Bundesgerichtshof
Beschl. v. 05.11.2009, Az.: IX ZR 239/07
Bestimmung des Streitwertes einer Klage in Abhängigkeit von den späteren Vollstreckungsaussichten des Insolvenzgläubigers nach Beendigung des Insolvenzverfahrens
Bibliographie
- Gericht
- BGH
- Datum
- 05.11.2009
- Aktenzeichen
- IX ZR 239/07
- Entscheidungsform
- Beschluss
- Referenz
- WKRS 2009, 27444
- Entscheidungsname
- [keine Angabe]
- ECLI
- [keine Angabe]
Verfahrensgang
- vorgehend
- LG Mainz - 12.03.2007 - AZ: 4 O 322/05
- OLG Koblenz - 15.11.2007 - AZ: 6 U 537/07
Rechtsgrundlage
Fundstellen
- BGHZ 183, 77 - 86
- DB 2010, 47-50
- DStR 2010, 179-182
- EBE/BGH 2009, 413-415
- EWiR 2010, 199
- GWR 2010, 20
- InsbürO 2010, 117
- InsbürO 2010, 39
- InsbürO 2010, 113
- JA 2010, 662-664
- MDR 2010, 352-353
- NJW 2010, 2210-2213 "Restschuldbefreiung"
- NWB 2010, 14-15
- NZG 2010, 116-119
- NZG 2010, 259
- NZI 2010, 37
- NZI 2010, 69-72
- VersR 2010, 409-411
- WM 2010, 39-42
- WPg 2010, 260
- WuB 2010, 233-235
- ZIP 2010, 150-152
- ZInsO 2009, 2416
- ZInsO 2010, 38-41
- ZVI 2010, 230-234
Redaktioneller Leitsatz
Der Streitwert einer Feststellungsklage über eine auf einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung beruhenden Forderung bemisst sich nicht nach dem Nennwert der Forderung, sondern nach den späteren Vollstreckungsaussichten des Insolvenzgläubigers nach Beendigung des Insolvenzverfahrens und Erteilung der Restschuldbefreiung.
Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat
durch
den Vorsitzenden Richter Dr. Ganter,
die Richter Raebel und Prof. Dr. Kayser,
die Richterin Lohmann und
den Richter Dr. Pape
am 5. November 2009
beschlossen:
Tenor:
Der Wert des Streitgegenstandes für die Revisionsinstanz wird in Abänderung des zu Beginn der mündlichen Verhandlung verkündeten Beschlusses auf 8.154,27 EUR festgesetzt.
Gründe
Der Streitwert einer Klage, mit der die Feststellung begehrt wird, eine angemeldete Forderung beruhe auf einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung, bemisst sich nicht nach dem Nennwert der Forderung. Maßgeblich sind vielmehr die späteren Vollstreckungsaussichten des Insolvenzgläubigers nach Beendigung des Insolvenzverfahrens und Erteilung der Restschuldbefreiung. Der Senat hat nach diesem Grundsatz in einem Fall, in dem die Vollstreckungsaussichten nur als gering einzuschätzen waren, einen Abschlag von 75 v.H. des Nennwertes der Forderung für angemessen erachtet (BGH, Beschl. v. 22. Januar 2009 - IX ZR 235/08, ZIP 2009, 435; siehe auch BGH, Beschl. v. 6. April 2009 - VI ZB 88/08, ZIP 2009, 2172). Davon abweichende Entscheidungen, wie der im Streitfall in erster Instanz vorgelegte Beschluss des Thüringer Oberlandesgerichts vom 6. Juli 2005 - 1 W 341/05 - und die Festsetzung des Berufungsgerichts, sind damit rechtlich überholt.
Mangels anderweitiger Anhaltungspunkte ist im Streitfall anzunehmen, dass Vollstreckungsaussichten der Klägerin, deren Erhaltung sie mit der Klage erstrebt hat, im mittleren Wahrscheinlichkeitsbereich lagen. In solchen Fällen hat der Senat bisher den Streitwert einer Feststellungsklage gemäß § 184 InsO auf den halben Nennwert der vollstreckbaren Forderung festgesetzt (vgl. etwa die Streitwertfestsetzung zu dem Urteil vom 18. Mai 2006 - IX ZR 187/04, WM 2006, 1347). Das bisherige Vorbringen der Parteien gibt keinen Anlass, über einen solchen Streitwertansatz im entschiedenen Fall hinauszugehen.
Raebel
Kayser
Lohmann
Pape