - AZ: 110-8/98
- LG Köln - 26.08.1999 - AZ: 110-8/98
- LG Köln - 27.07.1999 - AZ: 110-8/98
- LG Köln - 26.05.1999 - AZ: 110-8/98
Rechtsgrundlagen
Fundstelle
- NJW 2005, VIII Heft 35 (Kurzinformation)
Verfahrensgegenstand
Verfassungsbeschwerde gegen
a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 20. Februar 2001 - 5 StR 239/00 -,
b) das Urteil des Landgerichts Köln vom 8. September 1999 - 110-8/98 -,
c) den Beschluss des Landgerichts Köln vom 26. August 1999 - 110-8/98 -,
d) den Beschluss des Landgerichts Köln vom 27. Juli 1999 - 110-8/98 -,
e) den Beschluss des Landgerichts Köln vom 26. Mai 1999 - 110-8/98 -
Die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts hat
durch
den Vizepräsidenten Hassemer,
die Richterin Osterloh und
den Richter Mellinghoff
gemäß § 93c in Verbindung mit § 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG und § 93b BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473)
am 2. Juni 2005
einstimmig beschlossen:
Tenor:
- 1.
Die Verfahren 2 BvR 625/01 und 2 BvR 638/01 werden zu gemeinsamer Entscheidung verbunden.
- 2.
Die Beschlüsse des Landgerichts Köln vom 26. Mai 1999, vom 27. Juli 1999 und vom 26. August 1999 - 110-8/98 -, das Urteil des Landgerichts Köln vom 8. September 1999 - 110-8/98 - und der Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 20. Februar 2001 - 5 StR 239/00 - verletzen die Rechte des Beschwerdeführers aus Artikel 101 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes.
- 3.
Das Urteil des Landgerichts Köln und der Beschluss des Bundesgerichtshofs werden aufgehoben, und die Sache wird an eine andere Strafkammer des Landgerichts Köln zurückverwiesen.
- 4.
Das Land Nordrhein-Westfalen und die Bundesrepublik Deutschland haben dem Beschwerdeführer die in dem Verfahren 2 BvR 625/01 entstandenen notwendigen Auslagen je zur Hälfte zu erstatten.
Hinweis: Verbundenes Verfahren
Volltext siehe unter:
BVerfG - 02.06.2005 - AZ: 2 BvR 625/01